Mittwoch, 21. Juni 2017

Ein Ritt auf den Spuren von Winnetou und Old Shatterhand

Für einen Moment könnte ich mir gut vorstellen, wie oben auf dem Bergkamm plötzlich Indianer auftauchen und uns umstellen...so, wie man es zahlreichen Western kennt. Und dass ich mich wie in einem Western fühle, obwohl ich nicht in den USA bin, ist kein Wunder. Meine diesjährige Reiterreise führte mich gerade nach Kroatien, genauer gesagt nach Dalmatien. Und genau dort wurden die alten Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker gedreht - und auch die neue Version mit Wotan Wilke Möhring, die 2016 Weihnachten auf RTL lief. So kommt mir die Landschaft unglaublich bekannt vor, denn ich habe als Kind die Karl May Bücher geliebt, auch die alten Filme gesehen - und die Neuverfilmung dann auch.
Neuverfilmung von RTL
Winnetou-Szene aus alten Filmen
Warum Kroatien?
Ich bin also quasi Fan. Doch hier in Kroatien ist das natürlich gar nicht so DAS Ding. Und auch Bosko, der Ranch-Besitzer, dessen Pferde wir auf dem Trail reiten, hängt es nicht an die große Glocke, dass seine Pferde für die Dreharbeiten der RTL Serie vor der Kamera standen. Im Katalog von Pferd und Reiter, über die ich gebucht habe, steht es aber drin, und ich muss zugeben, dass es mit ein Grund war, die Reise zu buchen. Weitere Gründe: ich musste etwas aufs Geld schauen, und da kam es auch darauf an, ein Ziel zu finden, für das es günstige Flüge gibt. Dank easyjet war die Anreise nach Split günstig, mit extra Gepäck und guten Flugzeiten (Samstag Nachmittag hin, Samstag Abend zurück) für 180 Euro war der Flug bezahlbar und dauerte nur knapp zwei Stunden ab Hamburg. Zudem hatte ich gar nicht so Lust auf eine Fernreise, da mir Langstrecken-Flug und Zeitverschiebung schon öfter mal die Erholung verhagelten. Meine Freundin, die mitreisen wollte, wollte ungern einen Trail mit Zelt. So einigten wir uns auf den Dalmatien-Trail.
Blacky, der Liebling aller auf der Ranch


Übernachtung und Essen
Denn da gab es keine Zeltübernachtung, sondern richtige Betten. Die ersten drei Nächte schläft man auf der "Ranc Mustang", die dem Anbieter gehört. Am Rand der Stadt Sinj, idyllisch gelegen, ist es ein Gasthof mit Gästehaus und rundherum verteilten Paddocks und Ställen. 
Das Chaos ist von uns, ansonsten war es tipp top ordentlich :-)
Die Ranch ist am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel, auch für Familienfeiern. Viele Kinder toben herum, doch es ist trotzdem "wie zu Hause". Die "Reiter" werden gut betreut, bekommen dort Mittag und Abendessen. Sehr lecker und reichhaltig. Die Zimmer (2 und 3 Bett Zimmer) sind unterschiedlich groß, unseres hatte das Bad nebenan auf dem Flur. Es war einfach, aber sehr sauber. 

