Mittwoch, 16. März 2016

Minicruise mit Stenaline nach Schweden - ein Erfahrungsbericht

Wer mich kennt, weiss, dass eines meiner großen Reiseleidenschaft entgegensteht: Meine Angst vorm Fliegen... ja, ich düse um die Welt, aber nur, weil es meist ja nicht anders geht. Aber so bin ich auch immer froh, wenn ich mal nicht in die Luft gehen muss und es alternative Wege gibt - so wie letztes Jahr mit dem Bus nach Kopenhagen oder mit dem Zug nach Amsterdam. Nun hatte ich durch Zufall mal wieder daran gedacht, dass es da doch irgendwie eine Fährverbindung ab Kiel nach Schweden gibt...also kurz mal ein bisschen gegoogelt, und spontan mitten in der Nacht bei Stenaline eine sogenannte Minicruise von Kiel nach Göteborg gebucht für 70 Euro.
Freitag Abend los, Sonntag früh wieder Ankunft in Kiel, 2 Nächte auf See. Der Vorteil (außer nicht zu fliegen): Man braucht kein Hotel, so dass es bei diesen 70 Euro Reisekosten bleibt. Man hat in Göteborg gute acht Stunden Aufenthalt. Ob das reicht, war ich mir auch nicht sicher, aber hat es - für eine kleine Auszeit. Zum Tag in Göteborg hier mehr.
Mal wieder ein Solo-Trip, was ich ja mal ganz gern mache, vor allem, wenn es ein kurzer Trip ist, den ich dann meist gut durchplane und vollpacke - da ist Alleinreisen dann manchmal entspannter, aber das ist ein anderes Thema (eine gute Zusammenfassung, warum man mal allein los sollte und wie das so ist, findet ihr hier bei goodmorningworld).
 
Anreise und Check in:
Von Hamburg musste ich natürlich noch nach Kiel, aber das ging fix und günstig mit dem Fernbus. Und kaum dort rausgepurzelt am Interims ZOB an der Kaistraße, war die Fähre auch schon in Sichtweite. Ein riesiges Schiff.  Und ja, eine Fähre, kein Kreuzfahrtschiff. Aber es transportiert eben nicht nur (viele....) Lkw, sondern auch Urlauber.
Die "Stena Germanica" war es, übrigens mit Methanol betrieben, also quasi ein Öko-Schiff. Ich laufe also zum Terminal-Gebäude, wo ich mich anstellen muss, um meine Buchungsbestätigung gegen eine Bordkarte zu tauschen - die dient auch auch Kabinenschlüssel und daher sollte man sie immer dabei haben und nicht verlieren.
Leider ist sie nur aus Papier, und ich muss sagen die hat dann doch bisschen gelitten. Gottseidank funktionierte sie noch bis zum Schluss. Dann nochmal anstellen zur Passkontrolle und schließlich über eine ewig lange, ziemlich hohe Gangway in den Bauch des riesigen Schiffes hinein. Dort ein kleiner Likör zur Begrüßung und erstmal orientieren. Ich bin schon auf dem richtigen Deck (11 gibt es) und suche in den langen Gängen meine Kabine. 
Kabine:
Ich habe die günstigste Kabine gewählt, innen, für 1-2 Personen. Das 2. Bett war an der Wand hochgeklappt, zu zweit wäre es schon eng geworden. Aber ansonsten alles gut. Kleiner TV, Bad (mit Fußbodenheizung), Bettwäsche, Handtücher, Garderobe, Sitzgelegenheit. Ein Fenster habe ich nicht wirklich vermisst, da es ja jetzt im März noch früh dunkel wurde. Aber morgens, als es hell war, war es dann schon komisch, in der Kabine nur mit Licht was zu sehen. Es gibt Kabinen aller Art, mit Fenster, Doppelbett und ganz oben die Luxus-Suiten mit eigenem Whirlpool. Da kann dann sicher Kreuzfahrt-Feeling aufkommen, aber kostet natürlich. Ich fand es ok, habe auch ganz gut geschlafen, auch wenn das Brummen des Schiffes natürlich allgegenwärtig ist und leider auch die Lüftung teilweise recht laut war - und es da leider auch abends nach Essen in der Kabine gerochen hat, da hing wohl eine Leitung mit den Restaurants zusammen...

Essen und Trinken:
Ich war mal wieder Geizkragen-mäßig unterwegs - sonst könnte ich mir solche kleine Fluchten auch nicht leisten. Daher hatte ich mir für den ersten Abend und das Frühstück am Samstag was mitgebracht, Getränke und Snacks. Leider gab es keine netten öffentlichen Bereiche zum Sitzen, wo der Verzehr mitgebrachter Speisen erlaubt war (auf dem Außendeck war es zu kalt), so dass ich das in der Kabine mümmeln musste. Am zweiten Abend habe ich mir an Bord dann in der Cafeteria Köttbullar mit Beilagen satt gegönnt, ca. 9 Euro (habe in SEK bezahlt, Geld habe ich ein bisschen auf Schiff eingetauscht) und am Sonntag morgen das Frühstücksbüfett, 14 Euro. 

War beides ok, aber das Frühstück hätte ich mir auch sparen können, da wir ja auch um 9.15 schon wieder in Kiel waren und ich dann noch bisschen auf Bus warten musste - da hätte es dann auch ein kleiner Snack beim Bahnhofsbäcker getan, nur so als Spartipp. Wer nicht sparen will oder muss, kann es sich auf der Stena gutgehen lassen. Es gibt ein etwas feineres a la carte Restaurant und eines mit dem All-inklusive-Fisch-Meeresfrüchte Buffet. Das haben auch viele genutzt. Getrunken wurde auch viel - rund um die Bar, wo abends noch Alleinunterhalter für Stimmung sorgten - und auch in den Kabinen, mit viel Kram aus dem On Board Shop. Ich fand ihn teuer, aber in Schweden ist Alkohol ja noch teurer. Übrigens wird auch viel gedaddelt an Bord...keine Ahnung warum...
Die Fahrt:
Leider war es um diese Jahreszeit ja abends beim Ablegen immer schon dunkel. Sowohl in Kiel als auch am nächsten Abend in Göteborg muss der Pott (Länge 241 Meter) drehen, um wieder loszufahren. Das ist schon witzig, Ausparken in XXL. Morgens vor der Ankunft in Göteborg fährt man um ca. 8 Uhr durch die Schären. Sicher ein schöner Anblick, leider war es auf dieser Tour total neblig. Trotzdem lohnt es, mal auf dem Sonnendeck rumzulaufen, um die Ausmaße der Fähre zu entdecken und die Weite des Meeres zu sehen. Kurz vorm Anlegen in Göteborg muss die Fähre dann noch unter einer Autobrücke durch - das passt gerade so (die Fähre ist 41 Meter hoch). Ansonsten ist es eine sehr ruhige Überfahrt gewesen. Als zu lang habe ich diese Art der Anreise auch nicht empfunden, da ich wie gesagt wirklich einfach schön geschlummert habe. 
 



 
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