Mittwoch, 6. Mai 2015

Stopover in Dubai - Sightseeing im Schnelldurchlauf

Auf meinem Weg nach Indien im vergangenen November hatte ich einen knappen Tag, noch nicht einmal ganze 24 Stunden, Stopover in Dubai. Ich bin mit Emirates geflogen, und mein langer Aufenthalt an deren Drehkreuz war bewusst gewählt. Statt nur umzusteigen, wollte ich mir diese berühmt-berüchtigte City anschauen. Für mehr als diese knapp 24 Stunden reichten dann aber meine Urlaubstage auch wieder nicht, und so begann ich, den Aufenthalt in meiner akribischen Art und Weise generalstabsmäßig vorzubereiten (mehr zu meiner Planungswut findet ihr hier). Eines vorweg: Dubai ist groß, die Wege ziehen sich, mal eben laufen ist nicht. Ob die Zeit reichte? Für einen ersten umfassenden Eindruck, zugegebenermaßen in etwas hektischer Abhak-Manier, ja. Ich hätte mehr Ruhe gehabt, wenn ich auf den Ausflug in die Wüste verzichtet hätte. Aber ich liebe Wüsten, und wollte das unbedingt. So musste ich auch alles um eben diesen Ausflug drumherum planen.
Es war so, dass ich über Nacht von Hamburg nach Dubai geflogen bin. Am Vortag bin ich direkt von der Arbeit zum Flughafen, dann sechs Stunden mit ziemlich wenig Schlaf im Flieger. So hatte ich zwar den ganzen Tag vor mir, als ich ankam, war aber eigentlich auch todmüde. Ich landete um kurz vor 6 Uhr morgens Ortszeit. Da mein Aufenthalt keine 24 Stunden war, konnte ich mein Gepäck bis Delhi durchchecken. Wechselsachen für Dubai hatte ich im Handgepäck (ein Hoch auf meinen Deuter-Rucksack, was da alles reingeht...). So marschierte ich gleich zur Einreise. Weissgewandete junge Herren kontrollierten sehr laaaangsam den Pass, ohne eine Miene zu verziehen. Bei meiner zweiten Einreise auf dem Rückflug konnte ich die vollautomatische Kontrolle nutzen, war mir fast sympathischer... Am Geldautomaten hob ich dann noch 50 Euro in Dirham ab. Nicht viel, aber ich brauchte auch nicht viel mehr, da fast alles im Voraus bezahlt war. Ich hatte meinen Stopover-Aufenthalt über Arabian Adventures gebucht, ein Reiseveranstalter, der zu Emirates gehört. Eine Mitarbeiterin hatte schon vor der Passkontrolle ein Schild mit meinem Namen hochgehalten, mir Unterlagen gegeben und mir erklärt, wo ich mich melden sollte. Nämlich am Arabian Adventure Schalter in der Flughafenhalle. Dort musste ich kurz auf den Fahrer warten, der mich zu meinem Hotel bringen sollte, in dem ich extra einen Early-check-in gebucht hatte. Es erschien mir etwas absurd, einen Fahrer zu bemühen, da es ein Flughafenhotel war (Holiday Inn Express), direkt gegenüber vom Terminal. Doch als ich dem Fahrer nach draußen folge zum Abfahrtbereich - und mich die warme Wüstenluft begrüßt - wird mir klar warum. Das Logo des Hotels leuchtet zwar in Sichtweite, aber dazwischen sind mehrspurige Strassen, ein Parkhaus, Autobahntrassen. Es gibt schlichtweg keinen Fußweg direkt dorthin. Und so fahren wir 15 min - eine Auffahrt hoch, ein Stück Autobahn, wieder runter und nun zum Hotel. Der Check in geht fix, das Zimmer ist sauber und modern. Das Bett lockt und ich erlaube mir ein kurzes einstündiges Schläfchen. Danach eine Dusche und los gehts. Da ich morgen sehr früh auschecke und nicht frühstücken kann, wurde mir gestattet, am Ankunftstag zu frühstücken. Es lohnt sich: Das Buffett ist üppig und umfassend, alles top sauber. Ich habe für die Nacht ca. 100 Euro bezahlt, mit Fahrservice - sicher kein Schnäppchen. Auf dem Rückflug war ich im Premier Inn für 60 Euro, die hatten einen Hotel-Shuttle inklusive.
Ausblick auf Dubai
Gestärkt, will ich in die Stadt. Die U-Bahn-Station ist nur einen Katzensprung entfernt. Doch auch hier: keine Fußwege. Ich soll doch den Hotel-Shuttle nutzen....ähm, nein, ich laufe. Dann eben mal 200 m an einer gottseidank eher ruhigen Straße entlang. Die U-Bahn-Station ist unverkennbar - sie sehen hier alle gleich aus.
Metro-Station, unverkennbar am goldenen Dach
 Ich kaufe eine NOL-Card und lade sie auf - am Schalter, nicht am Automat. U-Bahnfahren ist extrem günstig, meine NOL-Card mit 25 Dirham, also ca. 6 Euro, reichen für de ganzen Tag. Die Bahn ist schon eine Attraktion für sich: Sie fährt ohne Fahrer. So steht man ganz vorn an einer Scheibe und kann schon mal, da die Metro hier oberirdisch fährt, einen guten Eindruck gewinnen....von Hochhäusern, Baugruben, ein paar Wohngegenden, und dahinter das Meer bzw. auf der anderen Seite die Wüste.
Da hinten ist Burj Al Arab!
 
