Donnerstag, 30. Juli 2015

Mongolei I - Wilde Ponys, weites Land

Foto: Antje
Sehnsuchtsziel Mongolei
Schon lange war dieses Land, im fernen Osten, zwischen Russland und China, ein Sehnsuchtsziel. Warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich wusste nur, es ist ein Reitervolk (Dschinghis Khan lässt grüßen, zu diesem Nationalhelden hier mehr) mit einer ganz anderen (Nomaden-) Kultur, unendlichen Weiten und noch ein ungewöhnliches Reiseziel. Dass ich nun wirklich dieses Jahr schon dort war, kam eher überraschend. Zwei andere Reiter, die ich 2014 in Indien kennengelernt hatte, fragten, ob ich nicht da hinwollte. Sie würden fahren, da ihr anderes Ziel, Kamtschatka, nicht ohne weiteres realisierbar war. Gesagt, geguckt - und Flug gebucht sowie die Reitreise "Zentrale Steppe der Nomaden" über Pegasus samt Naadam-Verlängerung. Leider sind Flüge nicht gerade günstig, aus logistischen Gründen entschied ich mich gegen den Direktflug mit Miat ab Frankfurt und flog mit Aeroflot über Moskau. Alles andere, Unterkünfte, Transport etc waren im Reitreisepaket enthalten. Ohne geführte Tour stelle ich mir das Reisen in der Mongolei schwer vor - Sprachbarriere, kaum richtige Straßen, wenig Beschilderung, und wenn, dann auf mongolisch. Nach einem Nachtflug kam ich morgens in Ulanbator auf dem recht überschaubaren Flughafen an. Die Übersetzerin und Reiseleiterin stand dort bereit. Und kurz darauf ging es los, mit zwei japanischen Kleinbussen raus in die Steppe, wo wir erstmal frühstückten und uns kennenlernten - 7 Deutsche, die Übersetzerin, eine Köchin und die zwei Fahrer.
Und am nächsten Tag, nach Fahrt und Besichtigung von Kharakorum, startete unsere 9-tägige Reittour durch die zentrale Mongolei, Provinz Arkhangai, am Orkhon-Fluss entlang bis in die Khangai-Berge.

Pferde und Reitweise
Wir begegnen unseren Pferden samt Reitguide Agi und seinen beiden Helfern, Sohn Puna und dem jungen Suchhe (keine Ahnung, wie die Namen richtig geschrieben werden) an einem Strommast an einer Straße. Die kleine Herde, für jeden ein Pferd plus 3 Handpferde, ist bunt. Pferde gibt es hier in allen Farben. Vom Tigerschecken bis zum Fuchs ist alles dabei. Ohne große Nachfragen werden Pferde zugeteilt, jeder bekommt einfach eines. Ich trete vor, als ein Fuchs dran ist. Wie alle hat er eine kurze Stehmähne - aus optischen Gründen werden diese gestutzt. Die Sättel für uns sind gottseidank keine mongolischen, die vorn und hinten hohe "Lehnen" haben, sondern flache russische Militärsättel. Die Steigbügel sind rund. Anders sind die Sattelgurte: Vorn einer unterm Bauch und noch einer weiter hinten. Die Gurte, teilweise geflochten, sind sehr schmal und werden seeeehr stramm gezogen. Das hinterlässt auch weiße Striemen am Bauch. Die Gebisse sind dünn und scharf, die Trensen meist zusammengeknotet aus Gurten.

