Mittwoch, 1. Juli 2015

Ausflüge auf Mallorca, die in jedem Reiseführer stehen - und warum man sie trotzdem machen sollte

Letzten Sommer kam es kurzfristig dazu, dass ich mit einer Freundin eine knappe Woche Urlaub gebucht habe. Wir wollten Sonne und entschieden uns für Mallorca - wir beide waren noch nie vorher auf der Deutschen liebsten Insel gewesen und wollten möglichst viel entdecken. Hinzu kam, dass Flüge, Mietwagen und Unterkunft günstig zu bekommen waren.
Wir entschieden uns für eine pensionsmäßig von einer Deutschen privat geführten Finca mit einzelnen Zimmern, die wir über Airbnb buchten. Die lag zwar nicht am Meer, aber schön zentral in der Nähe der Stadt Inca. Ideal, um unsere 6 Tage vor Ort mit Ausflügen zu füllen. Keine Geheimtipps, sondern Dinge, die in jedem Reiseführer stehen. Denn wenn die da drin stehen, muss doch auch was dran sein, oder? Für Geheimtipps ist später noch Zeit - bzw entdeckten wir die nebenbei, wie das kleine Restaurant Molico im Dorf Sencelles in der Nähe unserer Finca. Für unsere Ausflüge haben wir einen Mietwagen, gebucht über Sunnycars. Wir bekamen einen Caddy ausgehändigt, bisschen überdimensioniert, aber neu. Ein Grund, warum die Ausflüge sich lohnen: Man bekommt Fahrsicherheitstraining inklusive. Enge Serpentinen, Millimeterarbeit mit eingklappten Aussenspiegeln, Parkplätze mit Bodenlöchern wie eine Offroad-Strecke...alles gut überstanden, wenn auch zum Teil haarscharf und schweissgebadet.

1. Strand Es Trenc
Gleich zu Beginn wollen wir nur eines: Strand! Die Sonne scheint, und der Sommer in Deutschland war bisher bescheiden. Wir fahren also nach Süden und wollen an den als wunderschön beschriebenen Strand Es Trenc - unbebaut und mit feinem Sand. Zunächst landen wir aber im Badeort Sa Rapita nebenan - die Karte ist verwirrend. Da gibt es zwar auch einen Strand und es ist gut besucht, aber wir fahren weiter. Mit etwas Gesuche finden wir den richtigen Weg und Zufahrtstraße. Vorbei an der Saline de Levant, wo man noch feines Meersalz als Souvenir kaufen kann. Dann wird es seeeeehr eng. Rechts Zaun, links Autos, die trotz eingeklappter Spiegel nur millimeterknapp vorbei kommen - und das im Stau. Denn es ist voll. Zu voll? Die Straße ist jedenfalls überlastet, aber es ist die richtige, und an ihrem Ende ist dann auch ein riesiger Parkplatz (gegen Gebühr). Noch ein paar Meter zu Fuß durchs Dünengebiet und wir sind da. Es Trenc ist kilometerlang, weißer Sand, und keine Bebauung bis auf Bunkerreste und ein paar Strandhütten, wo es Essen und Trinken gibt. Ja, wie die Automassen vermuten liessen, es ist voll. Aber wir finden einen freien Fleck und geniessen einfach das Strandleben. Das Meer ist hier ganz flach abfallend, das Wasser ist wundervoll klar, karibisch türkis - und wir gehen so oft schwimmen wie nur möglich und geniessen Sommer, wie er sein soll.


2. Cap Formentor/Cala Figuera
Am nächsten Tag entscheiden wir uns für die andere Richtung und fahren nach Norden - wir wollen den Landzipfel des Cap Formentor erfahren. Ab Port de Pollenca schraubt sich die Straße nach oben, und kurvenreich geht es bis an den Nordzipfel. Dort ist eigentlich nichts außer einem alten Leuchtturm und eben das äußerste Ende der Insel. 
Der Leuchtturm am Ende der Straße

Und dazu noch Park-Chaos. Denn die Straße endet dort als Sackgasse auf dem Parkplatz, der leider voll ist, und da auch schon Autos an der schmalen Straße stehen und einige einfach irgendwo wenden, geht teilweise gar nichts mehr. Ich fahre bis ans Ende, statt mich auch noch platzraubend an die Straße zu stellen und werde auch von einem Parkwächter eingewiesen. Dass das Ausparken in der hintersten Ecke dann etwas tricky war zähle ich mal als Lehrstunde. Dann aussteigen, einmal um den Leuchtturm rum, Katzen begrüßen - und die wirklich tolle Aussicht über die schroffe Küste geniessen und sich den warmen Wind um die Nase wehen lassen.



