Dienstag, 19. März 2019

Pony-Trekking in Lesotho, dem Königreich im Himmel

Lesotho - das ist eine kleine Enklave, in Mini-Land, umringt vom großen Südafrika. Da bietet sich ein Besuch eigentlich an, aber dennoch ist es noch kein wirklich massentaugliches Ziel. Natürlich fahren täglich Jeeps mit Ausflüglern den Sani-Pass hoch - aber auch am selben Tag wieder runter. Im Land umherrreisen, ist nicht so üblich. Keine Infrastruktur, Armut, karge Landschaft, keine wilden Tiere - das klingt auch nicht gerade verlockend. Ich wollte trotzdem unbedingt hin. Warum? Vor Jahren, auf meiner Tour durch Namibia, hat meine kanadische Zimmergenossin mir ein paar ihrer Bilder ihrer Afrika-Tour gezeigt. Und da war auch ein Bild dabei, auf dem sie auf einem kleinen, zottigen Pony sass, vor schroffen Hängen, mit einem freundlich lachenden Mann daneben. Ich fragte, wo das gewesen sei, und sie erzählte mir, es sei ein Ponytrekking in Lesotho gewesen. Und von da an hatte ich es abgespeichert im Herzen, wollte da unbedingt hin. Erst jetzt, Jahre später, wurde es möglich, und bei der Planung meines Südafrika-Urlaubs war klar: Ich musste Zeit und Weg finden, dorthin zu kommen. Und meine Reisebegleitung musste mit, ob sie wollte oder nicht.
"Papier"Blumen


Anreise:
Schon allein das ist nicht leicht. Es gibt nur wenige Straßen in das Land, auf der Seite, von der wir kamen, nur den Sani-Pass, den man nur mit Allrad befahren kann. Wir flogen von Kapstadt nach Durban. Da ich zunächst die Reise als Solo-Trip geplant hatte und allein nicht Auto selbst fahren wollte, hatte ich eine Art privaten Taxi-Shuttle gebucht, der sich als Privat-Pkw mit Fahrer entpuppte. Das klappte auch so weit gut, der Fahrer war auch nett, aber ich kann die trotzdem nicht empfehlen, da der Chef offenbar nicht organisieren kann und keinen Überblick hat und seine Fahrer auf logistisch unmögliche Touren schickt oder zu zwei Orten zur selben Zeit. Wir holten noch ein Pärchen in der Stadt ab, dann fuhren wir drei Stunden zur Sanilodge Backpackers Nähe Underberg. 17.30 kamen wir endlich an. Über die Lodge hatte ich auch die Tour nach Lesotho gebucht.

Sanilodge Backpackers:
Die Anlage liegt idyllisch am Fuße der Drakensberge, die Gegend hat fast etwas von deutscher Landschaft. Es sind mehrer Gebäude, Gemeinschaftsunterkünfte, aber auch private Rondavels, von denen ich eines gemietet hatte. Sehr gemütlich, aber nicht groß. Und das Bad hat nur eine Sichtschutzmauer, man hört also alles. Wir meldeten uns an, spazierten ein wenig üer die Wiesen - für den netten Pool war es leider zu kalt. Ich hatte Dinner mitgebucht. Es gab Cräcker mit Eiersalat, dann Kartoffelbrei mit einer Sauce und einen Obstsalat. Einfach, aber ok. Leider waren die Servicemädels alles andere als auf Zack, und auch meine Voraus-Bezahlung war nicht vermerkt, was zu Diskussionen führte. Naja, nach einer Flasche Rotwein fielen wir trotzdem müde und zufrieden in die Betten.
 


Fahrt nach Lesotho: 
Am nächsten Morgen, nach einem kleinen Frühstück, stehen wir kleinem Gepäck für zwei Tage abmarschbereit am Parkplatz. Zwei nette französische Pärchen sind auch dabei, und dann kommt unser Guide Philipp, ein englischstämmiger Südafrikaner. Wir verteilen uns im betagten roten Jeep der Lodge, ich setze mich freiwillig nach hinten auf die kleine Bank zu den Taschen. Wir fahren los, und es wird schnell rumpeliger. Unterwegs steigen wir aus, Philipp erklärt uns die Geographie und die Natur, etwa die Wolfsmilchgewächse und die Entstehung der Berge. Wir passieren eine erste Kontrolle. Der Sani Pass ist teilweise Baustelle gewesen, er soll wohl asphaltiert werden. Ich weiss nicht ob ich das gut finden würde - es würde auch für die Einheimischen den Weg erleichtern, aber eben auch den Weg zum Massentourismus öffnen. 
 
Immer höher und steiler schraubt sich die Straße, eine ehemalige Viehandels-Route, in Serpentinen hoch. Es wird immer schroffer und der Ausblick spektakulärer, abe auch der Abgrund neben den Rädern steiler - nichts für meine Höhenangst. Ich bin froh, als wir am Ende aussteigen und ein Stück laufen, während Philipp das letzte Stück zur eigentlichen Grenze fährt. 



