Freitag, 22. Mai 2015

Erongo-Trail: Reiten in Namibia - Tagebuch

Abenteuer Afrika
Hitze, Staub, Dornen - klingt nicht gerade nach einem Traumurlaub, oder? Aber mein Trail in Namibia vor 2 Jahren war wundervoll! Highlight war sicherlich die Begegnung mit Giraffen, dazu haufenweise tolle Sonnenuntergänge, Nächte voller Busch-Geräusche, tollen Galoppaden und und und. Ich habe damals einen ausführlichen Bericht Forum des Reiseveranstalters Pferd und Reiter gepostet. Nun will ich ihn hierher transportieren - er ist sehr ausführlich, aber vielleicht mag es ja jemand lesen, mein Busch-Tagebuch. Zur Einstimmung ein paar Fotos:

Im Erongo
Erschöpfung in der Mittagshitze
Sundowner
Termitenbau
Hallo!
Kudu-Schädel
Frühstück
Unser Camp
1. Tag, Anreise
Nachdem ich bereits im Januar gebucht hatte, hatte sich die Vorfreude auf Afrika (Reise im September) von Woche zu Woche gesteigert - fast ins Unermessliche. Und dennoch bin ich nicht enttäuscht worden. Obwohl ich aus finanziellen Gründen nicht die Top-Reitsafari, etwa in Botswana, buchen konnte, mit großen Zelten und der Gewissheit, zwischen Zebraherden zu reiten und mit Giraffen zu galoppieren. Giraffen gab es zwar auch, aber sonst...trotzdem war es unvergesslich.
Der Anreisetag war für mich nur zum Teil einer, da ich schon eine Woche vorher nach Namibia geflogen war und eine Rundreise inklusive Wild-Safari gemacht hatte (Bericht folgt). Und der Zufall wollte es, dass ich genau in dem Backpacker Hostel in Windhoek übernachtet hatte, von wo aus heute auch der Transfer zur Farm starten sollte. Ich war also recht entspannt, ging noch mal in die Stadt, dann trudelte auch meine Mitreiterin Bea ein. Wir kannten uns vorher nicht, der Kontakt wurde aber durch Pferd+Reiter vermittelt, und da wir beide in derselben Stadt wohnen, hatten wir uns vorher schon mal getroffen und "beschnuppert", da wir Zimmer und Zelt teilen wollten. Es passte, auch wenn ich irgendwann doch mein Zelt für mich hatte....Bea hatte einen anderen Schlafplatz auserkoren....ob ich vielleicht doch geschnarcht habe?? :-) Bea hatte auch schon eine Rundreise hinter sich, so hatten wir viel zu erzählen. Dann tauchten noch zwei andere Frauen auf, die direkt vom Flughafen kamen und dementsprechend etwas übermüdet waren (Nachtflug). Wie sich herausstellte, war eine davon ebenfalls für den Trail angemeldet, die andere war eine Freundin der Familie und besuchte diese für 3 Wochen. Der Transfer war für 13.30 angesetzt, leider nichts. Nach einer Weile werden wir unruhig, bitten die Dame an der Rezeption bei der Firma anzurufen, sie kommt aber nicht durch. Leider ist auch nicht ganz klar ob sie die richtige Firma anruft, wir haben keine Kontaktdaten. Die Stimmung ist etwas angespannt. Etwa 45 min später dann doch plötzlich der Fahrer da....die Abfahrtszeit war wohl nur ein Schätzwert - that's Africa. Wir wuchten unser Gepäck in den Anhänger und setzen uns dann in den Kleinbus, leider ist für Bea und mich nur ganz hinten was frei - aber mit sehr wenig Beinfreiheit, und wir sind beide nicht sehr groß. Nach einem weiteren Stopp in Windhoek geht es dann raus aus der Stadt nach Norden bis zum Ort Karibib. Dort werden wir an einem Info-Souvenir-Center rausgelassen. Es ist tote Hose, nur wir stehen rum. Schleppen Koffer rein und warten. Da wir aber nun zu spät waren, müssen wir nicht lang warten. "Seid ihr die Reiter?" fragt plötzlich ein Mann in Lederweste und mit Cowboyhut.
Es ist Immo, der Besitzer der Farm. Wir verfrachten das Gepäck in seinen Toyota-Geländewagen und weiter geht es nach Omaruru. Dort Halt an der Tankstelle, und plötzlich steht Alina vor uns, Tochter von Immo. Sie lässt den Lkw checken, der uns auf dem Trail begleitet und macht Großeinkauf...denn die Farm ist nochmal 30 Kilometer entfernt im Nichts, da kann man nicht mal eben zum Supermarkt fahren. Die 30 Kilometer sind auch Schotterpiste, und dementsprechend afrikanische 30. Die sind dann aber auch bald geschafft, wir fahren durch die Eingangspforte und noch etwas übers Farmgelände bis zum Haus bzw den Häusern. Es gibt ein Haupthaus, einen Bungalow, ein Gästehaus mit 2 Zimmern und ein kleines Haus wo Alina wohnt.

Wir werden von Heike, Immos Frau, und mehreren Hunden herzlich begrüßt. Es sind Dackel und ein großer Jagdhund, alle total lieb. Nach einer Woche Lodges und Hotel merke ich sofort: Hier ist es wie nach Hause kommen, hier LEBEN und arbeiten Menschen, es ist deren Zuhause. Es ist alles top gepflegt, ein großer Garten (mit Kakteen) umgibt das Haus, aber es wirkt eben alles echter, nicht so künstlich und touristisch. Bea und ich bekommen das Zimmer "Oryx" mit 2 einzelbetten und einem riesigen Bad - und einem Oryx-Fell auf dem Boden. Immo ist auch Jäger, es gibt auch Jagdurlaub auf der Farm, aber keine Trophäenjagd und mit Blick auf den Wildbestand. Immerhin profitieren auch wir davon - lecker Wild-Fleisch!
Heute Abend etwa Springbock, dazu Wirsing, Rotkohl und Kartoffeln. Wir essen alle zusammen auf der Terrasse, Alina ist aus der Stadt zurück, mit ihr Marina, die deutsche Praktikantin, dazu Lou, eine Praktikantin aus Windhoek, ein stilles aber sehr freundliches Mädchen, sitzen auch dabei. Es ist wirklich, als wären wir hier zu Hause. Katha, die hier Sternritte macht und morgen ankommen wird, hat es in ihrem Bericht bereits auf dem Punkt gebracht: Es sind keine Gastgeber, sondern eine Gastfamilie. Es gibt Wein und Bier, wir quatschen und hören auch, dass es immer mal wieder Probleme auf einer Farm gibt, besonders technischer Art: Hier eine Pumpe kaputt, da ein Auto was Mucken macht. Um 21.15 ziehen wir uns ins Zimmer zurück.