So bleibt nicht aus, dass die Maulwinkel wund werden (die Pferde hatten gerade anfangs einen guten Vorwärtsdrang) und einige im Gesicht Scheuerstellen von den Knoten bekommen. Das wird bemerkt und die Halfter auch mal gewechselt. Auch wir haben blaue Flecken an den Innenseiten der Schenkel von ungünstig sitzenden Steigbügel-Knoten. Geritten wird ohne feste Ordnung, nur der Guide soll nicht überholt werden - es sei denn er schickt uns vor zum Galopp, während er mit Handpferd und unserer Übersetzerin, die Angst vorm Durchgehen hat, hinten bleibt. Die Pferde gehen gut vorwärts. In der Steppe reiten wir Schritt, viel Trab - und haben Platz für sehr flotte Galoppaden. Vor der ersten habe ich etwas Angst, kann ich mein Pferd doch anfangs kaum zurückhalten. Ich taufe ihn "Anton" - denn die Mongolen geben ihren Pferden keine Namen, es gäbe einfach zu viele, so die Erklärung. Man reitet eben den "Braunen". Galopphilfen braucht es nicht: Die Pferde werden mit der Stimme, genauer gesagt einem "Tschu tschu" angetrieben. Ich zögere erst, doch dann kommt mir "tschu tschu" über die Lippen - und es gibt kein Halten mehr:
Anton ist eine Rennsemmel, und ich überhole alle von hinten. Hui, macht das Spass! Hier, wo so viel Platz ist, ist das auch kein Problem, wir reiten weit verteilt nebeneinander. Kein Zaun, keine Straßen, keine Bäume. Und das Durchparieren ist dann, wohl auch aufgrund der scharfen Gebisse, kein Problem - sogar unabhängig voneinander. Nach den Galoppaden dürfen wir nicht stehen bleiben, und die Pferde dürfen dann auch nicht sofort Wasser trinken, falls in der Nähe ein Bach ist. Erst müssen sie etwas "abkühlen". Wir halten uns an diese Regeln, natürlich. Abends werden die Pferde auch erst nach einer Weile abgesattelt - von den Guides. Sie machen die Pferde auch morgens für uns fertig. Ungewohnt, aber so ist es eben. Der Lagerplatz wird von Agi ausgesucht, wichtig ist Gras für die Pferde. Für die Nacht werden ihnen Fussfesseln angelegt und teilweise werden sie zu zweit zusammengebunden. So wird gewährleistet, dass sie, hier in der unendlichen Weite, in der Nähe des Camps bleiben. Es ist schon ein merkwürdiger Anblick, wenn sie mit den Fesseln laufen oder gar hopsen, der eine den anderen hinter sich her zum Wasser zieht.  
Aber es funktioniert, die Pferde kennen es. Nach den flotten Galoppaden lernen wir in den Bergen auch noch die Trittsicherheit der Ponys kennen und schätzen. Probleme gibt es nur mit der Schreckhaftigkeit der Pferde. Einmal gerät eines beim Trinken im Fluss an ein Seil eines Handpferdes, und der Wallach (es werden nur Wallache geritten) buckelt los. Leider endet das Ganze mit einem Abwurf. Auch ein anderer Reiter fällt, weil sein Pferd losschiesst, als vor ihm das Pferd etwas aus der Packtasche verliert. Die beiden tauschen dann auch die Pferde, etwas zum Unmut des Reitführers. Denn eigentlich ist Pferdetausch nicht vorgesehen, da jedes Pferd anders sei und man sich an sein Pferd gewöhnen soll. Auch das Fotografieren vom Pferd aus sollen wir erstmal lassen, auch ich traue mich erst nach ein paar Tagen, die - gut mit einem Band um den Hals gesicherte - Kamera in die Hand zu nehmen. Wegen der Schreckhaftigkeit soll auch keine raschelnde (Regen-) Kleidung getragen werden. Dass Anton auch geräuschempfindlich ist, merke ich, als ich mal meine Regenjacke hochruckel, um auf die Uhr zu schauen - er schiesst los. Dieser "Makel" ist aber nicht weiter schlimm - und verständlich. Die Pferde sind weniger menschenbezogen als bei uns. Sie leben frei im Herdenverband, werden irgendwann zum Einreiten rausgefangen, eingeritten und gut. Suchhe etwa reitet in einer unserer Mittagspausen mal eben sein Handpferd, einen jungen Hengst ein. Mit Hilfe von Ohr festhalten und Seil als Nasenbremse bekommt er Trense und Sattel. Suchhe steigt auf, Pferd buckelt los. Nach einmal Fallen der 2. Versuch. Suchhe sitzt hinter dem Sattel, das Pferd buckelt mit ihm durch die Steppe. Als es ruhiger wird, treibt er es mit der Peitsche an. Und plötzlich läuft er, ohne buckeln.

video
 
Für den Rest des Trails reitet Suchhe den Junghengst - ohne Probleme. Reiten können hier schon die Kinder, ein Knirps etwa an dem wir vorbeikommen, der zu Pferde Ziegen hütet. Wobei die mongolische Reitweise natürlich mit unsere nichts zu tun hat. Im Schritt lümmelt man sich in dem speziellen Sattel, im Trab steht man, die Knie schlackern weit auseinander.  
