Sonntag, 7. Juli 2019

Andalusien - Das Fest der Pferde (Feria de Caballo)

Andalusien, das steht für Pferdefreunde natürlich vor allem für die gleichnamige Pferderasse. Spanische Pferde, Andalusier, Lusitanos und PRE, sind ausdrucksstark, temperamentvoll und schön. Und die Spanier sind zu Recht stolz auf ihre Pferde. Daher werden sie auch gefeiert und geehrt. Die Volksfeste heissen Feria, und nur an wenigen Orten stehen noch die Pferde im Mittelpunkt. Einer davon ist Jerez de la Frontera. Denn dort ist auch die Könniglich-andalusische Reitschule ansässig, in der die Doma Vaquera und Klassische Reitkunst geübt werden. So hatte ich denOrt schon lange auf meiner Liste. Aber in die Hofreitschule habe ich es dann doch nicht geschafft - denn ein anderer Traum wurde wahr: Ich bin selbst, in traditioneller Kleidung, über das Festgelände geritten.

Wann und wie?
Die Feria findet immer im Mai statt, und einige Reitreiseveranstalter bieten Wochentouren rund um das Datum an. Nicht alle bieten eine Teilnahme zu Pferd an. Ich wollte bereits 2018 hin, da dann aber die große Reise nach Südafrika anstand, verschob ich es. Ich buchte dann eine Woche Trail inkl. Feria auf der Rancho La Paz. Bei meinem Termin bildete der Feria-Besuch den Abschluss. Wir hatten den Trail hinter uns gebracht und am letzten Tag ging es per Auto nach Jerez. Auch die Pferde wurden extra per Lkw dorthin gebracht, von der Ranch selbst aus. Dieser logistische Aufwand rechtfertigt auch die Mehrkosten für die Teilnahmen, die vor Ort zu zahlen sind.

Voraussetzungen und Ausrüstung
Die Teilnahme per Pferd ist nicht ganz ohne. Es darf zwar nur Schritt geritten werden, aber es ist Vorschrift, auf Kandare zu reiten. Daher muss man eine ruhige Hand haben. Und die Pferde sollten Erfahrung haben, das es auf dem Gelände trubelig und voll ist, und man sich den Platz mit Kutschen und anderen Reitern teilt, wobei gerade die Kutschen einfach fahren, auch zwischen Pferde, die eigentlich zusammen gehören. Das galt es unbedingt zu vermeiden, wurde uns eingebläut, da sich die Pferde logsicherweise nur in der Herde sicher fühlen. Neben der Kandare ist auch der klassische Vaquero-Sattel Vorschrift. Den kannten wir ja schon vom Trail, für die Feria wurde noch das Campotuch vorn am Sattel angebracht, für die Hirten diente das auch als Wetterschutz. Das Sattelzeug muss sauber und gepflegt sein, und so sassen auch wir am frühen Morgen des Feria-Tages am Corral, um Zaumzeug und Sättel zu waschen und zu fetten.
Aber auch die Menschen müssen sich entsprechend kleiden. Frauen tragen dort eigentlich die bunten Flamenco-Kleider und reiten nur mit, indem sie sich hinter den Mann seitwärts auf die Kruppe setzen. Wir als Reiterinnen zogen aber die männliche Tracht ("Traje") an. Sie besteht aus einer Stoffhose, Bolerojacke, darunter eine weisse Bluse, braune hohe Stiefel, ein Tuch um die Taille und den klassischen Flamenco-Sombrero. Bluse, Stiefel und Tuch habe ich mitgebracht, die Stiefel hatte ich gebraucht gekauft. Se sind sehr bequem, aber ich möchte sie wieder verkaufen, wer also Interesse hat... eine weisse Bluse hatte ich noch, ein Tuch war auch noch gefunden. Die Jacke und die Hosen wurden von der Ranch gestellt. Beim Anprobieren gab es viel Geächter, da die Hosen teilweise sehr lustig geschnitten waren. Irgendwann hatte aber jeder eine, die nicht aussah wie ein Sack oder viel zu eng war. Das waren natürlich recht einfache Varianten, unsere Guides bekamen private Trajes geliehen, aus feinerem Stoff, mit goldenen Zierknöpfen und feinen Rüschenblusen. Einige kauften auch noch Stiefel vor Ort, vielleicht keine schlechte Idee, für 100 Euro gab es feine Lederstiefel. Ich musste auch noch einkaufen, einen Hut. Das erledigten wir alles in Alcala, dem hübschen Bergdorf, in dem wir während des Trails drei Nächte übernachteten. Ich brauchte wie immer eine große Grösse, und der Hut kostete auch stolze 70 Euro, aber ist dafür ein "echter" aus Wolle.
Am Tag der Feria hiess es also zunächst Sattelzeug putzen, dann uns selbst schick machen. Die Haare müssen als Dutt zusammengezurrt werden, und auch ein wenig Make up kann nicht schaden. Dann ging es los, von Alcala nach Jerez.

Die Feria
Das Fest reicht zurück ins Mittelalter. Damals war es ein Handelsplatz, Pferde und andere Tiere wurden verkauft, ein erfolgreicher Handel wurde mit einem Drink besiegelt. Heute besteht die Feria aus zwei Teilen, die nebeneinander auf einem Festgelände liegen. Zum einen eine Art Jahrmarkt, auch mit Fahrgeschäften, zum anderen eine Art Dorf, mit einem Straßenkreuz in der Mitte, mit Sand bestreut. Drumherum die "Casetas", die kleinen Buden, in denen Getränke verkauft werden, hauptsächlich Sherry. Dazu gibt es Bühnen und Buden, in denen getanzt wird, und zwar tatäschlich zu Flamenco-Musik. Die Feria geht über zehn Tage, und auch die Hofreitschule beteiligt sich mit Aufführungen, es gibt zudem Reiterwettkämpfe.

Unser Ritt auf der Feria
Wir treffen den Lkw mit den Pferden etwas vom Festgelände entfernt auf einem Parkplatz. Die Pferde, frisch gewaschen, werden ausgeladen und gesattelt. Wir bekommen nochmal genaue Anweisungen, dass wir unbedingt zusammen bleiben und keine Lücken auftauchen lassen sollen und mit ruhiger Hand reiten sollen, da die Pferde sonst immer nur mit Hackamore geritten werden, geht es los. Es ist schon später nachmittag, gottseidank weht auch ein Wind, so dass die Hitze kein Problem ist, die Hüte werden zur Sicherheit nochmal mit Haarnadeln festgeklemmt. Wir müssen noch ein Stück zur Feria reiten, und es geht über eine Hauptstraße inklusive Kreisverkehr und Springbrunen in der Mitte. Bis auf etwas Gerutsche durch die Eisen ist das kein Problem. Dann gibt es in der Mitte der Straße eine Art Rambla, die wir da auch nutzen um nicht direkt im Verkehr reiten zu müssen. Dann sind wir da und reiten ein. Es geht los! Wir reiten schon im Uhrzeigersinn, alle in eine Richtung, Wir werden schon fotografiert. Kutschen, Reiter, Fußgänger, Musik, Ballonverkäufer, Rüschenkleider - es gibt viel, was für Pferde nicht so einfach ist. Aber die Profis bleiben ruhig, nur ein wenig Getänzel. Leider fängt Luzera auch an und wird immer nervöser. Ich leider auch. Ich komme damit nicht zurecht, und als sie ein paar Mal seitwärts hüpft, bekomme ich Angst. Aber erstmal kann man nichts machen, Anhalten geht nicht. Caro gibt mir noch Tipps. Dann biegen wir an einem Eingang zu einer Tränke für die Pferde ab (eine Art großes Waschbecken). Hier steige ich ab und darf mit Caro Pferde tauschen. Ich bekomme den Opi, der die Ruhe selbst ist.

 
 
 
 
 
Es geht weiter, wir stellen uns vor einer Caseta auf und bekommen von Rancho-Besitzerin Nicole und den Mädels einen Drink gereicht. Einen Rebojito, ein Cocktail mit Sherry, Limoande und Eis. Wir prosten uns zu und werden auch fotografiert. Dann müssen wir aber weiter, die berittten Polizei meint, wir stehen im Weg. Wir drehen noch eine Runde aussenrum in dem Straßenkreuz und dann geht es raus, über die Straße zurück zum Lkw. Der Verkehr ist gar nicht mal so wenig, aber es nehmen alle Rücksicht - es ist ja Pferdefest. die Pferde werden abgesattelt und verladen. Glücklich und aufgekratzt fahren wir zurück zur Ranch, der Weg ist recht weit, und es wird spät.
 
 
 

Fazit
Auch wenn wir letztlich nur ca. 2 Stunden zu Pferd dort waren und der Aufwand und auch die Zusatzkosten nicht ohne sind, war es ein einmaliges Erlebnis. Das Gesehen und Gesehen werden, ein Teil der stolzen spansichen Reiterwelt zu sein, auch die strengen Vorschriften zur Kleidung, die einfach nur die Tradition hochhalten sollen, sind ein einmaliges Erlebnis. Ich war aber froh, dass es an unserem Tag nicht so voll war, auch wenn wir so weniger zu gucken hatten. Ich will nicht wissen, was da sonst auch mal passieren kann - Feria kann man schlecht trainieren, sicher sind nicht alle Pferde so cool. Es bleibt zu hoffen, dass das Pferdefest auch weiterhin nicht nur ein Volksfest wird, sondern auch Reiter teilnehmen.
 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen