Montag, 23. Februar 2015

Wien - Ballett der weißen Hengste

Pferde gehören für mich zu Wien dazu - nicht nur in Form der Fiaker-Pferde, die durch die Stadt fahren. Sondern vor allem die Lippizaner, die stolzen Schimmel der Hofreitschule. Ich habe mir im Vorfeld über www.srs.at ein Ticket für eine Vorführung der Spanischen Hofreitschule gebucht. Mit 23 Euro nicht gerade günstig, aber es gibt sogar Karten für über 100 Euro - dann sitzt man in der ehemaligen Kaiserloge in der wohl schönsten Reithalle der Welt (im Sommer sind die Vorführungen draussen!).
Loge
Reithalle
Der Stehplatz war vollkommen ok. Tipp: an einer der mittigen Säulen stehen bleiben, zwischen den dortigen Klappsitzen. Da hat man einen besseren Blick auf die Bahn als von den eigentlichen Stehplätzen dahinter und es ist erlaubt. Verboten ist allerdings das Fotografieren und Filmen, was auch vom Aufsichtspersonal geahndet wird. Leider. Die Begründung, dass das die Pferde irritiert finde ich fadenscheinig. Die sind schliesslich auch Applaus und Musik gewöhnt - Blitzlicht könnte man verbieten. Aber diese Restriktion scheint eher dazu zu dienen, die teuren Programmhefte und andere Souvenirs an den Mann zu bringen. Die Vorführung aber mit Junghengsten, Schule über der Erde und Quadrille zu klassischer Musik ist schön.

Foto: srs.at
Die Vorführung dauert etwa 80 Minuten. Es wird allerdings zwischendurch immer wieder recht lang auf deutsch und dann nochmal auf  englisch erklärt, was zu sehen ist. Informativ, aber das zieht die Vorführung künstlich. Es zeigen erst ein paar Junghengste, die teilweise noch grau sind, da sie erst später ausschimmeln, ihr Können. Darunter auch ein Brauner - denn ein braunes Pferd bringt angeblich Glück und daher lebt immer auch ein dunkles Exemplar unter seinen weißen Kollegen. Zudem ein Pas de Deux mit zwei Pferden, Hohe Schule an der Hand und unterm Sattel, sowie Hohe Schule am langen Zügel, bei der das Pferd rot getrenst ist und der Reiter dicht hinter dem Hengst geht. Gezeigt werden Passagen, Piaffe, Galopppiroutten, Galoppwechsel u.a.
Foto: srs.at
Alles hat hier Tradition, von den Übungen bis hin zu Zaumzeug-Farbe. Beeindruckend, wie hier seit 450 Jahren diese Reittraditionen weitergegeben werden. Und auch die Uniform hat sich nicht geändert. Die Bereiter in weißer Lederhose, Reitfrack, schwarzen Overknee-Stiefeln und mit Zweispitz, dazu eine Birkengerte, selbst geschnitten - das hat Stil. Im braunen Frack ist übrigens eine versteckte Leckerli-Tasche eingenäht - und die Pferde an der Hand bekommen auch immer mal eines, beobachte ich.
Foto: srs.at
Unter den 20 Bereiten sind bisher nur 3 weibliche Elevinnen - erst seit 2008 werden Frauen aufgenommen. Bis zu sechs Jahre dauert es, bis man vom Eleven zum Bereiter aufsteigt, wo man dann einen Junghengst anvertraut bekommt und ausbildet - nochmal sechs Jahre lang. Im Übrigen sind auch die Sättel aus weißem Leder, und die Schabracken mit Goldrand sind entweder rot oder, wenn die Pferde die Schule über der Erde ausüben, grün. Die berittene Schule über der Erde wird ohne Steigbügel geritten - da ziehe ich meinen Hut vor den wirklich sehr ruhigen Beinen der Bereiter und ihren festen Sitz. Besonders beeindruckend ist dabei die Kapriole: Das Pferd springt so hoch, dass es nach hinten ausschlagen kann und dann wieder landet.
Foto: srs.at
Die Lippizaner-Hengste sind wunderschön, und ich bin beeindruckt, dass sie immer noch kräfitge, imposante Pferde mit viel Hals und Po sind und nicht, wie einige andere Rassen, im Lauf der Zeit auf immer zierlicher gezüchtet wurden. Dazu das goldene Vorderzeug und Zaumzeug, sind die weißen Hengst wirklich eine Augenweide. Auch die Quadrille mit acht Pferden ist wunderschön, perfekt choreographiert reihen sich die Pferde ein, teilen sich, kommen wieder zusammen. Rund 70 Hengste stehen in Wien, Stuten und Fohlen stehen in Piber, auf dem Gestüt machen auch die Hengst eine "Sommerpause". In der Hofburg gibt es leider keine Paddocks. Eine Führanlage ist im Hof vom Besuchereingangsbereich aus zu sehen.
Führanlage in der Hofburg
Ein Info-Screen informiert auch darüber, dass einige Hengst seit einiger Zeit eine Außenbox haben und die "Aussicht offenbar genießen". Ich muss etwas lachen als ich das lese, denn ich denke mir meinen Teil....Besser als Box geht immer.... Da man draußen von der Reitschulgasse auch eine Blick in den Stalltrakt werfen kann, sehe ich dort auch ein paar Hengstköpfe aus den Boxen schauen.
Stalltrakt
Mein Fazit: Es war ein Erlebnis und es sind tolle, top gepflegte und trainierte Pferde. Ich bin jedoch eher der Freizeitreiter mit langem Zügel, und die Pferde wirken auf mich arg "zusammengezogen" und unter Spannung. Eine Levade in Freiheitsdressur wirkt auf mich doch ansprechender. Das ist aber meine persönliche Meinung und ich weiss, dass die Hengste auch eine lange Ausbildung hinter sich haben und nicht von Klein auf gleich so versammelt gehen müssen. Allerdings scheint bei den Vorführungen schon das Prinzip raus aus der Box, Leistung, zurück in die Box zu gelten. Warmreiten gehört wohl leider nicht dazu. Auch würde ich immer wieder nur eine Stehplatzkarte kaufen, alles andere ist einfach übetrieben teuer. Das klingt jetzt eher negativ, aber ich muss zugeben, dass der Anblick des barocken Pferdeballetts mir schon sehr gefallen hat.

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