Danach gab es eine Übernachtung in der Nähe der Quelle des Cetina Flusses in einem kleinen Ort bei einem Ehepaar. Die Zimmer und Bäder dort waren total neu renoviert, auf der weinumrankten Terrasse wurde uns zur Begrüßung Likör, Schnaps und Schinken gereicht, später, nach einer Dusche, servierten sie uns dort an einer langen Tafel zartes Fleisch und dazu Salat und Gemüse aus dem eigenen Garten, leckeres Strudelgebäck zum Nachtisch.  Vorm Abendessen treibt der Schäfer noch seine Herde am Haus vorbei, Idylle pur...
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Die dritte Unterkunft war das Agriturismo Peace in der Nähe der Krka Wasserfälle. Eine gemütliche, rustikale Anlage, wir hatten ein kleines Apartment mit Wohnzimmer. Auch hier unglaublich leckeres Fleisch und Forellen aus der Krka, gutes Frühstück  und nette Gastgeber. Nur ein kleiner ungebetener Zimmergast sorgte bei den Mitreitern für Aufregung: Ein kleiner Skorpion unter dem Bett. Nun ja....
Es gab immer drei Gänge, Salat oder Suppe, Fleisch oder Fisch mit Beilagen und Dessert, oft Pancakes, aber auch mal Eis oder Gebäck, traditionell gefüllt mit Walnüssen. Tischwein gehörte auch dazu, ebenso Bier. Ich freundete mich mit dem kroatischen Ožujsko-Bier an, was mir überraschend gut schmeckt. Nach dem Essen wurde immer Schnaps angeboten - und Bosko holte die Gitarre raus und wir sangen, was das Zeug hielt, mit Songtexten vom Smartphone - Wlan gab es überall. Es waren tolle Abende, die wir alle sehr genossen haben...Es sind diese Momente, die Reitreisen auch so besonders machen. Ein buntes Trüppchen, das nach einem Reittag zusammengeschweißt als Gruppe Klassiker wie Let it be singt (oder grölt...) und mit jeder mit einem fetten Grinsen im Gesicht den anderen zuprostet und man am liebsten den Moment in die Endlosschleife bringen würde...
Frühstück ist fertig!
Forellen aus der Krka
Unterwegs beim Reiten gab es mittags Sandwiches, die man sich dann selbst noch Gurke, Tomate, Pickles belegen konnte, Obst und Kekse, dazu Wasser und Saft. Man sollte auch gut trinken, denn es war richtig heiß teilweise.
Mittagspaus
Wetter und Ausrüstung
Ich hatte Regenhose uns Regenjacke dabei. War ja noch "Frühling". Ich habe beides nicht gebraucht, war aber dankbar für mein noch spontan eingepacktes dünnes Baumwoll-Hemd mit langem Arm. Denn gleich beim ersten Proberitt habe ich mir die Arme verbrannt und einen fetten Sonnenstich geholt, so dass es mir nachmittags so elend ging, dass ich nicht mit der Gruppe nach Split fahren konnte, sondern im Bett im abgedunkelten Zimmer lag. Zu wenig getrunken...Die Pferde haben Satteldecken mit kleinen Taschen, wo man eine kleine Flasche Wasser reinbekommt, die man sich immer auffüllen sollte und regelmäßig auch nutzen sollte. Ansonsten hatte ich nur Kamera und ne Gürteltasche mit Taschentüchern und Sonnencreme am Pferd dabei. Wenn Schwimmmöglichkeiten sind, wird dies vorher gesagt, so dass man es sich in Tasche ins Begleitfahrzeug legen kann. Wir sind auch fast alle mit Helm geritten. Aufgrund der schnellen Galoppaden und felsigem Boden sicher nicht verkehrt. Wir, dass waren übrigens drei Deutsche, zwei Schweizerinnen, eine Dänin, ein Engländer, ein Koreaner und eine Taiwanesin. Dazu Ivan, unser Reitguide, abends und mittags noch Bosko und Marko, die das Auto fuhren und im Pferdehänger Futter und Bierbänke fürs Picknick dabei hatten. Marko ist sonst auch mal Reitführer. Beides sind kleine Machos, aber sehr nett. Abends brauchte man dann schon eine Jeans und ein Strickjäckchen, aber kalt war es nicht.

Die Pferde
Am ersten Tag nach der Ankunft sehen wir morgens beim Frühstück, wie nebenan Pferde ablongiert werden. Für uns, damit sie nicht zuuuuuu schnell sind.... mir wird mulmig. Dann freue ich mich aber erstmal, als oben am Weg, direkt vor unserem Zimmerfenster, nach und nach die Pferde angebunden werden. Sie sehen alle sehr gut aus: Trainiert, gepflegt und hübsch.
Da ist der kleine Appaloosa Flecki, dann zwei Schwarz-Weiß-Schecken, ein zierlicher Vollblut-Fuchs, ein Tigerschecke mit Rennpferd-Figur und große braune Warmblüter. Wir werden nach Reiterfahrung und Vorlieben gefragt.
Selfie mit einem Filmstar...
Ich bin wie immer vorsichtig, doch eher spontan bekomme ich dann doch einen der Schecken. Kolorado. Ein hübscher Kerl, und ich muss dann doch nachfragen bei Bosko, ob er mit dabei war, beim Winnetou-RTL-Film. Ja, war er. Er war das Pferd von Old Shatterhand, gespielt von Wotan Wilke Möhring. Ich reite einen Filmstar!