Da wird auch mal gezogen und gezerrt, beim Wiedereinfangen der losgerissenen Handpferde wilde Wendungen geritten - die Ponys sind hart im Nehmen, müssen sie sein, sonst sind sie wertlos. Es gibt genug. Und sie bleiben immer etwas wild, scheu. Nähert man sich ihnen, drehen sie sich weg, Streicheln scheint ein Fremdwort. Andere Länder, andere Sitten. Das muss man akzeptieren, wenn man dort reitet. Wer mit dieser Rauheit Probleme hat, bekommt selbst welche. Das heißt nicht, dass den Mongolen die Pferde egal sind. Im Gegenteil, für viele sind sie das Kapital, bedeuten Wohlstand. Aber in diesem rauen Land, weit weg von Zusatzfutter und Tierheilpraktikern, geht es nicht anders. Und nur so konnten diese Ponys so hart im Nehmen bleiben wie zu Dschinghis Khans Zeiten. Werden Pferde nicht geritten und sind "zu Hause", dürfen sie frei umherstreifen. Es ist ein schönes Bild, wenn wir in der Nähe von Jurten auf Pferdeherden stoßen, hinter denen ein Leithengst mit langer Mähne herläuft und mit tiefem Hals energisch seine Familie vor sich hertreibt. Fohlen laufen teilweise mit, aber, wie zu Hause bei unserem Reitführer, wo wir eine Nacht bleiben, viele sind auch in der Nähe der Jurten an einem Seil angebunden.
So wird gewährleistet, dass die Stuten zurückkommen und gemolken werden können. Schließlich wird Airag, die vergorene Stutenmilch, hier wirklich überall und gern und oft getrunken. Auch wir bekommen es angeboten, etwa als wir Suchhes Familie in der Jurte besuchen. Mir schmeckt es leider überhaupt nicht, löst eher Ekel aus.
Auch andere typische Milchprodukte, die rumgereicht werden, etwa harter, getrockneter Quark, sind gewöhnungsbedürftig. Nur die fette, goldgelbe frische "Butter" mit etwas Gebäck geht an mich, dazu noch ein Schluck Milchtee. Nach dieser Pause, während der die Pferde sofort in ihre typische "ich lege meinen Kopf auf den Sattel des anderen"-Haltung verfallen sind - so niedlich - geht es weiter.
Die Pferde sind relativ klein, Stockmass zwischen ca. 1,30 und 1,45 - gut zum Auf- und Absteigen - aber kräftig, mit großem Kopf – nicht unbedingt das, was wir gut proportioniert nennen. Im Norden der Mongolei sind sie durchaus größer. Die Ponys haben mich restlos überzeugt. Lauffreudig, zäh, ausdauernd, genügsam, trittsicher. Es wurde nichts zugefüttert, es gab nur das Gras, was sie nacht fanden. Keines der Pony hat sichtbar abgenommen trotz der langen, schnellen Ritte und dem Gekraxel in den Bergen. Sie erscheinen mir noch zäher als die Islandpferde - dort wurden die Reittiere ja sogar während eines Tages gewechselt. Doch mein Anton hat mich 9 Tage durchgehend getragen, ist gerannt, geklettert - und war topfit. Und das, obwohl er mit 18 der Älteste in der Truppe war. Dass die Ponys eine Gelassenheitsprüfung wohl nicht bestehen würden, sei dahingestellt. Dafür leben sie ja auch frei in der Steppe, wenn sie frei haben. Übrigens haben wir auf der Rückfahrt nach Ulanbator auch halt im Kustai-Nationalpark gemacht. Und dort die Vorfahren der Ponys gesehen: Przewalski-Pferde, auch Takhi genannt. Urpferde, wieder gezüchtet und ausgewildert, nachdem sie als ausgerottet galten. Einfarbig gelblich, kurze Mähne, kräftig - und mit mehreren Fohlen. Wunderschön.
Landschaft und Klima
Ich wollte ja in die Steppe - die bekam ich und noch viel mehr. Ja, die Steppe ist so, wie man es sich vorstellt. Sanfte Hügel, kurzes Gras, unendliche Weite. Mal ein tieferes Tal mit einem Bach. Dort ist es grüner, riesiger Viehherden streifen frei umher. Dann trockenere Gebiete - mangels Regen in diesem Jahr ist es hier braun und staubig. Wir folgen unscheinbaren Fahrpisten, galoppieren Hügel empor. Immer mal wieder Jurte, an denen wir nur im Schritt vorbeireiten, sonst kommen die großen Wachhunde angejagt. Nomaden, die auf Pferden, oder leider öfter auch per Moped, hinter ihren Tieren herfahren. Es ist heiss und trocken. 