2. Tag, Farm
Wir frühstücken, diesmal nur zu dritt, wieder auf der Terrasse, bereits in Reitklamotten. Denn gleich danach geht es nebenan zum Putzplatz. Drumherum erstrecken sich die Paddocks, auf denen Pferde laufen und auch die Rinder samt Kälbchen. Diese wiederum gehen dann in das Farmland über, eine zu dieser Zeit sehr trockene Busch-Landschaft mit einigen kleinen Bäumchen. Wir lernen Junias kennen, den „Pferdemann“ der Farm. Der Herero wird uns auch als Reitführer auf dem Trail begleiten. Er ist ruhig, etwas schüchtern. Er versteht wohl etwas deutsch, spricht es aber nur in einigen Worten. Mit Englisch klappt es besser, aber auch da redet er nicht viel….wir werden auf dem Trail noch sehr lachen, wenn unser schweigsamer Cowboy während des Trails unentwegt mit seinem Kollegen Johannes am Lagerfeuer quatscht- in seiner murmelnden Muttersprache….keine Ahnung, was die beiden sich alles zu erzählen hatten…hoffentlich nichts über die verrückten deutschen Frauen die bis nach Namibia reisen um durch den Busch zu reiten Alina hat uns gestern abend noch nach Reitkenntnissen gefragt, Junias hat schon ein paar Pferde für uns aus dem Busch in den Paddock
gebracht. Ich soll mir Friendly holen, eine relativ kleine braune Stute, die auch einen freundlichen Eindruck macht. Junias zeigt uns Putzzeug und wie wir putzen sollen, vor allem dass wir per Hand übers Fell streichen sollen, um eventuelle Dornen zu erfühlen, die dort noch stecken könnten. Denn hier hat einfach jedes Gewächs Dornen, was wir auch noch feststellen werden…. Er sucht uns das
Sattelzeug, Westernzaum mit Wassertrensen, teilweise mit Strick-Zügeln, teilweise offenen Zügeln, dazu Westernsättel bzw McClellan-Sättel. Er kontrolliert, ob wir alles richtig machen, sattelt im Zweifel noch mal neu. Diese Sorgfalt wird auch den ganzen Trail über andauern, man merkt, dass Pferd und auch Ausrüstung hier schonend und richtig behandelt werden sollen. Bei der Ausrüstung hat das ganz pragmatische Gründe: Sie ist in Namibia schwer zu beschaffen, muss sonst importiert werden. Die Sattelkammer ist super-ordentlich und sauber - Junias ist ständig am Fegen. Und die Pferde sind allen ohnehin sehr wichtig, jedes hat eine Geschichte. Friendliy stammt aus Namibia, evtl
sogar aus der Wildpferdeherde in der Namib-Wüste. Dort leben verwilderte Militärpferde bzw deren Nachfahren aus der Kolonialzeit. Bea bekommt Silverado, einen Braunschecken, und Tina eine kleine Fuchsstute namens Lina. Sie war mal ein „Damara-Donkey“. Im Damaraland ging sie mit anderen vor einem Eselskarren. Weiße Striche auf ihrem Rücken zeugen noch davon, dass dabei wohl durchaus auch mal ein Stock zum Einsatz kam. Hier geht es ihr wohl besser. Wir haben alle drei unsere Reithelme mitgebracht und ziehen die auf, werden sie auch bei Trail tragen. Ist jedem selbst überlassen und bei Westernreitern auch eher unüblich, aber wir drei fühlen uns damit einfach
sicherer und sind es auch so gewohnt. Durch Heikes Kakteengarten geht es auf den Reitplatz. Der ist eingezäunt, es liegen Stange bereit, die auf Boden- und Trailarbeit hindeuten. Vorm Aufsteigen sollen wir Beine nach vorn ziehen. Auch auf das Durchführen dieser „Gymnastik“ wird Junias in den kommenden Tagen achten. Es soll auch Hautfalten vorbeugen. Denn bei dieser Hitze, Staub und Schweiß und langem Ritt wäre eine wunde Stelle am Gurt nicht sooo verwunderlich, aber auf dem Trail eben ein Problem. Alina gibt ein paar Anweisungen. Schnalzen ist übrigens das Kommando für Antraben, ein Küsschen für Galopp – es funktioniert. Wobei wir den Galopp erst im Gelände testen. Wir reiten sonst alle kein Western, und da die Pferde sehr fein ausgebildet sind, eiern wir anfangs etwas rum. Einfach mal aussen rum traben, ohne ins Zerren zu geraten? Es gelingt dann doch, wir entspannen uns.
Bea hat am wenigsten Probleme. Bei mir geht es so – noch. Dann geht es durch den Paddock raus in den Busch. Junias vorn weg auf „Geronimo“, einem Falben. Wir schlängeln durch dornige Büsche, am Drahtzaun entlang. In einem trockenen Flussbett, das hier Revier genannt wird („Wir sind im Rivier geritten“) galoppieren wir auch mal. Junias hat die Reihenfolge festgelegt. Ich merke, dass Friendly SEHR lauffreudig ist. Ich kann sie zwar halten und sie rennt auch nicht an den anderen vorbei, aber sie tänzelt rum, galoppiert auf der Stelle etc. Es wird nur ein kurzer Ritt, aber ich habe schon komplett die Orientierung verloren. Das Buschland sieht so gleich aus, es ist flach…doch irgendwann taucht die Farm wieder auf. Wir gehen durch die Paddocks zum Putzplatz, es ist mittlerweile richtig heiß. An den Wasserbecken dürfen daher die Pferde alle saufen. Meine Schuhe und meine Hose (helle Farbe – wegen der Sonne, haha) sind nun eingeweiht: Eine Staubschicht bedeckt sie. Wenn ich also während des Trails braun im Gesicht war, lag das nicht am Teint… Wir satteln ab, räumen alles weg, entlassen die Pferde auf den Paddock. Wir ziehen uns um. Dann gibt es hinter unserem Gästehaus in der Lapa, einer Art offenen überdachten Terrasse, Mittagessen in großer Runde, zubereitet von den Praktikantinnen und Doris. Sehr leckere Pfannkuchen mit Käse überbacken, Pesto, dazu ein sehr leckerer Salat. Alina fragt nach dem Ausritt. Ich merke nur an, dass Friendly ja ganz schön lauffreudig sei. Ich soll daher heut Nachmittag ein anderes Pferd bekommen. Danach ist Siesta. Heike gibt uns Matten für die Liegen, die dort im Garten stehen. Wir ziehen sie erstmal an die spärlichen Plätze, wo es jetzt Schatten gibt, und dösen vor uns hin. Um 15 Uhr gehen wir wieder auf die Veranda am Haupthaus, dort bekommen wir Kaffee und Kuchen hingestellt. Danach wieder in die Reithose und zum Putzplatz. Jetzt soll ich Lina nehmen, die Tina heut früh hatte, Sie bekommt Mr. Dean, einen Schecken. Alina reitet diesmal auch mit. Wir gehen wieder ins Gelände. Im Flussbett, dessen sandiger Boden ideal zum Galoppieren ist, halten wir unter einem großen Baum. Von dort soll jeder zum Einzelgalopp starten. Mit Lina klappt es super. Nachdem alle durch sind, reiten wir, vorbei an riesigen Termitenhügeln, zurück zur Farm. Die Sonne sinkt und schenkt uns tolles Licht. Auf der Farm ist mittlerweile noch eine Reiterin angekommen, die aber Sternritte macht und nicht am Trail teilnimmt. Heike gibt uns erstmal ein Bier zur Begrüßung. Später essen wir wieder alle auf Terrasse. Es gibt Lamm, Bohnen, Kartoffeln und zum Nachtisch Vanillepudding. Wir unterhalten uns eine Weile, es ist echt eine nette Atmosphäre. Dann muss ich aber mal aufs Zimmer und etwas packen. Auf den Trail nehme ich meinen Flugkoffer nicht mit. Ich habe eine separate Reisetasche dabei, ein ganz einfaches Ding, was zusammengefaltet wird wenn man sie nicht braucht. Da ich ohnehin nicht viel mitnehmen konnte (23 kg sind bei knapp 3 Wochen mit Schlafsack, Reithelm und Reithose sowie Chaps nicht viel), reicht das. Tops zum Reiten, zwei dünne langärmelige Hemden als Sonnenschutz, für abends eine saubere lange Hose, Fleecejacke, Schlafanzug, Kulturbeutel, Trekkingsandalen. Der Koffer mit den restlichen Sachen bleibt hier. Unsere Wertsachen auch. Die hat Immo ganz geheim versteckt. Es wird ohnehin keine Gelegenheit geben zum Geldausgeben


