Samstag, 28. Februar 2015

Wien - eine Zeitreise mit Sisi

Wien stand schon lange auf meiner Reise-Wunschliste. Im Februar ergab sich die Gelegenheit, diese Stadt kennen zu lernen. Und auch wenn die Reisezeit erstmal nicht so ideal erschien (aber ein Tag Resturlaub wollte verbraten werden), hatten wir richtig Glück mit dem Wetter: Viel Sonne und ein Hauch von Sommer!
Hin ging es mit Germanwings, und am Flughafen kauften wir gleich ein 72-Stunden-Ticket für Wien. Es kostete nur 16,50 Euro. Ein tolles Angebot, das man nutzen sollte. Wien hat ein super Netz an U-, Straßen- und S-Bahnen sowie Bussen, mit dem man alles erreichen kann. Infos gibt es bei den Wiener Linien.
Da der Airport aber außerhalb des City-Bereichs liegt, ist für den Transfer noch ein 2,20 Euro Ergänzungsticket nötig. Der Herr am Info-Schalter spricht schon herrlichstes wienerisch....dazu später mehr. Danach blieb uns nur: Staunen und Schauen.
Wien hat ein wundervolles, perfekt erhaltenes Stadtbild mit Prachtbauten aller Art, dazu alte Wohnhäuser, Denkmäler, Schlösser, Kirchen. Wer Jugendstil liebt, wird hier ebenso glücklich wie Liebhaber von Barock oder Gotik.
Rund um den Naschmarkt, an dem Samstags auch ein Flohmark anschliesst, stehen tolle Jugendstil-Wohnhäuser.
 
Am Karlsplatz leuchtet die goldene Lorbeer-Blätter-Kuppel der Secession, 1897/98 von Joseph Maria Olbrich als Ausstellungsgebäude für zeitgenössische Kunst erbaut.
Ein paar Meter weiter weiter erhebt sich die monumentale Karlskirche mit ihren markanten Säulen, Anklang an den Orient.
Ein kleiner Spaziergang führt bis zum barocken Schloss Belvedere (erbaut 1717  bis 1723). Vom oberen Belvedere hat man einen schönen Blick. Der Eintritt (rund 14 Euro, Kombiticket mit unterem Belvedere 19) lohnt sich für Kunstliebhaber.
Vom Mittelalter bis zur modernen Kunst zeigt die Gemäldesammlung viele Stücke bekannter Meister. Highlight ist das Original von Gustav Klimts Gemälde "Die Liebenden", besser bekannt als "Der Kuss". Das Motiv ist wohl jedem bekannt, auch in Wien ist es in jeder erdenklichen Form zu finden, von der Teetasse bis zum Handtuch. Das Original aber fasziniert trotzdem, es ist größer als ich dachte, das Glitzern und Glänzen des Goldes kann kein Kunstdruck wiedergeben.
Am Abend geht es in den Prater, der immerhin auch schon 1766 eröffnet wurde. Im Winter ist leider fast nichts offen, aber wir steuern ohnehin nur zielstrebig das Riesenrad an. Stolze 9,50 Euro kostet es, einmal in gemächlichem Tempo damit zu fahren. Die Kabinen erinnern an Bauwagen und sind ziemlich groß. In einigen sind Tische gedeckt, in der neben unseren tafelt ein Pärchen beim Candle-Light-Dinner.
Am nächsten Tag geht es gleich weiter mit der Schlösser-Tour: Per U-Bahn geht es nach Schönbrunn (Baubeginn 1665). Das Schloss war quasi der Zweitwohnsitz der Habsburger, die zwar in der Hofburg in der "City" regierten, hier aber feierten und genossen.
Da die Sonne lacht, verzichten wir auf eine Besichtigung (11,50 Euro) der Säle und Zimmer mit üppigem Rokoko-Ambiente, sondern laufen durch die Gartenanlage den kleinen Berg hinauf zur sogenannten "Gloriette", ein Arkadengang mit Blick auf Schloss und Stadt - und einem Café. Die Tische in der Sonne sind heiss begehrt.
Das Herz Wiens, die Hofburg, steht am letzten Tag an. Ich steige am Burgring aus der Strassenbahn aus und laufe über den Heldenplatz. Burgtheater und Rathaus sind nur ein paar Meter weiter. Die Pracht dieser Ringstraße ist unglaublich.
Heldenplatz
Rathaus
Burgtheater
Geht man durch die Hofburg hindurch, am Schweizertor vorbei, kommt man zum Eingang des Sisi-Museums und zur Spanischen Hofreitschule (hier Bericht über die Vorführung der weißen Hengste). Von dort gelangt man auf den Michaelerplatz, auf dem die Fiaker auf Kundschaft warten.
Klappern die Pferde durch die Gassen der inneren Stadt, müsste man nur die modernen Verkehrsschilder und die geparkten Autos entfernen, und man hätte die perfekte Kulisse für einen Historienfilm.
Nach einem kleinen Abstecher zum Graben, der teuren Einkaufsmeile mit Louis Vuitton und Co., gerahmt von wunderschönen Häusern, besichtige ich noch den gotischen Stephansdom, eines der Wahrzeichen der Stadt. Der Eintritt ist erstmal frei, für den Aufzug hoch auf den Glockenturm und Besuch der Katakomben jeweils um die fünf Euro kosten.
Prächtige Pestsäule am Graben
Graben
Im Stephansdom