Ich reite langärmelig, da ich mir schon am ersten Tag die Arme verbrannt habe. Meine Gürteltasche hinterlässt Schweissflecken. Eine Pause am Bach? Zeit, sich Wasser in den Nacken zu schaufeln und den Buff anzufeuchten und auf den erhitzten Schädel zu ziehen. Beim Laufen scheuchen wir massenhaft riesige Heuschrecken auf. Oft, aber nicht immer, weht Wind. Abends recht frisch, er zerrt oft an meinem Zelt. Einen Nachmittag und Abend verbringen wir in dem Tal, wo Agi wohnt. Wir reiten von oben herab, blicken auf eine umzäunte Klosteranlage mit Stupas, ein Ger-Camp daneben.
Im Tal wird es grün. Laufen später durch diese grünen hubbeligen Wiese zu einem "Thermalbad". Die Mongolei hat mehrere heiße Quellen. Ein riesiger Ovoo, ein Opferplatz aus Zweigen, geschmückt mit Gebetsfahnen, wacht über die Quelle.
Es gibt mehrere, das Wasser ist kochendheiss, jede Quelle soll für ein bestimmtes inneres Organ gut sein. Im baufälligen Badehaus lege ich mich in die heiße, schweflige Brühe - das erste Mal Haare waschen seit drei Tagen, so gut es geht. Am nächsten Tag verändert sich die Landschaft, erst am Ende der Tour werden wir nochmal durch die Steppe reiten. Es geht durch einen bremsenverseuchten Nadelwald bergauf, dann in ein Tal, in dem es sehr grün ist und die Wiese voller Blumen steht. 
Eine Idylle wie aus dem Heimatfilm. Auch ein Ausflug zu einem Kloster führt nochmal bergan, durch den Wald. Zwischen den Bäumen leuchtende Blumen in gelb, lila, weiss. Das Kloster liegt oben am Fels, wie ein Vogelnest. Ein grandioser Ausblick über Berge voller Nadelwald.
Als wir das Orkhon-Tal erreichen, wird es felsiger, hier gibt es keinen Wald mehr. Der Fluss hat sich teilweise tief eingegraben, määndert durch das Land.
Aber auch er führt wenig Wasser. Als wir uns dem berühmten Orkhon-Wasserfall nähern, wird es grüner. Dahinter erheben sich schon die Khangai Berge. Über eine grüne Wiese laufen wir auf den Wasserfall zu. Er ist von fern nicht zu sehen, der Fluss stürzt quasi in ein Loch in der Ebene, gräbt sich danach noch eine Weile tief durch den Fels. Wir steigen hinab zu dem Becken, und trotz mühseligem Einstieg über Felsbrocken und kaltem Wasser geniessen wir es, unter dem donnernden Wasser zu schwimmen. Danach beginnt unsere Yak-Tour. Und nicht nur, weil wir nun hinter diesen bepackten Urviechern herlaufen, die nun statt Auto unser Gepäck transportieren, wird das Tempo langsamer. Es geht bergauf, es ist felsig, erstarrte Lavaströme durchziehen die Gegend, teilweise aufgetürmt wie ein Berg, teilweise nur einzelne Brocken. 
Abends Zelten wir auf einer Lichtung zwischen Tannen, die leider teilweise abgestorben sind - Schädlinge. Aber auf der Wiese wieder zahlreiche Blumen, es duftet nach Kräutern. Edelweiss wachsen hier, haufenweise. Am nächsten Tag geht es weiter bergauf Als wir den Pass überwunden haben und auf der anderen Seite durch Lavagestein hinabgekraxelt und einen Sumpf durchquert haben, öffnet sich ein Tal mit einem See. Ohne Yaks reiten wir nachmittags einen Teil der 8 Seen ab, die diesem Naturschutzgebiet den Namen gegeben haben. Blaue Perlen zwischen Bergen, ein bisschen wie in den Alpen.
