Mittwoch, 22. Februar 2017

Peru: Touristentour am Titicaca-See

Nun habe ich schon so viel über Peru geschrieben, aber noch gar nichts über den Beginn der Reise. Der war nämlich sehr touristisch, und ich brauchte eine Weile, um mit dem Land und der "Vermarktung" warm zu werden. Ich flog bis Lima, machte dort eine Stadtführung und dann ging es weiter per Inlandsflug nach Areguipa. Leider hatte ich keine Zeit, dieses hübsche Städtchen zu erkunden, mehr als ein Spaziergang im Abendlicht war nicht mehr drin.
 
Am nächsten Morgen ging es schon weiter, mit der Gruppe im Kleinbus durch die Anden.
Die Fahrt offenbarte schon tolle Ausblicke und Eindrücke, aber auch die Folgen der Höhe. Die dünne Luft ist wirklich spürbar, sobald man schneller läuft. Latente Kopfschmerzen machten sich breit, und ich hatte immer eine Rolle Coca-Blätter am Gaumen kleben. Leider war da auch keine Besserung in Sicht, da auch Puno und der Titicaca-See auf 3800 Metern - höher als Cusco. Langsame Gewöhnung war irgendwie nicht eingeplant, und so musste in Puno auch der Arzt gerufen werden. Puno war übrigens ein kleiner Schock. Wir schraubten uns von oben in die Stadt hinab, die in einer Bucht am See liegt. Die Hänge, voll mit unfertigen Häusern, irgendwie ein Moloch.
Ausblick aus unserem Hotel
Der See dahinter erschien aber wirklich riesig, unendlich, wie ein Meer. Auch der Ausblick aus unserem einfachen, aber sauberen Hotel war ebenfalls eher ernüchternd. Abends stromerten wir noch durch die Fußgängerzone und entdeckten Touri-Läden und -Restaurants. In einem davon, umgeben von Amerikanern, aß ich dann auch mein erstes Meerschwein, frittiert. Geschmacklich gut, aber sehr wenig dran.
 Am nächsten Morge ging es dann zur Touri-Tour auf den Titicaca-See. Noch heute habe ich das Gefühl, Teil einer Kaffeefahrt gewesen zu sein. Ich will nicht sagen, dass es sich nicht lohnt, aber damals war ich etwas überrollt von dieser Maschinerie, die den See vermarktet. Vielleicht ist es auf der bolivianischen Seite noch anders. Leider konnte ich auch nicht rausfinden, ob es die Möglichkeit gibt, den See individueller zu erkunden.
Wir fuhren jedenfalls morgens zum Hafen, wo Unmengen an Ausflugsbooten vor Anker lagen. Die Menschenmassen wurden nach und nach auf diese verteilt. Jedes Boot hat ca. 25 Plätze, ein Guide ist mit dabei. Wir fuhren los, durch den Schilfgürtel hinaus auf den See. Dann kommen wir zu den Schilfinseln der Uros, die Hauptattraktion hier. Es muss vom Bootsführer eine Art Eintritt bezahlt werden, dann tuckern wir weiter. Auf den Inseln stehen schon Familien in bunter Kleidung und winken. Wir werden nach und nach rausgelassen, in Kleingruppen. Auf "unserer" Insel stapfe ich über das weiche, federnde Schilf. Lustig! Ein Mann erklärt, ziemlich schallplattenmäßig, wie die Inseln gebaut werden, und lässt uns an einem frischen Schilfstück knabbern.
Dann sollen wir zu jeweils zweit in die Hütten, wo die Frauen uns Kleidung und Handarbeiten zeigen. Letztere sollen wir natürlich kaufen. Ich kann verstehen, dass sie so ihr Geld verdienen, aber zum einen bin ich nicht so der Souvenir-Käufer, zum anderen mag ich solche Verkaufs-Veranstaltungen einfach nicht. Ich flüchte nach draußen und geniesse die Sonne auf dem weichen Schilf.