3. Tag, Farm undTrailstart
Ich werde früh wach. Aufregung? Bea geistert auch schon draußen rum. Ich gehe erstmal duschen und Haare waschen – letzte Gelegenheit. Um 8.30 gibt es Frühstück auf der Veranda, wieder mit Müsli, Kaffee/Tee, Brot mit Marmelade, Wurst, Käse, Obst. Danach schauen wir zu, wie Katha, Marina und Heike Pferde fertig machen, bevor Immo kommt zur Farmrundfahrt. Wir fahren stehend auf der Ladefläche eines Pickups mit, der zwar älter aussieht, aber gerade von der Technik und vom Motor her runderneuert wurde….Dieses Mitfahren im Stehen ist hier übrigens auch auf den öffentlichen Straßen zu sehen. Sando und Berta kommen auch noch mit und sitzen zwischen unseren Beinen. Wir fahren über das Farmgelände, Immo schaut nach Wasserdämmen und Wasserstellen. Es ist dieses Jahr sehr trocken. Leider ist an der Wasserstelle wo er sein sollte nichts vom Zuchthengst der Farm zu sehen. Tja, und dann sind die komischen Geräusche des Autos nicht mehr zu überhören. Irgendwo am Zaun bleiben wir stehen. Immo macht die Motorhaube auf, fummelt rum. Wir suchen Schatten und Bea muss immer mal wieder Probe-Starten. Autopanne im Busch…es macht doch Sinn, immer Wasser dabei zu haben. Wir sind zwar immer noch auf der Farm, aber die ist 9000 Hektar groß…. Irgendwann läuft der Motor doch, und wir rollen zurück, immer mal wieder muss ein Tor
geöffnet werden. Dann gibt es Mittagessen in der Lapa, Lauchkuchen vom Blech und Salat. Nun wird es ernst. Unser Gepäck wird auf die „Lorry“ verladen. Der Lkw mit dem eigens angefertigten Aufsatz ist das Begleitfahzeug. Ganz oben liegen Heuballen für die Pferde Da es so trocken ist, wird es kein Gras mehr geben und es wird zugefüttert. Dann Fächer mit unseren Taschen, dazu die Schlafmatten (übrigens sehr dick und komfortabel), eine Kühltruhe (!!!), die Zelte, Vorräte und ein riesiges Wasser-Faß. In der Hitze machen wir die Pferde fertig. Jeder bekommt noch eine Satteltasche, eine Banane mit Seitentaschen. Ich quetsche dort ein mitgebrachtes Erstes-Hilfe-Set rein, dazu zwei Trinkflaschen mit Wasser. Kamera habe ich in Gürteltasche. Immo, Katha, Heike Alina Marina und Lou bilden das Abschiedskomitee. Lou singt ein Lied für uns. Es ist ihr wohl etwas unangenehm, aber es klingt wirklich schön. Winkend gehen wir los, im Paddock darf jedes Pferd noch mal trinken. Dann Beine ziehen, aufsitzen, Reihenfolge festlegen, noch mal winken und los geht’s. Vorn reitet Junias auf Miriam, einer Braunschecke, die zum ersten Mal den Trail mitgeht und von Junias sozusagen getestet wird, dann Bea, dann ich, zuletzt Tina auf Mr. Dean, ein Fuchsschecke. Damit bin ich die einzige ohne Schecke, dabei liebe ich bunte Pferde doch so…egal, Lina wird mir ans Herz wachsen. Tina auf Mr. Dean wird auch immer etwas sehr weit zurückbleiben, weil er eher gemütlich läuft, was ihr aber nichts macht – und so bekommt sie weniger Staub ab….Im Flussbett galoppieren wir wieder, sonst viel durch den Busch. Junias zeigt uns beim Vorweg-Reiten Löcher an…kleine und größere, von Warzenschweinen, Erdhörnchen oder was auch immer…. Anfangs bin ich etwas beunruhigt, aber um es vorweg zu nehmen: Keines der Pferde ist auch nur einmal gestolpert. Es ist wirklich warm, aber es weht ein leichter Wind. Mein dünnes Jeanshemd gegen Sonne bleibt immer mal wieder in Dornen hängen. Es wird am Ende des Trails aussehen wie ein durchlöcherter Putzlappen in braun statt, wie jetzt noch, in zartem Hellgrau. Aber ich wollte es nicht missen. Und besser die Dornen reißen den Ärmel auf als meine Haut… Wir reiten heut Nachmittag bis an den Rand der Farm. Irgendwann taucht überm Busch ein metallenes Windrad auf. Die zeigen immer an, dass dort eine Wasserpumpe sprich Tränke ist – und damit meist unser Ziel. Wir lassen die Pferde trinken, satteln sie ab, bürsten und Hufe auskratzen. Der Karton mit Putzzeug und Halftern sowie Heu standen schon bereit. Das Heu verteilen wir noch im Paddock. Dann laufen wir zu Fuß auf eine kleine felsige Anhöhe. Dort ist unser erstes Camp: Unsere Zelte, zwei größere Iglus, stehen schon auf Betonplatte, an gemauerte Feuerstelle ist Alina in Schürze zu gange, dahinter steht die Lorry. Johannes, ein Arbeiter von der Farm, begleitet sie und baut unsere Zelte auf und macht Feuer. Full Service in der Wildnis! Auch mit dabei: Berta, einer der Dackel. Es ist ihre Premiere als Trail-Begleitung. Sie begrüßt uns freudig und hat schnell begriffen, dass abends das Rudel erst mit uns komplett ist. Alina hat immer mal wieder Angst dass sie abhaut, doch meistens klappt es gut. Wenn nicht, wird sie angebunden. Besonders in Camps, wo Paviane in der Nähe sein werden ist das nötig. Paviane können äußerst gefährlich werden. 2 ausgewachsene Tiere könnten einen Hund in Stücke reißen, so kräftig sind sie. Wir bekommen ein kaltes Savannah, ein Cider, der hier viel getrunken wird. Auf der Rückseite der Lorry auf runtergeklappter Luke ist unser Badezimmer: Ein Kanister Wasser mit Hahn. Daneben steht unser Klo: Spaten und Klorolle. Also erstmal durch den Zaun, ins Gebüsch (DORNEN!!) und Loch gegraben….noch ist es hell… dasselbe heut Abend im Dunkeln war um einiges unheimlicher. Mit unseren Drinks – dem in Namibia obligatorischen „sundowner“ - setzen wir uns auf einen Felsen und schauen uns den leider etwas verwölkten, trotzdem farbenfreudigen Sonnenuntergang an über dem weiten Busch. Zurück ans Feuer. In einem Rost steckt eine riesige aufgerollte Boerwurst, die typisch namibische Bratwurst. Dazu gibt es Toasts gefüllt mir Tomate und Käse, dazu Krautsalat. Auf einem Tisch steht Besteck und Teller bereit, ebenso Saftkonzentrat und Wasser. Da nach Sonnenuntergang sehr schnell sehr dunkel wird, hocken wir auf den gemauerten Steinbänken, die hier angelegt wurden und essen im Schein unserere Kopflampen. Danach noch Zähneputzen am Kanister, ein Spatengang und ab ins Zelt.
