Mittwoch, 4. Januar 2017

Im Dschungel Perus: Spinnen, Schweiß und Schlafen

Während meiner dreiwöchigen Peru-Reise stand im Rahmen der Gruppentour auch eine 5-tägige Fahrt in den Manu National Park an. Dieser umfasst Nebel- und Regenwald, und nur mit geführten Touren kommt man überhaupt in die Zona Reservada (unser Anbieter: Amazon Trails). Diese Touren, so auch unsere, sind ziemlich teuer. Das heißt nicht, dass es Komfort gibt, sondern ist der Logistik und den langen Reisewegen geschuldet. Ob es sich lohnt? Mein Fazit ist gespalten. Warum, erfahrt ihr in meinem Reisebericht:
1. Tag
Morgens um 5.30 Uhr geht es an unserem Hostel in Cusco los. Der Mini-Bus ist mit uns sieben Touris, Guide, Koch, Gepäck und Vorräten vollbepackt, auch auf dem Dach. Dann fahren wir - bis 17 Uhr. Natürlich mit Pausen. Gefrühstückt wird in einem typischen Andendorf mitten auf dem Marktplatz, zwar vor einem Cafe, aber mit unseren eigenen Sachen. Als ich auf dem Weg zum Klo den chaotischen Hinterhof passiere, bin ich da auch ganz froh drüber. Nach einem weiteren Stopp im hübschen Paucartambo, wo die letzten Einkäufe getätigt werden, geht die Straße bergab, die Vegetation wird üppiger, grüner feuchter.
Wir sind im Nebelwald. Wir halten an der Straße und besichtigen einen kleinen Wasserfall, bevor wir am Straßenrand Mittag essen - Tisch und Stühle wurden für uns in der Zwischenzeit aufgebaut. Hier fällt schon auf, dass uns ein weiterer Bus mit einer deutschsprachigen Gruppe "verfolgt". Sie sind mit demselben Anbieter unterwegs, und leicht zeitversetzt absolvieren wir in den folgenden Tagen das gleiche Programm, was mir schon einen faden Beigeschmack bringt - es nimmt den Expeditionscharakter und sorgt für das Gefühl, dass hier sehr routinemäßig ein immer gleiches Programm abgespult wird.
Immerhin: Wir entdecken auf der Fahrt erste Papageien und auf einer wackligen Aussichtsplattform, die mit uns und der anderen Gruppe fast schon überfüllt ist, sehen wir zwischen den Ästen den knallrot gefärbten Andenfelsenhahn, Nationalvogel Perus.
Am späten Nachmittag erreichen wir die Bamboo Lodge, und die offenen Hütten und der Anblick eines Kolibris in einem Busch vor der Tür begeistern mich ziemlich. Abends gibt es für uns und die andere Gruppe in der "Küchen-Hütte" leckeres Essen, Reis mit Fisch. Müde von der langen Fahrt, gehe ich bald ins Bett, eingesprüht mit Anti-Mücken-Zeug.

2. Tag
Der Wecker klingelt um 4.15 Uhr. Miguel, unser Guide, führt uns noch vor dem Frühstück über das Gelände und erklärt die Pflanzen, die dort stehen. Leider regnet es, und wir sind alle noch müde. Abfahrt ist dann um 6.45 Uhr. Unterwegs halten wir noch in einem kleinen Ort - die Straßen sind hier schon längst nicht mehr asphaltiert, es ist tropischer, ganz anders als die Andendörfer. Wir inspizieren ein paar Läden, kaufen noch Getränke und Süßkram. Ein weiterer Stopp, mitten im Wald, ist eine Wildtier-Station, in der als Haustiere gehaltene Wildtiere wieder ausgewildert werden sollen. Daher soll man die auch nicht anfassen. Die Anlage ist klein und ein wenig runtergekommen, wirkt auch fast verlassen. In einem Stall entdecken wir einen Tapir, ein winziges Agouti wuselt zwischen uns durch, plötzlich springt ein Äffchen an mir hoch, das ziemlich gezielt am Reissverschluss meiner Gürteltasche zieht und dann noch weiter nach oben klettert. Ein Wasserschwein und ein Ara geben noch dankbare Fotomotive ab, und wir sind alle besser gelaunt. Tiere gehen eben immer...
 
 
Danach erreichen wir den Fluß Rio Madre de Dios. Ein paar Hütten, eine Anlegestelle mit langen flachen Booten. Nun wird alles aus dem Bus umgeladen auf eines der Boote, wir bekommen in einem Schuppen Gummistiefel ausgeteilt - die passen gut und sind bequemer und neuer als gedacht. Und definitv das richtige Schuhwerk für den Dschungel. Um 9.20 Uhr nehmen wir Platz auf dem Boot, legen die Schwimmwesten an und los geht es .... und dann fahren wir und fahren und fahren. Es ist bedeckt, Fahrtwind und Sprühwasser kalt, der Fluß breit. Der Bootsführer muss treibenden Ästen ausweichen. 
 