Es ist fast kalt in der Bahn, so gut ist klimatisiert. Und es füllt sich gut, je näher wir dem Stadtzentrum kommen. Derzeit gibt es zwei Linien, grün und rot, die sich an zwei Stellen kreuzen. Die Haltestellen werden laut und deutlich in arabisch und englisch angesagt und angezeigt.


Wir sausen auch am Burj Khalifa vorbei, und ich recke schon mal den Hals.
Achso, es soll auch reine Frauen-Waggons geben....habe ich so nicht gefunden. Da die Wagen aber alle ineinander übergehen mischte sich das eh. Und man fällt als Frau auch nicht auf, dazu sind dort zu viele Touristen und auch Geschäftsfrauen unterwegs. Ich hatte eine lange dünne Jeans, ein Shirt in beige mit kurzen Ärmelchen und wenig Ausschnitt an und für Klimatisierte Räume ein Tuch. Westliche Kleidung ist, auch wenn es viele verschleierte Frauen gibt, durchaus auch gang und gäbe, aber eben "züchtig" - versteht sich ja von selbst. Und gern auch etwas schicker. Schliesslich hat man hier Geld. Mit Trekkinghose und Funktionsshirt fällt man z.B doch mehr auf...Ich fahre fast eine Stunde bis Dubai Marina. Von hier aus will ich auf die künstliche Insel "The Palm", wo das berühmte Atlantis The Palm Hotel steht. Ist ja schon etwas absurd, dass hier Hotels zu Hauptsehenswürdigkeiten gehören. Leider ist die Insel nicht an die Metro angeschlossen, da die Metro etwas im Landesinneren verläuft. Ich habe aber Glück: Gerade einen Tag bevor ich angekommen bin, ist die neue Tram, die Straßenbahn, eingeweiht worden. Deren Station ist hier an der U-Bahn zu finden. Die Tram kommt auch - ein modernes Teil, aber ihr Tempo...gemütlich zuckeln wir durch die Straße, an Kreuzungen gibt es wohl noch Schwierigkeiten mit der Vorfahrt in Sachen Tram oder Auto.
Tram Dubai
Und am 13.11. sass ich drin...
Schließlich steige ich aus, an der Station, die wiederum Anschluss bieten soll an die Monorail, die auf die Palme rausfährt. Leider ist alles noch etwas baustellig, die Beschilderung mäßig. Über einen Übergang geht es in Parkhaus, und zusammen mit anderen latsche ich gefühlt kilometerweit durch eben dieses - übrigens sehr leere. Tatsächlich ist dann dort die Monorail Station. Das Ticket kostet extra, 6 Euro. Mit mir steigen haufenweise Touristen ein. Während der Fahrt hat man einen tollen Blick auf die Skyline und auch schon mal auf das andere berühmte Hotel, das Burj al Arab, das Segel. Leider sind die Scheiben der Monorail getönt, so bekommen alle Bilder einen Grünstich.





Hier merke ich nun meinen straffen Zeitplan: Ich kann zwar das Atlantis aus der Bahn raus fotografieren, traue mich aber nicht auszusteigen. Die Monorail fährt nur alle 35 Minuten. Ich bleibe also drin und fahre zurück. Von der Station möchte ich mit einem Taxi zum Foto-Stop am Burj al Arab. Leider gelingt es mir nicht, ein "normales" Taxi zu finden, ich werde am Ausgang der Bahn von einem Taxi-Service abgefangen. Immerhin ein schickes weißes Auto, was solls. Der Fahrer ist, wie fast alle Arbeiter hier, Inder, und freut sich, als ich erzähle, dass ich morgen in sein Heimatland will. Der Fotostop ist ihm natürlich auch nicht fremd, und so fahren wir an den Strand, wo ich mein Bild bekomme.