Ganz andere Mongolei als gedacht, aber auch wunderschön. Doch kaum ist die Sonne weg, wird es kalt. Eines nachts sogar sehr kalt - Raureif auf den Zelten, gefrorenes Wasser in der Plastikflasche. Zurück geht es denselben Weg über den Pass, nochmal ein Camp unter Bäumen. Zurück am Wasserfall, zieht der Himmel zu - ein Hagelschauer geht nieder, wir sitzen in der Jurte. Es bleibt bewölkt, ist nicht mehr so heiss wie in den ersten Tagen. An einem der letzten Tage ist der Wind so heftig, dass wir die Zelte nur mit vereinten Kräften abbauen können. Kurz: Wir hatten alles. Von wüstenartigen Temperaturen und Staub in der Steppe bis hin zu grünem Überfluss, kalten Nächten und viel Wind.

Unterwegs zu Hause 
Sich heimisch fühlen, obwohl man jeden Tag woanders ist - das funktioniert bei mir auf Wanderritten immer ganz gut. Meine erste Nacht in der Mongolei verbringe ich stilecht in einem Ger-Camp. Ger ist das mongolische Wort für Jurte. Solche Camps sind die gängige Unterbringung abseits Ulanbators. Und selbst dort haben wir nicht in der Stadt in einem Hotel, sondern in einem Vorort in einem Ger-Camp übernachtet. Diese haben auch alle einen Sanitärtrakt mit Duschen und Toiletten. In den Jurten stehen mehrere Betten, meist waren es fünf. Auch Jurten gibt es in unterschiedlicher Größe, je nachdem wie viele Scherengitter als Wände aufgestellt werden erweitert sich der Durchmesser. Kleine Jurten dienen oft als Küchenjurte, im Camp in Ulanbator gab es eine riesige Jurte als "Speisesaal". In der Mitte der Jurte ist der Ständer, von dem die Dachstangen ausgehen.
Filzmatten dienen als "Plane" und werden mit Tuch oder auch Plastik abgedeckt. Ein Ofen in der Mitte sorgt bei Bedarf für Wärme, gelüftet wird, indem an heißen Tagen aussen die Matten hochgeklappt werden. Zudem haben wir einmal in der Jurte auf dem "Hof" unseres Reitguides übernachtet und in einem kleineren Camp am Orkhon-Wasserfall. Ich habe mich in den Jurten immer sehr wohlgefühlt. Die meist orangenen Stangen sind oft schöne bemalt. Zudem lassen sich daran praktischerweise alle möglichen Dinge aufhängen - auch die Mongolen nutzen das als Stauraum. Während in Touristenjurten nur rundherum die Betten, in der Mitte Tisch und Ofen und die typischen kleinen Hocker stehen, ist in einer richtigen Jurte reihum alles Mögliche untergebracht - von den Töpfen mit Airag über das Küchenbord bis zum Hausaltar und dem Fernseher.  
Der Hof unseres Reitguides
Dort gab es dann keine Duschen und nur Plumpsklos - mehr dazu hier auf meiner Liste 10 Dinge, die es in der Mongolei nicht gibt.
Strom hingegen gibt es in den Jurten per Solar oder auch mal per Autobatterie. Ansonsten war aber Camping angesagt - und jeden Abend Heringe in die Erde drücken, am Morgen wieder rauszerren. Solange wir mit den beiden Begleitbussen unterwegs waren, hatten wir praktische Quechua-Wurfzelte. Die liessen sich sehr flugs aufbauen. Der Abbau...nun ja. Sagen wir mal so: ich habe den Dreh bis heute nicht raus.
Für jeden gabe es eine Alu-Matte als Isolierschicht, dann eine Schaumstoffmatratze - ziemlich groß vom Packmass her, ich fand sie aber bequemer als jede Isomatte. Während wir unsere Zelte aufbauten und einrichteten, die Reithose gegen eine normale Hose tauschten und schon mal die Umgebung erkundeten, baute das Team zusätzlich noch ein großes Küchenzelt auf, in dem gekocht und bei Wind und kalten Morgentemperaturen auch gegessen wurde. Bei der Yaktour wiederum war aus Platzgründen dieses nicht dabei, da fand alles unter freiem Himmel statt. Und auch wir bekamen andere, normale Zelte mit Stangen, weil die Wurfzelte im verpackten Zustand zu groß und unförmig waren für die Packsäcke der Yaks. War alles aufgebaut, genossen wir den Abend.