Schließlich fängt es doch noch an zu nieseln, und ich gehe zum Abschluss meiner Zeitreise endlich ins Sisi-Museum (Eintritt 11,50 Euro) in der Hofburg. Den Audioguide gibt es dazu, und ich empfehle schon, ihn ab und zu anzuhören, da sich so manches besser erschliesst. Zunächst läuft man durch die Silberkammer. Hier werden Bestecke, Geschirr und Tafelaufsätze gezeigt, die der Hof nutzte. Besonders fällt mir ein buntes Geschirr mit Tiermotiven auf. Das hat Sisi ihrem Franzl geschenkt - ich muss grinsen. Ob er sich darüber wohl gefreut hat? Danach folgt eine modern konzipierte Ausstellung zu Sisi. Auch wenn die Filme mit Romy Schneider vielleicht nicht die Wahrheit zeigen, so ist doch eines immer klar: Das Eintreten der jungen Elisabeth an den kaiserlichen Hof war ein Einschnitt in ihrem Leben.
"Ich bin erwacht in einem Kerker, und Fesseln sind an meiner Hand" Kaiserin Elisabeth
Wenn Sisi wohl auch weniger liebreizend und wohl auch etwas egoistischer als Romys Version, so stimmt schon, dass sie sich in ihre Welt flüchtete, die aus exzessivem Reiten und Sport bestand. Ich bin fast sicher, dass sie magersüchtig war. Ein Taillengürtel mit winzigen 50 Zentimeter Umfang ist ausgestellt - ohne Korsett unvorstellbar, dass da jemand reingepasst hat. Sogar die Feile wird gezeigt, mit der die Kaiserin ermordet wurde. Ein tragischer Tod der Dame in Schwarz - denn seit dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolf trug sie nur noch diese Farbe. Hier hängen auch die berühmten Winterhalter-Porträts, die das Bild von Sisi geprägt haben. Das mit den Diamantsternen im weißen Ballkleid hat auch meine Prinzessinen-Träume beeinflusst.
Etwas weiter kommt man in die Appartments von Franz und Elisabeth. Er hatte in seinem Arbeitszimmer auch die zwei Porträts von Sisi mit offenen Haaren - die sind ebenfalls wunderschön. Sie waren ursprünglich nur für die Augen von Franz bestimmt, hingen in dessen Arbeitszimmer.
Winterhalter-Porträt (von wikipedia)
In Sisis Ankleide- und Badezimmer (sie liess das erste in die Hofburg einbauen) erfährt man, dass diese Haarpracht drei bis vier Stunden täglich gebürstet und einen Tag lang gewaschen wurden, gern mit Cognac und Ei. Was eine Prozedur! Im Übrigen ist Franz`Schlafzimmer fast mickrig klein mit winzigem Eisenbett, und auch Sisis begnügte sich mit einem kombinierten Schlaf-/Wohnzimmer. Zwar plüschig und samtig ausgestattet, aber doch ein bescheidender Platzbedarf angesichts der großen Hofburg. Natürlich gibt es noch Säle für repräsentative Zwecke, aber diese privaten Wohnräume sind sehr übersichtlich. Nachdenklich und beeindruckt schlendere ich schließlich über den Heldenplatz zurück zur Bahn. Sisi ist und bleibt ein Mythos, und ich beschliesse, mich nochmal intensiver mit dieser Frau zu beschäftigen, die unglücklich, exzessiv und auch rücksichtslos gewesen sein soll. Doch wie bei so vielen, bleibt auch bei mir eher das Bild der strahlend schönen Prinzessin im Sternenkleid in Erinnerung.

Mehr Wien gibt es hier.

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