Freitag, 4. Dezember 2015

Riders of the Caribbean - Trail in der Dominikanischen Republik, Teil 1

Auch wenn ich in der Dominikanischen Republik im November 2015 durchaus auch die Annehmlichkeiten eines All inklusiv Hotels kennenlernte (siehe hier), bin ich natürlich nicht deswegen in die Karibik gefahren - sondern um einen neuen Trail-Ritt in Angriff zu nehmen, zusammen mit einer lustigen Truppe von insgesamt neun Reitern, von denen ich sieben schon von anderen Reitreisen kannte. Dazu kam Alex, unser einheimischer Guide, so wie zwei Praktikantinnen aus Deutschland, die uns beim Reiten begleitete. Im Hintergrund sorgten Helferlein für Verpflegung und für den Gepäcktransport - und Gabi, die das Reitunternehmen leitet, persönlich, die alles organisierte, mit unserem Gepäck sogar im Schlamm stecken blieb und auch zum Teil mitgeritten ist. Sie bietet auch Tagesausflüge zu Pferd an, im Prinzip Touren, die wir auch geritten sind, nur eben einzeln (mehr Infos hier). Unser Trail sollte sechs Reittage umfassen - und eines sei gesagt - jeder hatte sein kleines oder großes, lustiges, abenteuerliches oder einfach schönes Highlight (rot markiert) - und manchmal auch mehrere.
Ich werde den Bericht aufteilen - Tag für Tag....aber auf jeden freue ich mich und ihr vielleicht auch...

1. Tag
Wenn man an Reiten in der Karibik denkt, denkt man zuerst an Strandritte unter Palmen. Ich auch, aber auf dem Plan stand heute erstmal ein Bergritt. Ich war deswegen fast etwas enttäuscht, aber auf der anderen Seite war ich neugierig darauf, auch diese Seite des Landes kennenzulernen. Wir wurden morgens an dem kleinen, aber feinen Hotel im Ort Bavaro eingesammelt, wo wir am Vorabend alle zusammen gekommen waren - und italienisches Essen am Abend genossen. Gepäck und wir wurden auf Gabis Autos und einen Mietbus verladen, dann fuhren wir los. Die Wartezeit auf dem Parkplatz in der knalligen Sonne - in Reithosen - zeigte schon, wie warm es werden würde. Wir fuhren von Bavaro Richtung Hinterland. Wir rumpeln einen Feldweg hoch, vorbei an Hütten, mit Wäsche überm Zaun, Kühen, Hühnern und Schweinen. Oben angekommen, geht es auf der anderen Seite hinab, und da stehen sie, bereits gesattelt: Die Pferde, unsere Begleiter für die kommenden Tage. Erstmal wuselt aber eine Horde Hunde um uns rum, alle lieb, kuschelwütig. Lassi, einer davon, wird uns wie ein Wirbelwind auf den Bergritten begleiten. Gabi fragt noch einmal nach unseren Vorlieben und Reiterfahrung, doch dann erfolgt meine Wahl eher zufällig. Ich bekomme Bola, eine goldene Palominostute, ein Criollo(Mix) wie die anderen auch, handliche Größe - megatrittsicher, flott, aber gut zu händeln, sprich: einfach toll zum Reiten. Dann werden Steigbügel eingestellt, Satteltaschen (von Gabi gestellt) befestigt, mit Wasserflaschen gefüllt, wir sitzen auf und folgen Alex. Die Sonne lacht, wir auch. Viel. Auf den Berghängen stehen Palmen, die Formen der Hügel erinnern mich irgendwie an Jurassic Park.

Es ist Weideland, über das wir reiten, und Alex ist gut damit beschäftigt, Pforten in den Zäunen zu öffnen und zu schließen. Da die Zäune aus Stacheldraht bestehen, ist beim Durchreiten Vorsicht angesagt. Zudem kraxeln wir bzw die Pferde bergauf und bergab, ohne zu stolpern, selbst, wo es ganz schlammig ist. Wir durchqueren Bäche, reiten durch einen Fluss. Und: Wir galoppieren schräge Wiesen hoch, auf einem Hügelkamm entlang, eigentlich immer, wo es geht. Es zeigt sich, wer die ganz schnellen und wer die eher gemütlichen Pferde hat - Bola ist im Mittelfeld, aber genau richtig für mich.
Neben Wiesen reiten wir an vielen Palmen, Bananen- und anderen Bäumen vorbei, reiten durch ganze Palmenhaine. Als wir wieder auf einer Hügelkuppe landen, sind wir an zwei Hütten angelangt, wo eine dominikanische Famile wohnt. Die Pferde dürfen grasen, Hühner, ein Esel, noch mehr Hunde und auch eine Katze wuseln herum - und betteln, denn wir bekommen von der Familie superleckeres, noch warmes Kokosbrot, das auch einige der Pferde offenbar zu schätzen wissen. Dazu noch erfrischende Limonade - so gestärkt geht es weiter.