In einem Plastiksack ist für jeden auch ein Kopfkissen, ein Handtuch und ein Waschlappen-Tuch – alles da! Ich habe, da es ja namibischer Winter ist und die Nächte kalt werden können (und ich in der vergangenen Woche in der Wüste auch echt schon gefroren habe!!!) einen langen Schlafanzug an. Leider ist es mir total zu warm, habe auch einen ganz guten Schlafsack. Daher schlafe ich eher unruhig und schlecht. Dabei ist es echt gemütlich.

4. Tag Trail
Ich werde früh wach. Es ist noch dunkel. Im namibischen Winter geht die Sonne um ca. 7 Uhr auf und um 18.45 unter. Und zwar auch schlagartig. Dämmerung ist nicht. Daher sind die Tage dann auch abends vorbei – in der Wildnis ist im Finstern eh nicht gut was zu unternehmen. Als es dann sehr schnell hell wird, stehe ich auf. Bea ist auch schon draußen. Die sonne steigt steil hoch. Die Jungs haben Feuer gemacht, für heißes Wasser. Alina hat Frühstückssachen aufgebaut. Tee, Instantkaffee,
Wurst und Schinken, Marmeladen, Brot, Müsli mit Quark. Um 9 Uhr laufen wir vier Reiter los, runter zu den Pferden. Alina und die Jungs werden alles aufräumen, abbauen und dann vorausfahren zum nächsten Camp. Die Pferde bekommen noch Kraftfutter, Junias füllt es in Eimer ab. Auch die Box mit Futter werden Alina und Johannes wieder aufsammeln. Dann satteln wir wieder, neuralgische Punkte in der Gurtlage werden mit Vaseline eingecremt, Beine ziehen nicht vergessen und los geht es. Es ist jetzt schon wieder sehr warm. Wir galoppieren 1x kurz in einem trockenen Fluss, reiten ansonsten gefühlt kreuz und quer durch den Busch – mitsamt Dornen. Reiten ca 2,5 Stunden. Dann sind wir plötzlich wieder an einem Wassertank unter einem Windrad, daneben stehen Kühe. Es ist schon eine andere Farm, aber wir dürfen hier durchreiten und rasten. Die Pferde werden
abgesattelt, die Rinder vertreibt junias von der Tränke, dann kommen die Pferde in den Paddock. Unter einem Riesenbaum etwas weiter steht die Lorry, Tisch und Stühle. Auf einem Gaskocher erwärmt Johannes leckere Butternut-Kürbis-Suppe, dazu gibt es leckeres selbstgebackenes Brot mit Zwiebeln und Speck drin. Leider werden wir schnell von Sandflöhen gepiesakt, die unsere Füße angreifen. Die Siesta danach verbringen wir also auf den Stühlen und legen die Füße hoch, irgendwo unter der Lorry auf Reifen und Stangen. Ich gehe einmal im Flussbett im Sand mit Spaten aufs „Klo“. Dort im Sand steht die Hitze, ich mag mich kaum bewegen. Alina kocht dann noch Wasser für Kaffee oder Tee, dazu gibt es Kekse. Nähe des Paddocks huschen Paviane herum, daher muss Berta an Leine bleiben. Um 15 Uhr geht es wieder zu den Pferden. Nach dem Putzen und Satteln in der Hitze (kein Schatten in Sicht) bin ich eigentlich schon fertig. Was mache ich hier eigentlich? Ich gucke die anderen an, und es ist klar: wir alle leiden unter der Wärme. Und geteiltes Leid ist halbes Leid! Es ist noch nicht mal so dass man hier total stark schwitzt. Denn die Luft ist staubtrocken, Schweiß trocknet quasi sofort weg. Gottseidank. Schwüle Hitze wäre für mich schwerer zu ertragen. Wir reiten dann wieder weiter durch das Buschland, ab und an mal auf Fahrpiste. Wir galoppieren auch kreuz und quer durch die Büsche. Lina hat noch Winterfell (kalte Nächte!!) und ist natürlich immer schon nach kurzer Zeit klatschnass. Wir machen 2x Pausen wo wir absteigen, aus unseren Flaschen trinken (die wir an der Lorry auffüllen konnten). Die Pferde fallen immer sofort in den Dös-Modus, für sie gibt es nichts zu trinken – wo auch hier? Und da Trockenzeit ist, gibt es auch kein natürliches Wasser. Wir sitzen völlig geschafft auf dem Boden, immerhin immer im Schatten eines Dornbusches oder kleinen Baumes. Aber irgendwie ist auch gerade diese körperliche Herausforderung gerade das, was wir ja auch ein bisschen gesucht haben….wie nach einer Wanderung oder beim Sport sorgt das ja auch für Glückshormone, wenn man Grenzen überwindet. Dann reiten wir irgendwann auf einer Fahrpiste an Bäumen an einem (trockenen) Fluss, dem Omaruru, entlang. Die Lorry steht da auch, der Wasch-Kanister mit Wasser lockt verheißungsvoll. Doch erst reiten wir dran vorbei. An einem Zaun steigen wir ab. Es ist eine Art winziger Bauernhof, ein Stück Land, mit dem obligatorischen Windrad, Kuh-Paddock und einem winzigen Betonhaus. Wir lassen die Pferde trinken, ich tunke meine Unterarme in das Wasser der Tränke. Dann laufen wir noch zu einem anderen Paddock. Wir satteln ab, legen Sättel auf eine Plane, die Johannes dort schon bereitgelegt hat. Junias macht noch darauf aufmerksam, dass wir die Reissverschlüsse der Bananen zumachen sollen – für Schlangen wäre das nachts eine tolle Höhle. Wir putzen den Pferden Staub und Sand aus dem Fell, verteilen mit Junias Heu. Dann laufen wir zurück zur Lorry. Dahinter geht ein Pfad durch die Bäume runter ins Flussbett. Dort, mitten im Omaruru, stehen unsere Zelte. Eine Feuerstelle hat Johannes auch schon eingerichtet, drumherum stehen Stühle. Bea ist fertig und legt sich ins Zelt. Ich lasse mir ein kaltes Bier geben – noch nie so lecker gewesen. Dann schnappe ich mir meinen Waschlappen und gehe zum Kanister. Wasche mich mit dem Waschlappen und Wasser ab, halte Kopf einmal kurz drunter. Herrlich! Aber dennoch alles andere als eine Dusche – Wasser ist hier eben ein kostbares Gut, und auch unsere Vorräte sind endlich- auch wenn zwischendurch mal wieder aufgefüllt werden kann. Setze mich ans Feuer, schreibe bisschen Tagebuch. Bevor die sonne versinkt (leider hier nicht so gut sichtbar) und es dunkel wird, schnappe ich mir den Spaten und erkunde das Flussbett nach einer geeigneten Stelle. Als wir essen, ist es schon dunkel und wir sitzen wie Grubenschlümpfe mit Kopflampen drumherum. Johannes und junias sind im Murmel-Modus. Bea ist auch wieder da. Es gibt Reis mit leckerem Zucchini-Ratatouille, dazu Mais-Paprika Salat. Zum Nachtisch lüftet sich auch das Geheimnis der langen dünnen Holz-Stäbe, die im Sand steckten. Es sind Zweige, die Johannes frisch angespitzt hat – zum Marshmellow-Grillen! Die tüte macht die Runde, wir halten sie ins Feuer und versuchen den richtigen Gar-Punkt herauszufinden. Wir sind alle happy und entspannt. Über uns der unglaubliche Sternenhimmel – was will man mehr?