Auf einer Sandbank machen wir Mittags- und Pipi-Pause. Um ca. 16 Uhr legen wir an der Uferböschung an, schleppen uns und Gepäck hoch. Ohne Fahrtwind ist es sofort superheiss und schwül. Wir müssen noch etwas hoch, dann stehen wir vor der Lodge, unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Doppelzimmer mit Bad, einfach aber sauber. Es gibt keinen Strom bzw. nur für zwei Stunden am Nachmittag, aber das wussten wir vorher und ich habe es auch nicht vermisst. Das Wasser sollte auch warm sein, war es bei unserer Dusche aber nicht. Fand ich auch nicht weiter schlimm, da ich über die Abkühlung immer froh war. Schon jetzt fühle ich mich einfach nur verschwitzt, heiß, wie "verkocht". Witzigerweise ist die Lodge so konstruiert, dass unter einem Blechdach (sehr laut bei Regen, wie wir beim tropischen Guß gleich hören) die Zimmer nur "eingefügt" sind, also die Wände nicht bis ganz oben gehen, so dass man alles vom Nachbarn hört, wie in einer Art Halle.
Wir brechen um 17 Uhr auf, mit Gummistiefeln geht es in den Wald. Der Boden ist sehr nass, es hat viel geregnet. Wir laufen zu einer Aussichtsplattform, von der man auf eine kleine Lichtung blickt. Der Ausguck ist niedrig, oben liegen Matratzen mit Moskitonetzen, auf denem man sich hinlegt. Absolute Stille ist hier angesagt, und wir essen schweigend unsere Spaghetti aus der Tupperdose und starren angestrengt ins Halbdunkel und dann ins Dunkle. Als direkt vor mir auf dem Holz des Sehschlitzes ein dickes Insekt vorbeikrabbelt, verkrieche ich mich dann doch unter das Moskitonetz. Die Müdigkeit übermannt mich, ich fröstel sogar und decke mich zu. Um mich rum schnarchen auch andere, obwohl auch das (kein Witz!) eigentlich nicht sein soll. Ich schlafe auch ein. Und nein, kein Tapir kam an die Lecke in dieser Nacht. Wir gehen nach ca. 4 Stunden wieder, schleichen uns leise davon, im Schein der Taschenlampen zurück durch die Pfützen. In der Lodge falle ich sofort ins Bett.

3. Tag
Um 4 Uhr klingelt der Wecker. 45 min später sitzen wir im Boot und tuckern los. Nach weiteren 45 Minuten legen wir an und laufen durch den Wald zur Ara-Lecke Blanquillo. Die riesige Beobachtungsplattform auf Stelzen gegenüber der Lehmwand ist in Privatbesitz und kostet nochmal 90 Dollar extra. Oben heißt es Stiefel aus, auf Socken suchen wir uns jeder einen Platz am Rand mit Blick auf die Lehmkante. Unsere "Jungs" schleppen das Frühstück heran, und ich haue erstmal rein.
Denn es passiert erstmal - nichts. Ich kann nicht anders, als zwischendurch den Kopf auf die schmale Tischplatte zu legen und zu schlafen, auch die anderen dösen ab und zu vor sich hin.
Dann hängen immerhin ein paar kleine grüne Papageien an der Wand und eine Art Eichhörnchen. Immerhin kommen die Aras nun angeflogen, immer zu zweit (monogam!) oder zu dritt (Mama, Papa, Kind) und lassen sich oberhalb der Wand in den Palmen nieder. Irgendwann, nach Stunden, macht einer die Vorhut und klettert herab und hängt sich an die Wand. Nach und nach folgen die anderen. Endlich! Wir fotografieren, so gut es geht, schauen durch Miguels Spektiv.
 
Bis, ja bis die Viecher auf einmal alle auf einmal aufgeschreckt hochfliegen - und wieder in den Palmen sitzen. Das Ganze wiederholt sich dann nochmal, aber dann schleichen wir uns von dannen. Fahren mit Boot auf die andere Flusseite, spazieren durch den Primärwald. Miguel erklärt einige Pflanzen, zb die wandernde Palme, die tatsächlich "läuft". Dann stehen wir auf einmal vor einem Mega-Baumriesen, neben dem eine Eisentreppe nach oben führt - 50 Meter. Trotz meiner Höhenangst steige ich hoch. Oben ist auf dem Baum, in der Krone, eine Plattform, von der man über den Dschungel blicken kann. 
 
Nach dem Abstieg laufen wir zu einem See, auf dem wir eine Weile mit einem Katamaran herumfahren. Unsere Bootsjungs paddeln, wir sitzen auf klapprigen Stühlen und essen mittag aus der Dose. Es ist heiß, und trotz Piranhas im Wasser lasse ich die Füße in selbiges hängen. Wir sehen ein paar Vögel, mehr nicht. Dann geht es zurück zur Lodge, und ich versuche, mich unter der Dusche abzukühlen, schlafe dann unter dem Moskitonetz. Den Nachmittag verfaulenzen wir, und ich bin irgendwie durch. Nach dem Abendessen machen wir uns dann aber doch noch mit Miguel auf den Weg, zumindest ein Teil der Gruppe. Bei dieser Nachtwanderung entdecken wir vor allem Insekten und, sehr zur Freude des Guides, einen lustigen Frosch. Mein Highlight ist eine Stabheuschrecke, die ich bisher nur aus dem Zoo kannte. Ich kann nur die Spinnen nicht fotografieren. Leider wimmelt es hier von Spinnen, und das Beste: Direkt unter der Holzbohle am Fuß der Treppe zu unseren Zimmern ist ein Loch, in dem eine Vogelspinne lebt. Nachts kommt sie raus. Nur mit einem Riesensatz komme ich da rüber, und ich frage mich, ob die Lodge-Betreiber sie nicht umsiedeln könnten?! Nach der Nachtwanderung falle ich ins Bett - um 21 Uhr!

4. Tag
Um 4.15 Uhr geht es los. Wir fahren mit dem Boot zum Blanco-See, den wir dann mit einem ähnlichen Katamaran wie gestern befahren. Kaum ist die Sonne da, ist es unerträglich heiß. Wir sehen am Ufer viele lustige Vögel, z.B. die großen, plumpen Hoatzine. Deren Jungtiere haben noch Krallen an den Flügeln - ein Überbleibsel aus der Reptilienzeit? Ebenfalls lustig sind die Schreivögel, mit Antennen auf dem Kopf. Dazu viele kleinere Wasservögel.
Ein Riesenotter - mehr gab meine Kamera nicht her
Leider leider keine Tukane, dabei hatte ich mir das so gewünscht. Auch an den anderen Tagen sehen wir diese Vögel nicht, auch wenn man sie hört, wie Miguel uns erklärt (die Geräusche im Urwald sind enorm, eine ständige Kulisse). Doch dann, immerhin, sehen wir die seltenen, scheuen, vom Aussterben bedrohten Riesenotter. Für meine Kamera zu weit weg, aber trotzdem toll. Auf der Bootsfahrt zurück gibt es süße Gurken (lecker!) und dann in der Lodge Mittag, u.a. eine Causa, eine Art Kuchen, aber aus Thunfisch und Kartoffelbrei. Danache haben wir wieder Siesta, sehen noch ein paar Affen durch die Uferbüsche huschen. Auf einem weiteren Spaziergang am späten Nachmittag gibt es dann leider wieder nur Pflanzen zu sehen. Am Abend, bei Kerzenschein, kehren andere von der Tapirlecke zurück - sie haben welche gesehen. Hmmpf.

5. Tag
Wir verlassen die Lodge um 5 Uhr mit dem Boot, fahren aber nicht zurück, sondern weiter flussabwärts. Bis zur Goldgräberstadt (ja, wirklich) Colorado. Es ist seltsam, dort die Goldwaschanlagen im Fluss zu sehen und zu wissen, dass dort auch Quecksilber verwendet wird. Dort geht es in Jeeps, unsere armen Bootsjungs müssen nun flussaufwärts den ganzen Weg zurück. Wir fahren mit den Autos ca. 45 min über eine Schotterpiste zu einem anderen Fluss, über den wir übersetzen - also nochmal alles umpacken. Dort wartet dann ein großer Reisebus auf uns und zwei andere Manu-Tour-Gruppen. Den Rest des Tages verbringen wir da drin - eine lange Fahrt zurück nach Cusco.

Fazit: 
Ich bin froh, mal im Dschungel gewesen zu sein. Die Geräusche zu hören, die Aras zu sehen, die Hitze zu spüren. Letztere hat mich aber echt auch geschafft, mein Klima ist das nicht. Das machte leider alles ziemlich anstrengend, hinzu kam Müdigkeit durch das frühe Aufstehen. Für die Tierbeobachtungen braucht man Glück und vieeeeel Geduld. Klar, es ist kein Zoo, aber das z.B. Tukane nicht zu entdecken waren, fand ich schon schade. Ich weiss nicht, ob man mehr gesehen hätte, wenn man noch in die Zona Reservada gefahren wäre. Diese Touren dauern aber noch länger und sind noch teurer. In meiner Gruppentour war eben "nur" die Biosphären-Tour eingeplant. Gern hätte ich auch Indios getroffen, die dort leben, auch das ist z.b. in der Zona Reservada möglich. Daher, wenn man schon diese ewige Fahrerei auf sich nimmt, sollte man meiner Meinung nach diese 2 weiteren Tage mit einplanen.

Die Beschreibung der Reittour findet ihr hier.

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