Wir reiten wieder hinab, runter zu einem Fluss. wischendurch ein Stopp an einem Baum, an dessen Spitze ein winziger Kolibri flattert. Toll! Noch nie gesehen, leider bekommt meine Kamera ihn nicht scharf, aber egal. Dann Pause am Wasser. Es gibt belegte Brötchen und Softdrinks, dann zerre ich mir die klebende Reithose runter und ziehe den mitgebrachten Bikini an. Das Wasser ist zwar braun, aber trotzdem sehr erfrischend. Alex holt ein paar Pferde ohne Sattel, die ins Wasser gehen. Und dann kommt mein erstes Highlight (obwohl auch der Ritt schon toll war): Schwimmen mit einem Pferd. Flusspferde!
Doch auch die schönste Pause ist mal vorbei, und es geht weiter. Zwei kleine Jungs begleiten uns übrigens zu Pferde, voll süß, sie helfen Alex. Wir kommen an einer verlassenen Ranch/Hotel vorbei, mit leerem Pool etc. Hier hat Gabi einige Pferde stehen, und in einer Hütte sind drei Welpen, die Gabi gerettet hat und nun aufpäppelt.
Wir reiten danach noch eine Runde über die Hügel, bevor wir dann wieder am Ausgangspunkt ankommen. Wir klettern in die Autos, denn der Tag ist noch nicht vorbei. Wir fahren in ein Dorf, wo bereits weitere Pferde auf uns warten. Christian, der hier eine kleine Ranch hat, führt sie etwas wild vor, lässt sie teilweise steigen. Wir sind erst irritiert, steigen dann aber doch auf. Ein Ritt zu einem Gipfel steht an...Doch leider sind wir zu spät, wir müssen abbrechen, kämpfen uns im Halbdunkel und Dunkel durch Banananplantagen und Urwald mit Kakaopflanzen. Mein Pferd ist ganz brav, wegen des schwierigen Geländes können wir ohnehin nur Schritt reiten.
Schliesslich erreichen wir wieder das Dorf - aber auch hier ist es dunkel. Stromausfall - ein echtes dominikanisches Highlight, kommt hier leider öfter vor. Das kleine Restaurant mit offenen Terrassen, wo wir essen sollen, hat leider auch keinen Generator. Im Licht eienr Stablampe wird für uns ein durchaus üppiges dominikanisches Buffet aufgebaut. Es gibt leckere Hähnchenschenkel, Reis, Kochbananen.
 Wir sind nur alle irgendwie völlig durch nach diesem Tag voller Eindrücke, mir schmerzt der Kopf vom Helm und der Hitze, zudem wissen wir noch nicht, wo und wie wir übernachten. Auf Christians Ranch nämlich - und so laufen wir hinter ihm her, im Dunkeln, über irgendwelche Wiesen, durch sein Haus mit offenem Untergeschoss, durch Pforten bis zu einem anderen Haus, mitten im Wald. Leider kein Strom. Doch unser Gepäck ist da, und ich weiss gottseidank sofort, wo meine Stirnlampe ist. Wri verteilen die drei Schlafzimmer und Betten, zwei wollen mit Gabi ins Hotel zurück, ich schlafe im Stockbett. Leider entdecken wir auch eine fette Spinne im Haus. Ich hasse Spinnen, bin aber zu müde, um mich aufzuregen. dafür gibt es laute, rhythmische, aber eintönige Klaviermusik und Gesang von der Dorfkirche - es klingt ein bisschen nach Ekstase. Wir sitzen noch auf der Terrasse, es gibt Cola mit Rum. Christian kümmert sich um die Spinne, bietet uns dann seinen selbstgemachten frischen Kakao an, für den eben auch schon keine Zeit mehr war. Er schmeckt gar nicht süß, daher wird brauner Zucker dazu gereicht. Ich ziehe aber seine selbstgemachte MamaJuana vor - das nächste Highlight. Ein Likör-Schnaps, typsich dominikanisch. Rum, Rotwein und bestimmte Hölzer, die auch in der Flasche bleiben, werden angesetzt. Soll auch aphrodisierend wirken. Ob das stimmt, weiss ich nicht, aber es war lecker. Für hausgemachte MamaJuana hat jeder sein eigenes Rezept, auch Christian. Er entpuppt sich nach der verrückten Pferdevorstellung als netter Kerl, der sicher etwas exzentrisch und aufgedreht ist, aber viel Freude daran hat, die einheimischen Produkte zu zeigen und zu erklären. Nach der zweiten MamaJuana kraxel ich in das wacklige Bett. Ungeduscht, da auch das Wasser nicht richtig funktioniert, dafür gut eingesprüht gegen die Mücken - ein Moskitonetz hängt zwar überm Bett, aber ich kriege es nicht um mich rumgefummelt. Leider schlafe ich schlecht. Die Kirche ist zwar nun ruhig, aber es bellen immer wieder Hunde, krähen Hähne, hört man einen Motor. Und mein Kopf ist voll mit den ganzen Eindrücken - und ich bin aufgeregt, denn morgen geht es ans Meer. Fortsetzung findet ihr hier, Teil 3 hier. Und den All-inklusiv-Hotel-Bericht gibt es hier

Kommentare:

  1. Das waren doch mal schöne Eindrücke zu Papier gebracht. Ich hänge mit der Aufarbeitung unseres Trails noch etwas durch, muss erst mal die vielen Fotos aufarbeiten. Du hast alles wieder einmal treffend beschrieben, liebe Uta.

    AntwortenLöschen
  2. Danke dir! Freue mich schon auf Deinen Bericht - und bin fast froh, nicht noch eine Woche niederschreiben zu müssen... Die Fotos habe ich auch noch nicht alle durch....Danke dir nochmal für die Orga!

    AntwortenLöschen