5. Tag Trail Erongo
Ich schlafe schlecht, wache mehrmals auf weil ich trockenen Mund habe. Die Trockenheit ist echt krass. Ein guter Lippenpflegestift und Hand- oder sogar Fettcremes kann ich nur empfehlen, zumindest zu dieser Jahreszeit. Wir sind alle früh wach. Frühstück am Feuer. Um 9 Uhr geht es zu
den Pferden, die die Nacht auch gut überstanden hat. Unter Junias Aufsicht fülle ich Pellets ab – am Ende des Trails lässt er uns das auch so machen. Nachdem die Pferde gefrühstückt haben, putzen und satteln. Reiten an Lorry vorbei. Abschied von Alina. Sie will am Wochenende auf eine Hochzeit und wird heute mit ihrer Mutter Heike tauschen. Auch wenn wir nun gestern durch Busch geritten sind und der Boden dort ja auch hart war, wird es nun zunehmend steiniger. Wir reiten ja auch auf die Erongo-Berge zu. Plötzlich vor uns Felsen, auf denen rundgeschliffene Riesen-Kugeln liegen. Plötzlich vor uns quasi Felswand. Wir müssen absteigen. Junias läuft vor… es ist eine enge Felsspalte, der Boden nackter Fels mit Steinbrocken. Ich habe ja Mühe, drumrumzulaufen…doch die Pferde gehen trittsicher durch die Engstelle hindurch, kein Zögern, kein Stolpern. Dahinter sitzen wir wieder auf. Tina stellt fest, dass sie einen Handschuh verloren hat. Junias sitzt ab, drückt Miriams Zügel Bea in die Hand, und läuft, ganz Gentleman, zurück. Wir wundern uns nur dass es solange dauert. Als er zurückkommt, entschuldigt er sich, er habe den zweiten nicht gefunden. Tina entschuldigt sich für das Missverständnis – sie hatte ja nur einen vermisst. Lachend geht es weiter. Wir müssen wieder durch ein gut gesichertes Tor und verlassen damit das Farmgelände. Dahinter dornige Bäumchen. Junias starrt darauf und biegt plötzlich von dem Weg ab mitten rein. Wir folgen
verwirrt, bis auch wir sehen was er sieht: Eine Giraffe samt Jungtier! Wir umrunden die beiden eine Weile mit den Pferden. Wir staunen, die beiden schauen uns auch neugierig an. Wow! Ich hatte zwar schon auf der Safari Giraffen gesehen, aber vom Auto aus ist es doch was ganz anderes als vom Pferd aus. Die Pferde sind übrigens cool geblieben. Sie haben die Giraffen zwar auch registiriert und die Ohren gespitzt, aber selbst Miriam zeigte keine Furcht. Dann lassen wir die beiden in Ruhe, reiten zurück auf die Fahrpiste. Die wird von Schotter plötzlich zu feinem Sand. Der ideale Boden für einen laaaaaangen Galopp. Und Lina läuft und läuft und läuft. Mr Dean bleibt immer etwas zurück, aber ich genieße diese Galoppaden sehr, und auch die beiden vor mir zeigen keine Ermüdungserscheinungen. Plötzlich taucht vor uns eine Wasserstelle auf. Diesmal keine lange Betontränke, sondern ein rundes Wasserloch, eingefasst mit Steinen. Also eher einer Wildtränke. Um diese hier tummeln sich ein Haufen Warzenschweine. Erst als wir absteigen und aus Büschen hervortreten, sehe ich, dass oberhalb des Wasserlochs, vor einer Felswand, eine Lodge ist, mit einem großen Haupthaus und mehreren Hütten, die aufgereiht vor dem Berg liegen. Wir lassen die Pferde trinken, die Schweine ergreifen mit aufgestelltem Schwanz (sieht aus wie eine Antenne), die Flucht. Sind aber weniger scheu als andere die ich gesehen habe, bleiben in der Nähe. Neben dem Wasser sind zwei
Anbindebalken, die extra für die Trail-ritte dort gebaut wurden. Wir lassen die Pferde dort stehen und laufen hoch zur Ai Aiba Lodge. Vor dem Haupthaus, schick mit Reet (?) gedeckt, ist eine Terrasse und ein Pool, Palmen spenden Schatten. Der Blick in die Ebene und zu den anderen Bergzügen ist fantastisch. Wir ziehen Schuhe aus und krempeln Hosen hoch. Sven, ein Deutscher, der hier arbeitet,
begüßt uns. Wir bestellen eine Runde Rock Shandy. Dann entern wir erstmal die Toilette- Wasser!!!! Ich hänge meinen kopf drunter, mache Arme, Beine, Nacken nass. Der Rock-Shandy entpuppt sich als herrlich erfrischendes Mischgetränk aus Kräuterlimonade und Ingwer. Sven wundert sich wohl auch etwas, warum wir uns das antun. Und bietet uns eine Dusche an, in einem leerstehende Gästezimmer. Wir sagen nicht nein…nacheinander laufen wir hin. Auch wenn ich kein Shampoo
habe: Wasser überall und nasse Haare – herrlich! Hatte übrigens Bedenken, dass ich mit fettigen Haaren zu kämpfen haben würde. DAS war zumindest nicht der Fall, da die trockene Luft und der Staub wie ein Trockenshampoo. hier fehlt mir aber eine Bürste – die 10 Finger kämm Methode sorgt dann doch für Knoten….(ich habe überschulterlange, dicke, teils gelockte Haare!!!) Heike
und Johannes sind dann auch da, machen hier Stopp. Heike gibt uns noch einen Rock-Shandy aus. Halten noch unsere Füße in den Pool und bewundern Romeo, den sprechenden Papagei in der Voliere neben der Terasse, der von Sven noch eine Dusche bekommt. Eine Familie kommt währenddessen an, fährt mit 4x4 Riesen-Auto vor. Nun, wir haben uns den Weg erarbeitet…allerdings ist es auch komisch, zu sehen, dass die Zivilisation doch schnell da ist…. Hatten wir doch 2 Tage schon