Dann geht die Tour aber weiter, die Familie schippert uns mit ihrem großen Reet-Boot über den See. Genau so wie die Touris der anderen Gruppen. Alles straff durchorganisiert. Wir haben trotzdem Spaß, was vor allem an der Tochter liegt, etwa sechs Jahre, mit der wir Klatsch- und Fingerspiele machen. Wir werden alle an einer Art Haupt-Schilfinsel rausgelassen. Dort kann man sich einen Titicaca-Stempel in den Pass machen lassen, bevor wieder alle auf das große Boot gehen und weiterfahren. Die Schilfinseln, die wir besucht haben, wirkten auf mich nicht authentisch. Die Hütten waren zu leer und sauber, als dass die Leute dort wirklich leben. Es sind "Ausstellungsinseln", die man besuchen kann. Es gibt aber wirklich eine Dorfgemeinschaft auf den Inseln, sogar mit Schule. Diese "echten" Inseln liegen aber abseits, und mit der Tour kommt man dort nicht hin.
Nach den Uros-Inseln fahren wir weiter auf den See hinaus. Er ist riesig. Wir steuern die Insel Taquile an, eine Art Felshügel. Auch alle anderen Ausflugsboote halten dort. Wir steigen aus und laufen mit unserem Guide den Pfad hoch zum Dorf. Die dünne Luft macht sich bemerkbar, ich muss in jeder Kurve Pause machen.
Auch in den anderen Gruppen haben die Leute Probleme. Und dann werden wir von leichtfüßigen Einheimischen in traditioneller Kleidung überholt, die auch noch einen Wasserkanister schleppen.... Auf den Hängen wird auf Terrassen Gemüse angebaut, einfache Hütten. Das Dorf oben hat einen großen Platz und bietet einen tollen Blick über den See. In einer Art Halle werden Strickwaren verkauft. Hier schlage ich auch zu, ein paar Handschuhe. Denn es ist nicht die 08/15 Ware, die es sonst immer gibt. Denn Taquile ist DIE Strickinsel - und hier stricken die Männer. Es sind andere, sehr feine Muster. An den Sachen hängt ein kleiner Zettel, auf dem steht, welche Familie es hergestellt hat. Beim Bezahlen wird das dann so aufgeschrieben, so dass jede Familie dann ihren Anteil bekommt.
Auch hier werden die Touristenmassen dann aufgeteilt: Zum Essen geht es für jede Gruppe in ein anderes kleines Mini-Familien-Restaurant. Wir freuen uns sehr über unser Lokal - ein großer Tisch mit Wahnsinns-Blick über den See. Und das Essen, Forelle aus dem See, vorher Quinoa-Suppe, ist wirklich lecker.
 
 
Danach laufen wir wieder bergab zu einer anderen Anlegestelle, wo die Boote inzwischen auf die Touristen warten. Es geht über den See zurück nach Puno, inzwischen ist es fast Abend. Mein Fazit nach diesem Tagesausflug: Es war schön, besonders auf Taquile. Die Schilfinseln in ihrer "Touri-Version" haben aber einen faden Beigeschmack hinterlassen, wobei ich verstehen kann, dass man diese Masse an Besuchern lenken und nicht auf die "echten" Inseln schicken kann.

Sonntag, 19. Februar 2017

Sehnsucht am Sonntag: Big Daddy im Sossuvlei

Sand, Sand, Sand - und ich versinke bei jedem Schritt. Eine Mitreisende hat mich hier von hinten erwischt, wie ich mich die große Düne hinaufschleppe. Im Nachhinein mein liebstes Bild, ich, mittendrin, auf Expedition in der Namib. So lange hatte ich von dieser Wüste geträumt, kannte so viele Bilder. Und am Ende bin ich mittendrin.
In der Rubrik "Sehnsucht am Sonntag" beschreibe ich in kurzen Beiträgen unvergessliche Momente auf meinen Reisen - (fast) jede Woche neu.