Auch viele der anderen waren dabei, und ein paar Tage später zeigt uns Marko Bilder. Er war als Indianer-Double mit von der Partie. Die Dreharbeiten waren wohl, nun ja, spannend. Die Pferde werden beim Trail alle englisch geritten, sind beschlagen. Bosko und die Jungs helfen beim Satteln und Trensen, überprüfen alles. Kolorado und auch soweit ich es mitbekomme, sind beim Putzen etc. sehr brav, nur Matador, der andere Schecke, muss mal ermahnt werden, und Maldiva, eine Vollblutstute, ist etwas kopfscheu. Wir reiten jeder sein Pferd alle sechs Tage lang. Die Pferde haben eine unglaubliche Kondition. Natürlich läuft ihnen der Schweiß teilweise in Strömen, aber schon nach kurzen Pausen atmen alle wieder ganz ruhig, keine Schnaufer, kein tiefes Pumpen. Unterwegs sind sie nachts in Paddocks untergebracht, in verschiedenen Gruppen, damit es keinen Ärger gibt. Alle Pferde sind sehr trittsicher und scheuen null - es sei denn ein wütender Hirtenhund taucht auf oder ein kapitaler Stier....aber selbst diese Situationen waren ok, außer einem kleinen Schlenker passierte nichts. Nur Maldiva stürzte mal, weil sie beim Galopp auf einem felsigen Untergrund ausrutschte. Das hätte nicht passieren müssen, wenn man dort einmal durchpariert hätte. Ivan war es auch unangenehm, aber es ist nichts passiert. 
Mein mulmiges Gefühlt vom ersten Morgen legte sich übrigens erst im Laufe der Tage. Denn der erste Ausritt rund um die Ranch im Tal des Cetina Flusses und hinauf auf einen Hügel offenbarte die Power der Pferde - die meisten ja auch mit Rennpferde-Blut. Wir sollten hintereinander bleiben, was letztlich auch immer klappte, es gab kein wildes Wettrennen. aber beim ersten Galopp blieb mir fast das Herz stehen. Ein rasantes Tempo und ein Kraftpaket unter mir, dass sich flach macht und auf Zügel nicht wirklich reagiert. Ich muss einmal panisch "Stop" schreien, als es mir zu schnell wird. Ja, ich bin ein kleiner Angsthase. Ich hoffe, meine Mitreiter konnten mir Hasenherz verzeihen... Immerhin geben auch andere zu, dass es gerade in ersten Tagen sehr flott und die Pferde schwer zu halten waren. Am nächsten Tag sortiert Bosko mich dann als Schlusslicht hinter meine Freundin ein, die ein langsameres Pferd reitet. Und auch wenn Kolorada manchmal merklich genervt ist (Kopfschlagen) und gern schneller würde, bleibt er dahinter. Ich mag meinen kleinen Filmstar sehr und kann mich gar nicht an ihm sattsehen. Und auch beim Reiten finden wir zueinander. Und insgesamt wird es ruhiger, und auch meine Kondition und meine Nerven gewöhnen sich an die laaaaaangen Galoppaden auf teilweise steinigen Strecken (da fliegen schon mal Kiesel gegen die Sonnenbrille), aber auch oft auf grünen Wiesen. Strecken, die es bei uns so gar nicht gibt. Zum Ritt an sich später mehr...