uns voll in das Wildnis-Gefühl eingegroovt. Zu essen gibt es was aus den Satteltaschen, wir haben dünne trockene Würstchen, Cracker, Apfel und Riegel bekommen. Viel Hunger habe ich bei der Hitze aber eh nicht. Wieder so um 15 Uhr ist die Siesta vorbei. Runter zu den Pferden. Lassen sie noch mal trinken. Reiten los. Kaum weg von der Lodge, stehen sie plötzlich haufenweise zwischen
den Bäumen: 10 Giraffen!!!! Wir freuen uns unglaublich, reiten um sie rum, fotografieren, lassen uns anschauen, sind fasziniert von diesen ungewöhnlichen Tieren. Dann sind wir plötzlich auf breitem Sandstreifen, der mit weißen Steinen markiert ist. Ein Airstrip - eine Landebahn. Wir reihen uns
nebeneinander auf und galoppieren - auch mal toll! Es wird zwar schnell, aber kein kopfloses Wettrennen. Wir machen noch eine Pause unter einem Baum. Ich lege mich hin, Bea fotografiert und meint lachend, das sieht eher nach schwerem Reitunfall aus als nach Pause. Ist ja gottseidank nicht der Fall! Dann geht es noch ein Stück weiter, und plötzlich sind wir wieder an einem runden Wasserloch, mit Steinen eingefasst, etwas dahinter ein riesiger Wassertank und Windrad. Steigen ab, lassen Pferde trinken – wir sind schon da! Dank Giraffensichtung ging der Nachmittag echt fix rum! Da dies kein Farmland ist, gibt es auch kein Paddock. Wir laufen mit den Pferden ein Stück zum Camp. Die Zelte stehen vor einer pittoresken Felswand, auf der oben wieder „Kugeln“ liegen, in Felsnische steht Tisch und da ist die Feuerstelle, wie in einem natürlichen Kraal. Davor die Lorry, die Zelte etwas versetzt. Es ist ein wunderschöner Platz, und wir freuen uns das wir hier 2 nächte sind.
Allerdings ist uns auch noch die Geschichte im Ohr, das auf einem der vorigen Trail hier nicht gecampt werden konnte, weil ein Leopard hier sein Revier hatte….der ist nun wohl aber weiter gezogen. Aber auch hier kein Paddock?! Wir erfahren: sie werden einfach an die Bäume gebunden. Dort bekommen sie das Heu. Und das 2 Nächte? Doch sie kennen es offenbar, und auch wenn Lina unter einem „Stinkebusch“ stehen muss (ein Strauch, der einen furchtbaren Katzenpisse-Duft verströmt und hier sehr oft zu finden ist) wirkt sie entspannt. Miriam, die das ja nicht kennt, läuft am Anfang etwas hin und her, so dass ihr Strick irgendwann um Baum gewickelt ist. Aber selbst da bleibt sie einfach stehen, statt in Panik zu verfallen, und liess sich von uns wieder entwirren – und dann hatte sie es irgendwann wohl auch kapiert. Heike zeigt uns die Umgebung. Wir laufen noch mal zum Wassertank. Dort ist die erste und einzige Dusche des Trails installiert: ein abgeklemmter Schlauch hängt vom Wassertank herab. Dort haben Johannes bzw Leute von der Farm dann sogar ein kleines Stück boden betoniert und einen toten Ast als dekorativen Handtuchhalter eingebaut.
Afrikanische Dusche….Sichtschutz gibt es nur an einer Seite vom Wand des Tanks, zur anderen Seite, zum Wasserloch hin, ist es offen. Aber wer soll von da schon gucken? Dann laufen wir um die Felsen herum, vor denen die Zelte stehen. Auf der anderen Seite fallen sie flacher ab. Wir laufen hoch, bewundern eine gespaltene Kugel und genießen den bombastischen Ausblick in die Ebene. Ich düse dann noch mal kurz zurück und gehe duschen! Einfach Draht von Schlauch abwickeln und Wasser marsch! Herrlich erfrischend! Dann mit einem Savannah wieder hoch zu den Mädels, mit dem Sundowner in der Hand den Sonneuntergang genossen. Auf den Felsen überall Mini-Köttel, wohl von klippschiefern und Pavianen, die sich aber nicht blicken lassen. Dann runter zum Feuer. Es gibt Nudeln mit leckerem Gulasch, dazu Tomatensalat. Als Nachtisch karamellisierte Bananen und Äpfel mit Vanillesauce. Spülen tun übrigens die Jungs – was ich bis zum Ende zwar sehr nett finde, aber dieser Full-Service fühlt sich komisch an. Bea zieht dann aus unserem Zelt aus. Sie hat beschlossen, ganz oben auf der Lorry zu schlafen. Dort ist zwischen den Heuballen mittlerweile etwas Platz. Und sie hat den tollen Sternenhimmel über sich…also habe ich ein Einzel-Zelt und viel Platz. Allerdings ist es fast ein bisschen unheimlich: Hier in dem Naturschutzgebiet sind nachts sehr sehr viele Geräusche. Zebras iaahen, sie ziehen zur Wasserstelle, Geckos „bellen“ und vieles mehr. Es scheint, als würden sie im Dunkeln alle aktiv werden. Ich wundere mich, dass die Pferde gerade wegen der Nähe der Zebras nicht nervös geworden sind, aber am nächsten morgen stehen alle ganz entspannt unter ihren Büschen.