Eines unserer Camps mit Bussen und blauem Küchenzelt
War ein Gewässer in der Nähe, marschierten wir samt Bikini und biologisch abbaubarer Seife dorthin, um uns zu waschen. Wenn nicht, blieben wir eben dreckig. Wer mochte, machte noch einen Spaziergang. Ich genoss oft einfach die Ruhe, schrieb Tagebuch, sortierte meine ganzen Säcke. Da alles regendicht verpackt werden sollte, hatte ich im Rucksack viele kleine wassserfeste Packsäcke. Und nicht bei allen konnte ich mir merken, was wo drin war. Das "Rumreusen" und "Suchen" war bei fast allen daher eine ziemlich häufige Beschäftigung. Wo waren nochmal die Ibuprofen-Tabletten? Und was macht der Schlafanzug bei den sauberen T-Shirts? Währenddessen wurde das Essen für uns zubereitet. Meist mit (Schaf-) Fleisch, als Eintopf, mit heissen Steinen im Topf geschmort (Nationalgericht, sehr lecker, hier geht es zum Rezept) oder als Fleischspieß. Aber auch unsere Vegetarierin wurde immer satt, da es auch oft Gurken/Tomatensalat, Nudeln und Reis gab oder die Teigtaschen, wahlweise frittiert oder gedünstet, für sie statt mit Fleisch einfach mit Gemüse (viel Kohl, Rote Beete, Karotten, Kartoffeln - was sich eben gut hält unterwegs) gefüllt wurden. Dazu gab es Tee - heisses Wasser aus einer riesigen Thermoskanne und Teebeutel. Die wurden dann auch mehrfach verwendet, verschwendet wurde ja nix. Die Frage "wie oft war der schon?" gehörte daher zum Essen dazu. Gekocht wurde im Küchenzelt mit Gasflasche, auf der Yaktour über offenem Feuer. Und immer gab es danach noch was Süßes, sei es eingelegtes Obst, Kekse oder Schokolade - made in Mongolia. Wer wollte, half danach auch mal beim Spülen. Die Abendstunden in den Camps waren immer schön. Egal ob am Ufer des Orkhon, wo wir beobachten konnten, wie ein Hirte eine ganze Herde durch den Fluss trieb - und die Schafe schwimmen mussten, oder als plötzlich ein Pferd abgehauen war und frei herumlief und wir Zeuge einer wilden Jagd mit Pferden und Seilen wurden, oder auf der Bergwiese mit den Yaks, wo es so schön duftete und wir das Lagerfeuer prasseln liessen - alle hatten vorher mit Holz gesammelt.
Und wo dann spontan ein kleines Turnier entstand, wir unterm Baumstamm Limbo tanzten, beim Fangen alle gegeneinander antraten und beim Tauziehen – Deutsche gegen Mongolen – beim ersten Versuch das Seil riss und wir alle auf dem Hosenboden landeten. Auch auf eines der Yaks durften wir mal klettern und darauf sitzen - und stehen. Bei der Yaktour waren auch unsere kleinen Klappstühle nicht dabei, und so lagen wir oft alle neben- und aufeinander, etwa, um auf Kameras und iphones die Bilder des Tages zu sichten. Am beliebtesten war aber das gute alte Kartenspiel. Mit ein bisschen Übersetzunghilfe, aber auch ohne, wurde uns ein mongolisches Spiel beigebracht, wir brachten den Mongolen Spiele bei. Wir spielten in gemischten Teams, bis die Regeln klar waren. Immer wieder fragten wir auch nach mongolischen Vokabeln. Aber ich muss gestehen: Es ist eine schwere Sprache. Immerhin: "Baydlaar" - "Danke", "Saim Ban Nuu" - "Guten Tag" und "Toktoi"- "Prost" haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Diese Zeit zusammen war wunderschön, wir haben viel gelacht. Und immer die Pferde um uns rum, meist ein grandioser Ausblick. Und irgendwann - ich meist früher, da ich einfach sooo müde war von all der frischen Luft, zog sich dann jeder ins Zelt zurück. Eingekuschelt in meinen Schlafsack, oft mit dem Rauschen des Windes, der das Zelt wackeln liess, im Ohr, habe ich immer gut geschlafen - bis auf die Nacht, wo mich ein Magen-Darm-Infekt quälte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mehr zu Kultur, Traditionen und dem Naadam-Fest findet Ihr hier
Fotos aus der Mongolei unter diesem Link

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen