Mittwoch, 17. Februar 2016

Ab in die Wildnis - Wandern in der Hardangervidda

Schon vor einiger Zeit hatte ich im Sehnsucht am Sonntag an meine Wanderung durch die norwegische Hardangervidda erinnert. Wer es liest, merkt: Wandern ist nicht mein Liebstes. Und wird es wohl auch nie werden. Ich liebe es, in der Natur zu sein, sie intensiv zu erleben, aber mir ist das Wandern zu Pferd doch lieber. Liegt ehrlich gesagt vielleicht auch daran, dass ich körperlich einfach nicht fit genug bin. Schmerzende Beine und vor allem Rücken und Schulter haben damals meine Leidensfähigkeit echt ausgereizt, und mittlerweile traue ich mir mehrtägige Wanderungen mit Gepäck einfach nicht mehr zu. Trotzdem möchte ich die Tour nicht missen, denn es war trotz allem wunderschön. Daher hier ein kleiner Rückblick.

1. Was ist die Hardangervidda?
Die Vidda ist ein Bergplateau, das größte Europas. Es ist 9000 Quadratkilometer groß und ein Teil ist Nationalpark. Die Vidda liegt im Süden Norwegens, von Oslo gut erreichbar. Drumherum liegen an den Straßen mehrere Orte, die als Ausgangspunkt für Wanderungen dienen können. In der Vidda selbst gibt es kaum Höhenunterschiede, außer man besteigt den Harteigen-Gipfel. Und natürlich den Anstieg, um überhaupt auf die Ebene zu kommen, wenn man von tiefer gelegenen Orten startet. Dafür aber viele Moore und Seen, weshalb Schuhwerk auch wasserfest sein sollte.
Es gibt nur am Rand Bäume, die Hochebene selbst ist karg. Daher sind Winde auch recht kalt, generell wird es nicht so warm dort - wobei wir viel Sonne hatten. Aber auch Regen und Nebel. Man muss dort mit allem rechnen.

2. Welche Strecken gibt es und wo übernachtet man?
1200 Kilometer Wanderwege durchziehen die Vidda. Markiert sind sie mit dem roten "T" auf Steinen, Symbol des DNT (Der Norwegische Touristenverband).
 Wer in der Vidda wandern will, sollte dort Mitglied werden, denn nur so kommt man an den Schlüssel für die unbewirtschafteten Hütten. Die meisten sind jedoch bewirtschaftet, und man darf auch überall zelten. In den unbewirtschafteten Hütten gibt es immer eine Vorratskammer, aus der man sich bedienen kann.
Gezahlt wird in eine Geldbox - dieses System baut auf Vertrauen auf, und das sollte man nicht ausznutzen. In den bewirtschafteten Hütten gibt es teilweise Gastronomie, etwa ein Menü am Abend, oder Selbstversorger-Küchen. Alle Infos zu den Hütten gibt es beim DNT.
Die übliche Wanderung ist eine Durchquerung der Vidda auf der Nord-Süd oder Ost-West-Achse, was mindestens fünf, meist mehr Tage benötigt. Gutes Kartenmaterial ist wichtig. Auf norwegischen Wanderkarten ist die reine Gehzeit zwischen Hütten angegeben. Das sollte aber nur der groben Orientierung dienen. Denn mit Pausen, Fotostopps, etwas Ruhe wird aus reiner Gehzeit von 5 Stunden sehr schnell eine Tour von 8 Stunden.

3. Unsere Tour:
Aus Zeitgründen kam eine komplette Durchquerung für uns nicht in Frage. Mit etwas Mühe schafften wir es, eine Rundwanderung zu planen, mit Start- und Endpunkt in Skinnarbu, wo wir das Auto stehen liessen und mit dem Boot über den Mosvatn zur ersten Hütte fuhren, Mogen (bewirtet). Da die Hütte voll war, zelteten wir auf der Wiese davor.
Dann ging es etwas hoch vom See, zur Hütte Lagaros (mit Hüttenwirt, aber Selbstversorger).
Dann nach Marbu (bewirtet), eine ziemlich große Hütte mit mehreren Schlafhütten.
Von dort ging es mit dem Boot über See und weiter zur unbewirteten Hütte Stordalsbu.
Von dort liefen wir zurück nach Mogen und mit Boot ging es wieder zum Auto.
Das waren 4 reine Wandertage. Längste Strecke war zwischen Lagaros und Marbu. In Hütten mit Gastronomie haben wir das angebotene Menü gegessen, z.B. Elchbratwurst, selbst gekocht haben wir dann nur Fertig-Gerichte aus der Tüte, z.B. Nudeln oder Kartoffelbrei. Obst etc. hatten wir dabei, ebenso Müsli und Milchpulver fürs Frühstück.

4. Meine persönlichen Highlights
Zum einen die vielen grandiosen Ausblicke, die einem die Weite und Einsamkeit zeigen.
Und die Hütten, die abends immer einen gemütlichen Empfang bereiteten. Auch wenn das Schlafen im Bettenlager mit schnarchenden Holländern gewöhnungsbedürftig ist. Am besten hat mir die unbewirtschaftete Hütte gefallen, auch wenn es da keine Dusche gab. Dafür am Morgen eine Rentierherde, die am gegenüberliegenden Hang entlang zog.
Leider im Gegenlicht, aber nur als Beweisfoto...
Faszinierend war auch die Nebelwand, die in Lagaros plötzlich abends über den See gezogen kam.

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