6. Tag Trail Erongo
Stehe gegen 7 Uhr auf. Frühstück, dann Pferde füttern und satteln, zum Wasserloch, dann aufsitzen. Wir machen heute Vormittag quasi ein Open-air-Museumsritt. Junias reitet mit uns zu drei Stellen, wo uralte Buschmann-Felsmalereien zu sehen sind. Eine davon unterhalb lustiger Felsformationen in Pilzform. Es sind Menschen mit Pfeil und Bogen zu erkennen, Giraffen, Nashörner etc. Von einer Stelle hat man tollen Ausblick. Unser Wasser in den Flaschen „pimpen“ wir jetzt mit einem Mineral-Vitamin-Energie-Pulver, dass Alina gekauft hat. Ist zwar wohl hauptsächlich Zucker, aber schmeckt mal anders und gibt schon irgendwie Power. Nach den Felsmalereien reiten wir zurück zum Camp. Ich bin heilfroh, denn ich fühle mich unwohl. Kein richtiger Hitzschlag, aber mir ist unglaublich warm von innen heraus und ich mag mich nicht bewegen. Ziehe kurze Hose an. Heike gibt mir eine Isomatte, und ich suche zusammen mit Berta Schatten unter der Lorry- gar nicht so viel da, wenn die Sonne so hoch steht. Lege mich wie tot hin. Zwischendurch rappel ich mich auf und mache mein Top am Kanister nass, ziehe es an in der Hoffnung auf Kühle. Zum Mittagessen steh ich dann doch auf. Es gibt leckeren Nudelsalat und herzhafte Muffins. Heike ist etwas besorgt und meint, wenn ich möchte kann ich auch nachmittags im Camp bleiben statt reiten. Ich überwinde mich dann doch, quäle mich in die Reithose und mache Pferde fertig. Wir reiten ja auch „nur“ ein bisschen im Gelände rum. Die Giraffensuche ist diesmal nicht ganz so ergiebig, nur ein Exemplar begegnet uns. Insgesamt sind aber immer mal wieder haben wir winzige Antilopen unter Büschen gesehen, leider nicht zum Fotografieren geschafft. Auch Zebras sind zu sehen gewesen, meist etwas entfernt, ebenso Klippschiefer. Trotzdem ist es ein schöner Ritt, besonders als die Sonne tiefer steht. Dieses goldene Licht ist einmalig. Satteln Pferde ab. Dann gehen wir noch mal zum Wasserloch, lassen sie trinken. Heike ist mit, mit einem Eimer Wasser waschen wir die Pferde ab. Staub und Schweiß sollen mal
runter. Die anderen lassen ihre dann sogar los, damit sie sich wälzen können. Da Lina wohl mal gern stiften geht, muss sie es am Strick machen – aber auch kein Problem! Sie genießen es alle sichtlich und wir freuen uns mit ihnen. Dann auf Felsen mit „sundowner“ zum Sonnenuntergang. Heike und Berta auch dabei. Ich genieße dann auch noch mal die Schlauch-Dusche. Zum Abendessen gibt es total leckeres Kudu-Steak, dazu Kartoffeln in Knoblauch Sahne, dazu Salat mit 3 Sorten Bohnen. Dann „schlägt“ Junias sogar Sahne, mitten im Busch: Sie ist in einer Flasche, die er minutenlang schüttelt. Sie ist für leckere Brownies als Nachtisch. Vorm ins Bett gehen noch mal kurze Aufregung: Tina und Bea haben neben der Lorry einen dicken lebenden Tausendfüßler entdeckt, bisher lagen
immer nur tote Hüllen von denen am Boden. Uaah, mein Lieblingstier wird es nicht. Nachts wieder viele Geräusche.
7. Tag Trail
Heute morgen ist etwas anders als sonst: Es ist alles feucht. Die Zeltwand, meine Tasche die davor steht, die Reithose, die draußen hängt. Es ist das erste und einzige Mal, das ich hier in Namibia sozusagen Morgentau erlebe. Ansonsten hatten wir beim Trail übrigens milde Nächte. Kein Vergleich
zu den frostigen Nächten, die ich vor einer Woche in der Wüste erlebt habe. Aber es soll auf den Trails auch schon Glühwein gegeben haben… Bea auf der Lorry hat die Feuchtigkeit natürlich voll erwischt, leider auch ihr Buch, ihren Schlafsack etc. Nach dem Frühstück machen wir die Pferde fertig, inklusive Futter und Putzen von Miriam, da Junias beim Camp-Abbau hilft. Nach dem Satteln
laufen wir zur Wasserstelle. Silverado hat irgendwie Probleme mit der Stein-Einfassung und legt sich fast hin. Dann sitzen wir auf und reiten über die „Straße“ weg aus dem Erongo. Diese „Pads“ genannten Straßen sind mal sandig, mal felsig, mal Schotter. Irgendwann geht es wieder viel durch Busch und Dornen. Mein Jeanshemd bleibt hängen, diesmal reiße ich mir ein Riesen-Loch. Egal, es ist sowieso so dreckig, dass ich nicht daran glaube, es jemals wieder anziehen zu können. Irgendwann erreichen wir hohe Bäume, die fast dschungelartig wirken. Wir reiten hindurch und stellen fest, dass wir wieder am Omaruru-Flussbett sind, gegenüber der Stelle, wo wir am zweiten Tag gecampt haben. Wir sitzen ab, binden die Pferde an die tiefhängenden Äste. Es gibt Lunch aus der Packtasche, Würste, Cracker, Apfel. Es ist stickig heiß, und wir legen uns alle hin. Ich erst am Baumstamm, doch dort raschelt es überall. Schlangen? Eidechsen? So lege ich mich zu den anderen am sandigen „Ufer“.
Junias hat sich ein Kopfstütze aus seiner Wasserflasche gebaut, die Boots stehen daneben, der Cowboyhut ins Gesicht gezogen. So liegt er reglos zwei Stunden da, während wir, typisch Frauen, dann doch irgendwann rumgackern und reden. Tinas Spruch „ich könnte auch in Malle am Strand liegen“ hat etwa immer mal für Heiterkeit gesorgt. Ja, könnten wir, samt Cocktail, statt durch Staub
und Dornen zu reiten und mit pisswarmen Wasser, durch ein süßes Mineralpulver grellorange gefärbt gegen den Durst kämpfen. Doch keiner will wirklich tauschen. Zu intensiv ist das Erlebnis hier. Eine Woche malle am Strand mag entspannend sein, in Erinnerung bleibt aber hier von mehr. Nachdem Junias erwacht ist laufen wir durch den trockenen Fluss und die sengende Sonne auf die andere Seite, wo das Camp war. Dort wieder die Uferböschung hoch und zu dem kleinen Hof, wo vor zwei Tagen die Pferde standen. Wir dürfen sie dort wieder trinken lassen, und unsere Flaschen füllen wir an einem Wasserhahn im Hof auf. Bea macht sich kurz Gedanken wegen der Wasserqualität. Mir ist es egal, meine Micropur-Tabletten sind im Koffer. Und nein, es gab keinen Durchfall… ich kann auch nicht widerstehen und halte kurz meinen Nacken unter das Wasser, Bea befeuchtet ihr Kopftuch. Aber verschwenden wollen wir es auch nicht – das Wasser kostbar ist und etwas wundervolles, wird einem hier wirklich bewusst. Eine Gestalt ist im Inneren der Hütte auf einem Bett zu sehen, der Mann kommt aber nicht raus. Junias spricht kurz mit ihm, ich rufe auf Englisch ein „Danke für das Wasser“ rein. Dann sitzen wir wieder auf. Über eine Schotter-Pad geht es weiter. Wir wechseln auch mal die Reihenfolge, jeder geht mal vorn. Das hat sich einfach so ergeben, und Junias hatte nichts dagegen. Plötzlich sehen wir wieder ein Windrad vor uns. Wir sind an dem Posten, wo wir am Beginn des Trails Mittagspause gemacht haben und es Kürbissuppe gab. Heute übernachten wir hier. Die Zelte stehen ein Stück weg vom großen Baum in einem Flussbett. Heike kommt uns entgegen und gibt jedem eine Flasche kalten Farmdudler aufs Pferd. Herrlich! Trinkenderweise reiten wir noch bis zur Tränke. Machen Pferde fertig, dann zum Camp. Ich wasche mich mit Waschlappen hinter der Lorry. Dann gibt es Rosinenstollen. Später klettern wir alle hoch auf die Lorry, genießen dort unseren „Sundowner“, die Sonne versinkt hinter dem Busch. Heute essen wir noch im Hellen: Folienkartoffeln aus der Asche, dazu Oryx-Curry-Gulasch mit Mais, Möhren-Ananas-Salat. Stelle heute erst fest, dass der Mond bzw die Halbmondsichel hier falschrum am Himmel hängt. Klar, Südhalbkugel!