Geht besser als während der Fahrt. Auf der Rückfahrt biegen wir rechts ab auf den Parkplatz der Bucht Cala Figuera. Leider ist der soooo schlecht und so mit Löchern und Bodenwellen und Steinen versehen, dass ich echt Angst um den Unterboden habe. Irgendwann stehen wir aber, und bevor wir daran denken, dass wir da auch wieder raushuppeln müssen, geht es erstmal bergab in die Bucht. Natürlich sind wir auch hier nicht die einzigen, es herrscht reger Betrieb, trotz des langen Abstiegs und der Tatsache, dass dort untern Kiesstrand und keinerlei Infrastruktur ist. So helfen wir sogar einem Vater mit Sohn mit Wasser aus, weil die zu wenig hatten. Ansonsten geniesse ich das klare Wasser zum Schnorcheln und beobachte die lustigen Ziegen, die hier was Essbares bei den Touris suchen. 




Nach einem doch etwa anstrengenden Aufstieg zurück und der holprigen Ausfahrt vom Parkplatz geht es zurück nach Port de Pollenca, wo an der Promenade viele Restaurants sind und ich mir nach diesem Tag dann auch eine Paella und ein kühles Getränk gönne. Für diesen Ausflug gilt ein bisschen: der Weg ist das Ziel. Und nein, es gibt nichts "dolles". Das Spektakuläre ist hier die Landschaft. Darauf muss man sich einlassen. Und sie spüren und sehen. Zur Not mit Schweissperlen beim bergab- und bergaufkraxeln. 

3. Markt in Sineau
Der "Bauernmarkt" Mittwoch vormittags ist einer der bekanntesten der Insel. Auf der Parkplatz-Wiese am Ortsrand steht schon eine ganze Armada an Reisebussen. Aber ein Marktbesuch gehört für mich zum Urlaub dazu. Und auch wenn vielleicht mehr Touris als Einheimische unterwegs sind, finde ich es schön, dass diese Tradition so gewahrt wird. Und ein Bummel macht einfach Spaß. Es gibt wirklich alles von Lebensmitteln bis hin zu Nippes. Und sogar einen kleinen Tiermarkt - wohl ausschliesslich für die Touris, aber wer weiss. Immerhin sehe ich einen alten Mann mit Hühnern im Karton von dannen ziehen. Und ich bin ganz fasziniert von den schwarzen Schweinen. Zudem ist Sineau ein hübsches Örtchen mit kleinen Gassen und Treppe zur Kirche.






4. Drachenhöhlen in Porto Cristo
Von Sineau aus geht es noch weiter nach Westen, zu den Tropfsteinhöhlen. Es gibt übrigens die "echten" Drachenhöhlen (Cuevas del Drac) und noch andere, die am Straßenrand auch auffällig beworben werden. Zugegeben: Tropfsteinhöhlen sind Tropfsteinhöhlen, und es ist nicht meine erste. Aber ich finde diese Kunstwerke der Natur wirklich faszinierend. Und immerhin gibt es hier auch noch einen unterirdischen See samt Live-Musik-Konzert in der Höhle und kurzer Bootfahrt. Irgendwie schon mystisch. Wenn man davon absieht, dass man mit hunderten Menschen zusammen da durchgeschleust wird. Denn die Drachenhöhlen sind quasi das Disneyland aller Höhlen, die ich bisher besucht habe. Riesiger Parkplatz, große Kassenanlage, teure Tickets (15 Euro), Wartezeit bis zu unserem "Timeslot". Aber die skurrilen Formen ("ein Bettlaken") und die klassische Musik in der dunklen, riesigen Höhle lohnen den Besuch wirklich. 
Menschenmassen am Eingang
"Hängt da ein Bettlaken?"

