Samstag, 19. Oktober 2019

Reiten in Rumänien - wo Bären die Nachbarn sind

Rumänien? Wie kommt man darauf? 

Für meinen zweiten Urlaub in diesem Jahr hatte ich nicht viel Geld und Zeit. Und schnell war klar, ich möchte aber nochmal reiten, mit etwas Abenteuergefühl, gern in Europa. Seit einige Jahren schon verfolgte ich auf Facebook Hipparion Trails. Die Bilder mit den Bergen, das ursprüngliche, hatten mich fasziniert. Ich erkundigte mich also nach Preisen und Anreise. Mit einem günstigen Flug nach Bukarest plus einer Zugfahrt durch Rumänien gestaltete sich die Reise zwar lang, aber bezhalbar. Ich beschloss, mich auf das Abenteuer Osteuropa einzulassen. Und eines kann ich sagen: mein Sehnsuchts-Gefühl, diesen Hof mal besuchen zu wollen, hatte Recht. Ich bereue eigentlich nur, nicht die Zeit und das Geld für einen großen Wanderritt durch die Karpaten gehabt zu haben - das wäre sicher auch was für mich.


Anreise und Ankunft
Ich bin von Berlin nach Bukarest geflogen. Es gibt Flughäfen, die näher am Hof liegen, allerding werden da weniger und damit auch teurere Flüge angeboten. Von Bukarest Flughafen ging es in die Innenstadt zum Bahnhof. Leider klappte es nicht, mit dem günstigen Bus zu fahren, da der nur alle halbe Stunde fährt und sehr lang braucht. So musste ich mir doch ein Taxi nehmen. Am Bahnhof erwartete mich dann leider Chaos. An den Automaten konnte ich für meinen gewünschten Zug kein Ticket mehr kaufen, da er ausgebucht sei. Dabei hieß es, man müsste nicht vorbuchen. Ich stellte mich also an eine der vielen Schalter an, doch leider wurden die endlos langen Schlangen nicht kürzer, und die Zeit rannte mir davon. Am Ende rannte ich, echt verzweifelt, mit einem Mann, der sich als Helfer anbot, zum Gleis und kaufte direkt beim Schaffner ein Ticket. Der Mann wollte dann noch Geld für meine Hilfe, und ich sprang letztlich entnervt und fertig in den Zug, wo ich erstmal auf dem Boden sass, bis der Schaffner so nett war, und mir erlaubte, mich auf einen leeren Platz in der 1. Klasse zu setzen. Das alles übrigens immer nur mit Händen und Füßen und nur ein paar Brocken englisch! So kam ich nach 6 Stunden Fahrt in Gheorghieni an.


Dort wurde ich von Csaba, dem der Hof gehört, abgeholt und musste aber noch im Garten eines Hauses ein paar Stunden warten, da noch eine Familie aus Wien per Auto ankommen sollte. Dort lernte ich auch Katrin kennen, die dort zusammen mit Csaba lebt und die Touren mit betreut. Sie kam vor ein paar Jahren auch als Gast und ist dann geblieben, aus Liebe zu Mensch und Tier. Auswandern in den Osten - auch das gibt es! Als die da waren, wurde alles Gepäck auf den Jeep von Csaba geladen. Dann geht es in die Berge, und am Ende rumpeln wir über wirklich nur noch mit Allrad zu bewältigen Pisten durch Wald. Dann kommen wir endlich an. Ich bin nur leider aufgrund von der langen Reise, zu wenig Schlaf, Stress in der Vorwoche und rasenden Kopfschmerzen total ausgeknockt und will nur noch schlafen. 

Der Hof
Der Hof liegt auf einer Wiese, mit Blick zu gegenüberliegenden Bergen, und besteht aus einem historischen Holzhaus, in dem auch die Gästezimmer sind. 



Es gibt mehrere, ich schlafe mit zwei deutschen Mädels unterm Dach in einem Dreibettzimmer. Das Haus hat eine Terrasse mit Sitzgruppe. 



Auf der Wiese davor ist eine Feuerstelle mit Sitzgelegenheit, und dann ist dort die neue Hütte mit dem großen Speisesaal, Küche und einem Bad. 


 
 

Weitere Duschen und Toiletten sind im Wald in einem Schuppen. Das Wasser muss per Ofen angeheizt werden - und es gibt keinen Strom. Das heißt, es gibt abends nur Licht per Kopflampe und Kerze, fürs Handy habe ich Powerbanks dabei.


Ich nutze es eh nur für Fotos, denn es gibt auch keinerlei Netz. Naja, schon, an einer Stelle den Hügel hoch. Aber das nutze ich nur einmal wegen eines dringenden Telefonats. Also back to Basic - aber genau das, was mir gefällt und guttut. Einfach, aber gemütlich, kein Luxus, aber trotzdem wohlfühlen. Einen Luxus gibt es aber: Den Holz-Hotpot, der abends eingeheizt wird, und wo man einen fantastischen Blick hat. 


Rund um die Gebäude ist ein hoher Zaun, denn die nächsten Nachbarn sind Wölfe und Bären. Csaba und Katrin leben in einem Blockhaus den Hang hinunter, und dort ist auch die Pferdeweide, mit den rund 10 Pferden. Und natürlich gehören auch zwei Wach- und Schutzhunde zum Team, ebenso wie die kleine Lotta, der Liebling aller - inzwischen müsste sie auch schon groß sein....

 

Die Verpflegung
Einfach, reichlich, und seeeehr lecker! Am ersten Abend konnte ich leider nichts mehr zu mir nehmen, da es mir so schlecht ging, aber schon das Frühstück am nächsten Morgen machte Appetit auf mehr. Es gab selbstgemachte Preiselbeermarmelade, Brot, Salami und andere Wurst, frische Paprika und Tomaten, natürlich Kaffee. Dazu immer noch was Warmes, etwa Rührei mit Pilzen oder Pfannkuchen und die berühmte Auberginen Creme - das Rezept dafür nahm sich wirklich jeder am Ende mit. Für die Ritte wurden dann immer Stullen geschmiert, jeder bekam eine Tupperdose zum Füllen, auch Tomaten, Paprika und auch ein Schokoriegel wanderten da rein. Wenn wir abends von den Ritten zurück kamen, wurden wir immer mit einem Schnaps begrüßt und es gab einen Snack in Form von Wassermelone und auch mal Maiskolben. 
 

Das Abendessen war dann immer sehr üppig und deftig. Nudeln mit Gulasch, ein ganzes Bio-Lamm mit Kartoffelsalat oder an einem Abend Kesselgulasch vom Lagerfeuer. Ein Hoch auf Brigitta, die Köchin und gute Seele des Hofes! 


Frühstück
 

Der Abend klang dann meist am Lagerfeuer aus. 

Ein Abend aber stand quasi der Wald in Flammen - absichtlich. Denn die Gegend dort ist sogenanntes Szekler-Land - hier war Rumänien lange ungarisch, und die Leute, auch Csaba, sprechen auch noch ungarisch, daher auch der Paprika-Gulasch.
Die Szekler-Flagge

Und da ich zum Zeitpunkt des ungarischen Nationalfeiertages dort war, wurde auch gefeiert: Es wurden Leuchtfeuer im Wald angezündet - große Reisighaufen. Dazu Palinka, der Schnaps, und Lieder. Es war eine einzigartge schöne Atmosphäre, auch wenn ich angesichts der Waldbrände in unseren trockenen Sommern echt etwas Schiss hatte - dort war es aber recht feucht und es ist wirklich nichts passiert.  

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