Sonntag, 18. Juni 2017

Sehnsucht am Sonntag: Ausflug in ein Blütenmeer

Toskana? Nein. Um die Ecke. Letzten Sommer war ich endlich mal zu Besuch im Arboretum Ellerhoop. Der wunderschöne Schaugarten präsentierte sich in voller Blüten-Pracht. Und man konnte eine kleine Weltreise machen. Von Italien bis nach Japan. Faszinierend auch der große Teich mit den Lotus-Blumen. Also, einfach mal in der Nähe schauen, wo man eine kleine Auszeit machen kann. Mit neuen Eindrücken, die aussehen, wie auf einer Reise geknipst.

In der Rubrik "Sehnsucht am Sonntag" beschreibe ich in kurzen Beiträgen unvergessliche Momente auf meinen Reisen - (fast) jede Woche neu.

Sonntag, 4. Juni 2017

Sehnsucht am Sonntag: Hinter dem Wasserfall


 
 2010 begann mit Island meine (Reit-)Reise Leidenschaft so richtig. Island ist faszinierend und hat in den vergangenen Jahren einen wahren Tour-Boom erlebt. Die Sehenswürdigkeiten dort sind nicht Bauwerke und Museen, sondern die Natur. Etwa die zahlreichenWasserfälle. Besonders beliebt ist dieser hier, der Seljalandsfoss. Das Besondere: Man kann hitner ihne laufen. Ist nur etwas feucht, und ich hatte Angst um meine Kamera. Dennoch war dieser Blick durch den Vorhang ein traumhafter Moment.
In der Rubrik "Sehnsucht am Sonntag" beschreibe ich in kurzen Beiträgen unvergessliche Momente auf meinen Reisen - (fast) jede Woche neu.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Harz II: Wanderung auf den Brocken

Der Brocken ist DER Berg im Harz. Mythen, Goethe, Hexen, die Brockenbahn - der "Blocksberg" ist das wichtigste Ziel bei einem Harzurlaub. Auch bei meinem Wochenendtrip mit einer Freundin durfte dieser Programmpunkt daher nicht fehlen. Und klar war auch: Wir wollen ihn uns erwandern. Doch ich bin ja eigentlich nicht so der Wanderfreak. Seit der Tour in Norwegen habe ich zum einen immer Angst, dass meine Schulter schmerzt, dss Wege zu weit sind und meine Kondition nicht mitmacht. Es gibt viele Wege auf den Brocken, lange und kürzere, aber letztlich geht es natürlich immer auch nach oben. Wir entschieden uns für den Heinrich-Heine-Weg ab Ilsenburg für den Aufstieg - und runter sollte es dann mit der legendären Brockenbahn gehen. Auch wenn ich kein Eisenbahn-Fan bin, freute ich mich darauf.
 

Aber erstmal kam die Wanderung, und auch bei einem Weg, der mit 12 Kilometer und 850 Höhenmeter und gut ausgeschildert auf Wanderwegen kein "Abenteuer" ist. sollte man auf eine achten:

Mittwoch, 10. Mai 2017

Harz: Von Vorurteilen und Fachwerk-Romantik

"Was machst du so am 1. Mai?" "Ich fahre in den Harz." Hm, klingt irgendwie nicht so aufregend, oder? Ich muss zugeben, ich hatte auch irgendwie eine nicht ganz so große Aufregung in mir, was dieses lange Wochenende anging. Klang irgendwie nicht so spannend wie "Ich fliege nach Lissabon" oder ähnliches. Harz, das klang auch für mich irgendwie nach Rentnerparadies und Familienausflugsziel. Warum also dahin? Nun ja, ich wollte das Wochenende gern mit einer lieben Freundin verbringen, die gern wandert. Da sie in Köln wohnt, musste es für uns beide gut zu erreichen sein. Auf eine Kurz-Flugreise hatte sie nicht so Lust, auch aus ökologischen Gründen, zudem waren am Feiertags-Wochenende die Preise auch nicht gerade ein Schnapper. Und nach Lissabon und Prag hatte ich eigentlich auch nichts gegen ein bisschen mehr Natur. Immerhin, klang "Harz" auch nach Natur, Mythen, Hexen. So schmiss ich mich am Freitag in den staugeplagten Verkehr und kam abends erschöpft in unserem Hotel in Bad Harzburg an.