Bootsfahrt

5. Palma  
Ein Besuch in der Hauptstadt ist einfach ein Muss. Auch wenn ich mir bei 30 Grad im Schatten was Schöneres vorstellen kann. Zu Füßen der Kathedrale ist eine riesige Tiefgarage, wo wir das Auto abstellen. Auch in die Kathedrale La Seu geht es - der Besuch lohnt sich, wegen der bunten Fenster und der Kapelle Sant Pere mit ihrem Keramik-Dekor, dass die Vemehrung von Fisch und Brot darstellt. Antonio Gaudi war am Umbau beteiligt, und das riesige Kirchenschiff mit schlanken Säulen ist wirklich beeindruckend. 


Danach locken viele schöne Geschäfte in netten Gassen oder an breiten Ramblas. Wir bummeln einfach etwa umher, doch dann treibt uns die Hitze ans Meer. 
Was für hübsche Polizei-Pferde

Kein Problem: Nur ein paar Kilometer weiter beginnt der Platja de Palma, mit sogenannten "Balnearios", Strandkiosken entlang der Promenade und Duschen, also alles da. Der berühmteste Balneario ist Nummer 6 - der "Ballermann". Wir lassen uns aber entfernt davon am Balneario 12 nieder - und geniessen einen ruhigen Strandnachmittag. Bis zur Schinkenstraße kommen wir nicht mehr - und wollen wir auch nicht. 


6. Tramuntana - Valldemossa und Sa Calobra
Auf ins große Gebirge, das die Insel durchzieht. Wir beginnen im Süden. Das erste Ziel ist Valldemossa, ein hübsches Dorf, das auch in jedem Reiseführer als solches steht. Dementsprechend hier zur Hochsaison viel los, viele Geschäfte, die eindeutig auf Touris aus sind. Doch es ist wirklich hübsch. Nach dem ersten Rundgang durch die Hauptgassen, zur Kirche und zum Aussichtspunkt mit Postkartenblick hängen wir plötzlich die Massen ab. Schlendern allein durch kleine und größere Gassen, blicken in alte Häuser, sehen bunte Blumen. Wir kommen an einer kleinen Bäckerei vorbei, wo man in die Backstube schauen kann. Hier gibt es "Cocas de Patata", runde Kartoffelkuchen, eine Spezialität des Ortes. Ich kann nicht widerstehen und kaufe einen. Fluffig, süß, lecker. Allein dafür hat es sich gelohnt. Nachdem wir noch zufällig - allein - bei der Kapelle der heiligen Catalina vorbeikommen, die hier als Kachel an jeder Hauswand hängt, verlassen wir den Ort, in dem auch Chopin eine Zeit lang lebte.
Weiter geht es mit kurzem Stop in Deia, einem weiteren Bergdorf, durchs Tramuntana-Gebirge. Deia gilt als Künstlerdorf, ob dem so ist kann ich nicht beurteilen - ausser dass viel "Kunst" verkauft wird - aber es ist wirklich schön anzusehen. Soller hingegen streifen wir nur - es liegen noch viele Kilometer Serpentinen vor uns, aber wir geniessen die Fahrt durch die karge, beeindruckende Landschaft. Bis wir abbiegen, um hinab zu fahren zur Bucht Sa Calobra. Fast noch spektakulärer als diese ist die Strasse dorthin. 12 Kilometer, 800m bergab, in Serpentinen. Mir bricht der Schweiss aus, weil von unten die Touri Busse hochschnaufen - links Bus, rechts Fels. Enger geht nicht. Dagegen war der Krawattenknoten, eine Kehre, in der die Straße um 300 Grad unter sich selbst hindurchführt, ein Witz.
Deia
Tramuntana
enger geht's nicht...
Der Krawattenknoten
Was eine Aussicht!
Aber irgendwann sind wir unten, und da die Busse ja weg sind, ist es nicht mehr sooooo voll. Durch einen Fußgängertunnel geht es durch den Fels in die (Kies-)Bucht. Wir stürzen uns ins Wasser und geniessen die Wärme, ich spaziere noch etwas in die Schlucht Torrent de Pais hinein, bevor unser Auto sich wieder die 12 Kilometer hochwinden muss. Die Bucht mit ihrem "Felstor" ist schon schön, und wer sich per Auto (oder auch zu Fuß die Schlucht hinab, das ist aber nicht ganz ohne) hierher "gearbeitet" hat, weiß, warum man sich das antut.


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