Lesotho:  
Da bin ich also, im langersehnten Lesotho. Der erste Eindruck: Es ist nicht viel da. Ein paar Baracken als Shops, der Grenzposten, dahinter Weite. Karg, keine Bäume. Aber ich liebe solche Landschaften ja, sei es die endlose Steppe der Mongolei, Vulkan-Mondlandschaften oder Wüsten.
 
Wir fahren an den ersten Rondavel-Hütten vorbei, die "klassische" Behausung von Lesotho. Die Menschen hier leben von Schafen, Wolle und Landwirtschaft. Es gibt kein privates Land, die Hirten ziehen umher, der Anbau auf offenen Flächen für die Gemeinschaft. Es sind Basothos, die hier leben. Die Bevölkerung ist arm, HIV ist ein Problem. Charakteristisch sind die Decken, mit denen alle rumlaufen - Schutz gegen die Kälte in der Höhenlage. Zudem tragen viele Gummistiefel. Wir fahren auf einer neuen Straße, geteert von chinesischen Investoren. Es fahren kaum Autos, da es nur wenige gibt, und so zockeln auch Reiter mit Ponys und Eseln da lang. 
Wir machen einen ersten Halt an einer Schaf-Schur-Station. Dort bringen alle Hirten ihre Tiere hin, wo sie dann im Akkord geschoren werden. Der Wollpreis ist niedrig, gut leben kann man davon nicht. Es wird per Hand geschoren, mit Scheren. Draußen liegt ein geschlachtetes Schaf - Mittagessen für die Arbeiter.
 
Der nächste Stop ist in einem kleinen Shop, wo wir uns mit Bier aus Lesotho für abends eindecken. Dann erreichen wir ein Dorf, und in einer Seitenstraße drei Rondavels. Hier wohnt Peter, unser Pony-Guide. Erstmal bekommen wir Tee und Kekse, und uns fällt auf, dass vor den Hütten eindeutig zu wenig Ponys für unsere Gruppe angepflockt sind. Aber: wir bleiben relaxed. "Das ist Afrika". Zeit spielt in Lesotho nicht so eine Rolle. Nach einem Gang zum Plumpsklo und noch etwas Tee kommt auch Peter mit mehr Ponys, dann wird gesattelt, ein paar Riemen müssen noch getauscht und repariert werden.

Der Ritt:
Die Ponys sind klein - und dünn. Ich bin ein wenig erschrocken. Aber es war Winter, Peter wartet noch auf neues frisches Gras. Auch die Ausrüstung ist mangelhaft und zusammengewürfelt, ich bekomme ein dunkles Pony mit einem deutschen alten Stübben-Sattel. Aber: Ich weiss, dass ich auf keinen Fall in solchen Ländern unsere Maßstäbe ansetzen kann. Das habe ich schon in der Mongolei gedacht und ich finde es auch nicht fair. Es wird auch hier deutlich, dass Peter sich so gut es geht um die Tiere kümmert, sie sind sein Kapital, er hat sich damit in diesem Land eine kleine Existenz aufgebaut. Kein Pferd lahmt oder hat offene Stellen. Ich schwinge mich in den Sattel, mit Rucksack - denn Packtaschen gibt es nicht. Das ist ungewohnt, aber machbar. Wir reiten los, über kleine Trampelpfade, und mit tollen Ausblicken. 
 Es dämmert schon bald, und wir erreichen schon recht schnell das Dorf, wor wir übernachten. Dort ist die Englischlehrerin unsere Gastgeberin. Sie hat ein Rondavel, eine viereckige Hütte und eine Art Haus, das noch im Bau ist - es geht ihr wohl ganz gut, auch wenn es für uns immer noch sehr einfache Verhältnisse sind. Strom kommt nur von Solarzellen, Licht nur funzelig von einer Glühbirne, zwei Betten stehen neben dem Tisch und dem Gasherd in der Ecke, auf dem Sie uns ein richtig üppiges und leckeres Mahl kocht - natürlich mit Pap, dem Maisbrei, dazu Hühnchen und verschiedene Gemüse. Mit Schüssel und Kanne sorgt sie dafür, dass wir auch alle erstmal Hände waschen - fliessend Wasser gibt es nur an einem Hahn mitten im Dorf. Dort in der Nähe wohnt auch der Dorfchef, den wir beim Rundgang begrüßen. Auf dem Berg hinter dem Haus beobachten wir den Sonnenuntergang und haben Spaß mit ein paar Kindern.
 
 

Wir schlafen alle zusammen im Rondavel auf Matratzen auf dem Boden, unter Bergen von dicken Decken, kalt ist mir nicht. Die Petroleumlampe und die Wärme sorgt für Kopfweh.
 
Am nächsten Morgen gibt es Frühstück mit warmen Brei. Dann kommen auch schon die Pferde, und mit ihnen ein paar Kinder. Wir verabschieden uns, und machen uns auf den Weg. Es geht nochmal bergauf und bergab, meine Freundin und ich dürfen auch mal galoppieren, weil Peter merkt, dass wir reiten können.