Dann lasse ich mich zurück zur Metro-Station fahren, diesmal an der Mall of the Emirates. Ich zahle für das Taxi auch nur 13 Euro, was ok ist. Für diese Mall (das ist die mit der Ski-Halle) hatte ich leider auch keine Zeit. Mit der Metro geht es zur Dubai Mall. Allerdings heisst es erstmal laufen laufen laufen. Was draußen nicht möglich ist, ist in Sachen Metro in verglasten Gängen kilometerweit üblich.
 Dann bin ich aber im Einkaufstempel, und suche schnurstracks das UG, wo es auch der Eingang des Burj Khalifa ist, der sich ja über der Mall erhebt. Ich habe mein Ticket online gekauft und hole mir am Schalter den Ausdruck ab. Man kauft die Karten für einen bestimmten Zeitpunkt, an dem man nach oben gelassen wird. Das ist zwar, wie bei mir, etwas nervig, weil man zu einer bestimmten Zeit da sein muss und nicht flexibel ist.
Modell im Eingangsbereich zu "At the Top"
Aber so wird ein relativ zügiger Ablauf garantiert. Trotzdem stehe ich noch eine Weile an, bevor es in den Lift geht. Videos informieren über den Bau des - noch - höchste Gebäudes der Welt. Dann geht es in den Lift, der sehr dunkel ist. Die Zahlen an der Anzeige sausen nach oben - dass wir das auch tun, merkt man gar nicht.
Huch, schon oben!?
Dann gehen die Türen auf, und ich bin "At the Top", wie die Aussichtsplattform auch genannt wird. Der Blick ist schon gigantisch - und zeigt deutlich, dass Dubai mitten im Nichts liegt. Was die knallblauen Pools überall unter mir noch absurder macht. Ich laufe mehrfach rundherum, kaufe mir einen Magneten als Andenken - mein Standard-Souvenir.





Sicher, mit 30 Euro ist der Besuch hier oben ein teures Vergnügen. Ich bin aber froh, es gemacht zu haben. Immerhin ist der Turm das Wahrzeichen der Stadt - und man bekommt einen viel besseren Eindruck von der Stadt. Übrigens sind Tickets zu Sonnenuntergangs-Zeit noch teurer. Eine Übersicht und Bestellmöglichkeit hier auf der offiziellen Homepage. Dann fahre ich wieder runter und habe noch etwas Zeit, bevor es in die Wüste geht. Ich lasse mich treiben im Einkaufstempel. Das große Aquarium ist ebenso beeindruckend wie die vielen Menschen aller Nationen, die hier rumlaufen. Inklusive offenbar sehr reicher Scheichs...


Die gibt es überall...



Im Food Court im Untergeschoss stärke ich mich mit einer Pizza - auf den Kaviar aus dem Automat verzichte ich heute mal...
Dann ist es auch schon Zeit für die Wüstentour. Dazu aber später in einem extra-Post mehr. Da diese Tour bis spät abends ging, musste ich einen Programmpunkt auf meinen zweiten Stopover verschieben: die abendliche Wasser-Musik-Orgel im Dubai Fountain. Von dort hat man auch den Burj Khalifa endlich mal komplett im Blick.
Rund um dieses Wasserbecken sammeln sich dann die Massen, und wenn der Wind nicht gerade das Wasser auf die Kamera weht, kann man dabei auch schön filmen. Vielleicht nicht so spektakulär wie in Las Vegas (wer war schon mal da und kann es vergleichen?) aber ich fand es sehr schön.

video


Mein Fazit: 
Reicht ein Tag für Dubai?
Ja, mit Einschränkungen. Hätte ich die Wüstentour nicht gemacht, hätte ein Tag gereicht für etwas mehr Zeit überall, ausgedehnteres Shopping und abends noch den Dubai Fountain.

Lohnt ein Tag in Dubai? 
Ja. Aber für mich auch nur ein Tag. Als Stopover auf jeden Fall toll anzusehen, alles super organisiert, sauber, beeindruckend. Aber Dubai ist künstlich, es wirkt auf mich als hätte da jemand einen Freizeitpark mit dem Motto "Modern Mega City" hingestellt, den man besucht, um Spaß zu haben. Disneyworld als Stadt.

Lohnt Urlaub in Dubai? 
Es gibt sicher noch viel mehr, was man dort entdecken kann. Am Dubai Creek war ich nicht, ein Kamelrennen hätte mich interessiert, ein Tag am Meer ... eine Woche kann man dort sicher auch füllen. Aber Dubai ist wohl eher was für Leute, die Pauschal-Urlaub in tollen Hotels mit der Option für Ausflüge mögen. Dann ist es sicher eine schöne Alternative zu Mallorca oder den Kanaren, mit Schön-Wetter-Garantie. Aber das ist eben nicht meine Art Urlaub. Sollte ich dort wieder mal Aufenthalt haben, werde ich sicher gern nochmal was entdecken, den Souk z.B. Aber ansonsten werde ich dort nicht hinfahren - es sei denn, ich brauch mal ganz dringend eine Auszeit im Warmen mit Nixtun.

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