Mittwoch, 15. April 2015

Stockholm: Geschichte erleben - Sightseeing mit Schiff und Schloss

Ich gebe es zu: Ich bin ein reiner Urlaubs-Museums-Gänger. Da, wo ich lebe, mache ich meist nur wenig der klassischen Sightseeing-Punkte in Sachen Historie. Eine Stadt, in der man lebt, lernt man ja quasi "nebenbei" kennen und lieben. Ist man aber nur kurz irgendwo, möchte man der Stadt schnell nahe kommen - und ihrer Geschichte. Daher ziehen mich unterwegs auch geschichtliche Museen stärker an als zu Hause - alte Stadtkerne jedoch finde ich immer und überall faszinierend und ich liebe es, durch enge Gassen zu schlendern. In Stockholm gibt es nicht nur Gamla Stan, die Altstadt-Insel, sondern auch viele Museen. Am ersten Tag geht es erstmal ins Vasa-Museum.
Unweit des Boot-Hostels am Södar Malarstrand Ufer ist die Fährstation "Slussen". Mit der normalen Access Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel kann man dort mitfahren (siehe auch "Praktische Tipps für Stockholm").
Während der Fahrt geht es vorbei an der Insel Skeppsholmen, auf der auch das Moderne Museum und das Design- und Architektur-Zentrum liegen, mit tollem Rückblick auf die Altstadt, dann halten wir auf Djurgarden zu.

Diese grüne Halbinsel ist eine Art Naherholungsgebiet für die Stockholmer. Auch der Skansen Park ist dort, ein Freilichtmuseum mit vielen Tieren und nachgebauten alten Häusern. Am Ufer recken sich die Fahrgeschäfte des Freizeitparks Gröna Lund empor - jetzt im März ist noch geschlossen, aber im Sommer ist dort bestimmt viel los.
Wir gehen von Bord und laufen am Ufer entlang, vorbei am Aquarium und dem Schnapsmuseum. Das Vasa-Museum ist nicht zu verfehlen: Aus seinem Dach ragen Schiffsmasten. 
Nicht zu übersehen: Da muss ein Schiff drin sein!
Sicher auch ein nettes Museum :-)
Das Gebäude wurde um die Vasa herum errichtet. Die Vasa ist dabei das einzige Ausstellungsstück: Es ist ein riesiges Kriegsschiff. Ich muss zugeben, dass ich zwar Maritimes mag, aber eigentlich nicht so ein Schiffs-Fan, dass ich in Museen mit ebensolchen gehen müsste. Doch irgendwas muss ja dran sein - das Museum ist eine der Haupt-Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Eintritt ist nicht gerade günstig: 140 SEK. Und bin dann wirklich beeindruckt, als in der Halle die Vasa vor mir aufragt.
Man beachte die kleinen Menschen rechts
 Ein zu 90% erhaltenes Kriegsschiff aus dem Jahr 1628. Ein bisschen Fluch der Karibik umweht sie, das dunkle Holz mit den Schnitzereien. Sie ist riesig und hoch - und genau das wurde ihr zum Verhängnis. Auf einer kurzen 20minütigen kostenfreien Führung auf English erfahre ich die Geschichte und wir schauen uns rund um das Schiff Details an ihm an, z.B. die Schnitzereien am Heck, wo mit viel Symbolik die Macht des dänischen Königs dargestellt wird. Er wollte mit der Vasa am Krieg in Polen teilnehmen. Doch das imposante Schiff war falsch konstruiert. Auf der Jungfernfahrt, mit Frauen und Kindern der Matrosen an Bord, brachte ein Windstoß die Vasa in Schieflage. Durch die für Salutschüsse geöffneten Kanonen-Luken drang Wasser ein - die Vasa sank kurz hinterm Hafen.
Erst nach 300 Jahren konnte sie 1961 geborgen werden - fast vollständig erhalten. Ein Film über die Vasa, die Bergung und Konservierung rundet die Ausstellung ebenso ab wie weitere Ausstellungsstücke und Nachbauten. Als wir die etwas düstere Halle verlassen, strahlt draussen die Sonne - und wir beschliessen, diese für einen Spaziergang bis in die Altstadt zu nutzen. Direkt hinter dem Vasa-Museuem liegt noch das Nordiska-Museum zu schwedischer und skandinavischer Geschichte und Kultur, das wir aber nicht anschauen. In einem Bogen geht es über den Strandvägen mit Prachtbauten entlang bis zum Nybroplan mit dem Theater, dann in einer kleinen Abkürzung über Blasie-Holmen über die Strömbron auf die Altsstadt-Insel Gamla Stan.
Blick auf den Strandvägen
Tolle Hotels
Theater
Entdeckung in Blasie Holmen
An der Ecke erhebt sich das kastige königliche Schloss, dass wir nun aber nicht anschauen.
Kungliga Slottet - der Palast


Wir umrunden es und tauchen ein in die Gassen der Gamla Stan. Die Västerlanggata ist so etwas wie die Hauptgasse. Dort reiht sich ein Geschäft an das nächste, darunter auch viele Touri-Souvenir-Läden, aber es macht trotzdem Spass, sich die verrückten Magnete und Dala-Pferdchen made in China anzuschauen.

Dazwische auch immer wieder kleine Boutiquen mit Kleidung und Kunsthandwerk. Am nächsten Morgen kehren wir in die Altstadt zurück, leider regnet es in Strömen. Macht aber nix, wir flüchten erstmal ins Schloss (Eintritt 150 SEK, Infos hier) und schauen uns die Gemächer und den Reichssaal an. Der Silberthron wurde 1650 für Königin Christina hergestellt.

Treppenhaus im Schloss
Reichsaal mit Silberthron
Lange Flure mit vielen Gemälden, prächtige Orden und ein Ballsaal bezaubern mich wie immer in solchen royalen Herbergen. Diese Pracht, die fast schon ans Kitschige grenzt, mag so gar nicht zum modernen skandinavischen Stil passen, aber es ist mir immer ein Vergnügen, auf Reisen durch Schlösser zu streifen.
Ballsaal "Weißes Meer"
Stillen in der Öffentlichkeit? Hier kein Problem....
Danach ist noch etwas Zeit bis zur Wachablösung auf dem Schlossplatz. Ein kurzer Besuch im durchaus geschmackvollen Souvenirladen des "Kungliga Slottet" wie der Palast auf schwedisch heisst, wo uns Estelle, Viktoria und Co. von Postkarten anlächeln. Dann treibt uns der Regen durch die Gassen auf schnellstem Weg in ein Cafe. Das "Chokladkoppen" am Stortorget ist in einem der alten Häuserchen, innendrin sitzt man urig und gemütlich zwischen Balken auf kleine Holzstühlen. Ich lasse mir eine Schoko-Kugel schmecken, eine süße Angelegenheit, wohl mit Haferflocken und Butter.
So gestärkt und durch Kaffee erwärmt warten wir danach gottergeben im strömenden Regen auf die Wachablösung. Eine tägliche Prozedur, ein Ritual, das aus der Zeit gefallen wird und im Sommer zu einer ganzen Parade mit Pferden und Musikkappelle wird. Heute wird "nur" trompetet und getrommelt, stillgestanden und im Gleichschritt marschiert. Das Warten hat sich gelohnt, wenn schon Eintauchen in königlichen Pomp, dann bitte auch mit allem drum und dran.



Die Zeiten für die Wachablösung der Garde gibt es übrigens hier. Der Regen hörte übrigens nicht auf - mittlerweile plätscherten größere Rinnsale munter die Gassen hinunter, der Schirm hält dem Wind nicht stand. Wir lassen uns gern nochmal in die Storkyrkan St. Nikolai, den Stockholmer Dom, hineinwehen. Er ist in den Anfängen im 14. Jahrhundert erbaut. Während außen eine Barockfassade um 1740 errichtet wurde, sieht man innen noch die Backsteingotik - neben üppigen Altären. Beeindruckend ist auch das Standbild aus dem Jahr 1489 des Heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen aus Ebenholz und Elchgeweih (eine Kopie aus Bronze findet sich übrigens nicht weit von hier am Köpmantorget).

Übrigens haben in dieser Kirche auch Viktoria und Daniel sowie Silvia und Carl Gustav geheiratet. Schließlich weht es uns noch hinab auf die Insel Riddarholmen, wo die gotische Riddarholmskyrka steht und sich am Ufer noch zwei Befestigungstürme zu sehen sind. Mit einem Blick auf das Rathaus, 1911-1923 erbaut, endet unser Rundgang. Das markante Bauwerk ist heute ein Wahrzeichen der Stadt und weist auf die Moderne - die man in dieser geschichtsträchtigen Stadt auch erleben kann, etwa in Södermalm.


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