Eine Pause mit Ausblick, und dann sind wir schon wieder zurück an Peters Hütten. Wieder Tee - und Ruhe. Wir sitzen vor den Rondavels, fühlen uns alle wohl, sind dankbar und geflasht von den Eindrücken, der Gastfreundschaft und dieser ganz anderen Welt. Wir bekommen auch noch Essen. Dann müssen wir Abschied nehmen, mit dem Lesotho-Dreifach-Handschlag mit Arm und Hände einhaken - das steht für Frieden, Regen, Wohlstand - was man seinem Gegenüber wünscht. Als ich wieder in den Landrover klettere, auf die Taschen, merke ich ein Brennen in den Augen. Wir winken und hupen und rumpeln davon. Es waren nur 24 Stunden, aber es hat uns alle bewegt. Das Eintauchen in ein Land, das auf so einem Trip möglich ist, ist unbeschreiblich.

Philipp hat dann noch etwas in Petto für uns, was die Stimmung augenblicklich hebt. Wir wollen an einem "Pub" halten. Lustigerweise ist das genau wie in Peru, also auf der anderen Seite der Welt, ein privates Haus oder Hütte, wo frisches Maisbier gebraut wird, und wenn das fertig ist, wird eine weisse Flagge gehisst bzw. eine Tüte oder Sack. In Peru etwas Rotes, aber ansonsten dasselbe Prinzip. Unser "Pub" in Lesotho war dann wirklich nur eine Wellblechbaracke. Da drin ein paar Hirten in Gummistiefeln, die wohl schon ein paar Runden hatten, die Frau, die es gebraut hat -und wir. Es gab einen Plastiknapf voll, der ging dann rum. Es schmeckte mir auch hier nicht, aber es war wirklich ein Erlebnis.
 

Einen richtigen Drink nehmen wir dann noch im höchsten Pub Afrikas direkt an der Grenze. Mit Blick den Sani Pass hinab stoßen wir an.
 
Als wir wenig später hinabrumpeln und Philipp die Serepentinen und die Gangschaltung im Griff hat, werde ich noch einmal melancholisch. Es war gut, dass ich damals das Foto gesehen habe und mir Lesotho nicht mehr aus dem Kopf ging. Es war für mich eine unglaubliche Erfahrung, und ich werde es immer in meinem Herzen tragen. Ein absoluter Geheimtipp (noch) für die, die etwas anderes erleben möchten.

1 Kommentar:

  1. Liebe Uta,
    Du hast die Reise und deine Erlebnisse in Lesotho und beim Pony-Tekking sehr schön und treffend erzählt. Auch ich war mit einer 8-köpfigen Reitergruppe in Lesotho, eine Woche nach dir. Mich lässt dieses Land, die herzlichen und sehr armen Menschen nicht los. Die Basotho-Ponys sind für die Menschen in Lesotho lebenswichtig, denn Autos gibt es dort nicht. Die Menschen bitterarm. Online-Shops und Krämer-Verkaufsläden gibt es dort auch nicht. Das Pferdezubehör fällt nicht vom Himmel, die Menschen müssen das Beste aus dem Wenigen machen. Wer hier mit erhobenen Zeigefinger aus dem Wohlstands-Staat Deutschland spricht, sollte dort mal leben. Ohne Strom und fliessend Wasser. Die Felder werden mit dem Ochsen bestellt. In der Armutsskala liegt Lesotho bei 160 von 188 Ländern.
    Die Ponys haben eine große Bedeutung um von A nach B zu kommen. Kinder tragen kaputte Kleidung und laufen zum Teil mit völlig kaputten Gummistiefel oder gar keinen Schuhen herum. Den Ponys geht es gut, auch wenn sie klein und schwach wirken. Das Basotho-Pony zeichnet sich durch Ausdauer, Genügsamkeit, Geduld, Mut und Tragstärke aus. Ich habe mich auf meinem Pony Maluti gut aufgehoben gefühlt. Tierquälerei findet in Europa statt, nicht in Lesotho. Die Landschaft in Lesotho ist einfach grandios und es gibt nichts Schöneres, als diese schöne Landschaft zu Pferd zu erkunden und bei netten Menschen zu übernachten, die einfach alles geben, was sie besitzen.
    Ich bin froh und stolz, die Menschen und die ausdauernden Basotho-Ponys kennenlernen und reiten zu dürfen. Ja, ich würde wieder nach Lesotho fahren und ja, ich würde wieder diese Ponys reiten! Übrigens hat unsere Gruppe ein Paket nach Lesotho geschickt mit Pferdezubehör, 11,7 kg und ist gestern dort angekommen. Peter, unser Guide, hat dich sehr gefreut. Nicht nur meckern, sondern handeln.

    Uta, vielen Dank für diesen schönen Bericht. LG Birgit

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