8.Tag Trail, Rückkehr zur Farm
Im Sonnenaufgang sitzen wir ums Lagerfeuer rum und frühstücken. Je höher die Sonne steigt, desto mehr Kleidungsstücke fallen. Die Fleecejacke wandert in die Tasche. Johannes trägt sie zur Lorry – auf afrikanische Weise auf dem Kopf. Um 9.30 Uhr zu den Pferden. Die haben sich wohl nachts etwas gekloppt, Mr. Dean hat eine Bisswunde am Bauch. Wir reiten eine Weile durch den Busch, dann auf einer schmalen Pad an einem Zaun entlang. An einem Tor im Zaun steht die Lorry mit Heike und Johannes. Sie warten auf uns, weil Junias Schlüssel hat. Sie fahren raus, auf eine breite
Schotterstraße. Wie sich rausstellt, reiten auch wir an dieser Straße lang. Ziemlich lang sogar. Und wir galoppieren auch mal. Da in Namibia der Verkehr aber äußerst dürftig ist, begegnen uns in der ganzen Zeit nur 2 Autos. Die aber auch nicht abbremsen und in eine Staubwolke hüllen. Auf der anderen Straßenseite ist auch ein Zaun – dahinter liegt das Land „unserer“ Farm. Irgendwann geht es von Straße runter und durch eine kleine Pforte durch den Zaun auf das Land. Wir reiten durch Busch. Junias entdeckt plötzlich ein paar Rinder samt imposantem Bullen, die wohl nicht hier her gehören, sondern auf ein anderes Weidegebiet. Er fängt an sie zu umrunden und gibt uns zu verstehen, dass wir sie „mitnehmen“ sollen. Wohin auch immer, aber so werden wir noch zu echten Cowgirls. Junias deckt die Seite ab, wir treiben von hinten. Es macht Spaß, und ich überlege schon, ob so ein Kuh-Hüte-Kurs nicht mal was wäre?!? Es gelingt uns, sie bis zur Tränke zu treiben. Pferde auf die eine Seite, Kühe auf die andere, der Durchgang wird von Junias und Johannes notdürftig versperrt.
Denn neben der Tränke unter einem großen Baum steht die Lorry und unser Tisch. Heike erwartet uns mit dem „Reste-Essen“, welches mehr als reichlich ist. Brot, Tomaten, Gurken, Feta, gekochte Eier, Wurst, Frischkäse, saure Gurken. Dann kommen noch Marina, die Praktikantin, und Kata, die ja auf der Farm Urlaub gemacht hat, angeritten. Großes Hallo…Dann hängen wir eine Weile im Stuhl rum, bis wir uns wieder in die Reithose quälen. Mit Marina und Kata zurück. Im Flussbett galoppieren wir noch mal. Und dann taucht plötzlich die weiße Farm im Busch auf. Wir sind wieder zu Hause! Alina empfängt uns am Putzplatz mit einem köstlichen Cocktail, Immo kommt und macht „Nachher“ Fotos. Wir satteln ab, putzen noch einmal. Alle Pferde werden inspiziert, sollen nach und nach gewaschen werden. Lina erst morgen. Wir gehen ins Gästehaus, ich packe meine Trail-Tasche aus. Auf den Betten liegt ein kleiner Willkommens-Gruß..:-) Es ist unglaublich, wie dreckig die ganzen Tops sind. Dann gehe ich unter die Dusche, genieße es, endlich wieder Shampoo zu benutzen. Der Schaum wird ganz schön braun. Aber auch wenn ich die warme Dusche genieße, mischt sich doch schon Traurigkeit mit ein, darüber, dass unser Abenteuer vorbei ist. An der Lapa treffe ich die Mädels, wir schauen, wie die Sonne hinter der Farm versinkt. Später gibt es Essen auf der Veranda in großer Runde. Spieße mit Kudu, Speck und Paprika, dazu Knoblauch-Sahne-Kartoffeln. Alina hat
einen Feuerkorb neben die Veranda gestellt und Holz angezündet, extra für uns, weil wir gesagt haben, dass wir das Lagerfeuer vermissen werden. Um 21.30 gehe ich ins Bett. 


9. Tag, Farm

Bea steht wieder früh auf, ich bin auch wach, bleibe aber noch liegen, da es erst 8.30 Frühstück auf der Veranda gibt. Eigentlich war dann angesetzt, dass wir noch mal die Trailpferde umtüdeln, waschen etc. Irgendwie wird daraus aber nichts, stattdessen geht es doch reiten. Ich bekomme Friendly, die ich ja schon vom ersten Tag kenne. Wir gehen erst auf Platz und üben etwas, Alina und Immo gucken zu. Dann mit Junias raus, Katha ist auch dabei. Ein kleiner Ausritt, ohne Galopp (na ja, bis auf Friendly Standgalopp beim Antraben). Um 12 zurück an Farm. Will noch Lina duschen, aber sie ist wohl doch nicht mehr in dem Paddock sondern in einem mit Zugang zum Busch und damit zu
weit weg. Um 12.45 gibt es Mittagessen in der Lapa. Kürbis-Apfel-Supper, dazu Bruschetta mit Tomaten bzw Pesto. Danach ist Mittagspause. Ich schlafe eine Weile im kühlen Zimmer. Um 15.30 gibt es Kaffee und Kekse auf der Veranda. Danach zu Pfeden. Da Friendly zu hibbelig war (ich fand es nicht schlimm, aber ich soll trotzdem tauschen), bekomme ich nun Doc Holiday, einen etwas größeren Fuchs. Dann fertigmachen. Alina, Immo und auch Heike kommen auch mit. Immo will
noch Fotos von uns machen…es wird sich rausstellen, dass wir nicht zum Reitermodel taugen J Reiten in das Flussbett, wo wir auch am 1. Tag Galoppübung gemacht haben. Immo und Junias reiten vor. Immo steigt ab und hockt sich in Busch in Mitte des Flusses, um zu fotografieren. Wir sollen in Gruppen auf ihn zu galoppieren. Ja…sollen. Ich scheitere grandios. Doc will nicht, rennt aus Flussbett hoch raus in Busch. Ich komme mir vor als könnte ich null reiten, es wird echt peinlich. Auch bei den anderen klappt es nicht auf Anhieb. Wir müssen irgendwann auch lachen. Ob Immo, der im Busch auf uns wartet, sich gerade fragt, was für Reiter er da eigentlich auf den Trail gelassen hat? Ich weiss nicht woran es liegt, verkrampfe aber natürlich auch irgendwann. Immerhin schaffen wir es zu dritt an Immo vorbei zu traben. Dann noch mal zurück, so halb im Galopp. Aber noch mal zurück zu Immo? Nicht mit Doc. Ich bin etwas frustriert. Heike bietet mir an, dass ich mit ihrem Sonntag galoppiere. Also Pferde getauscht, und ab geht die Post. Sonntag läuft. Leider so schnell, dass aus einem Gruppenfoto nichts wird, weil ich Bea mit ihrem Pferd hinter mir lasse. Lachend machen wir uns dann auf den Weg durch den Busch. Auf meinen Wunsch hin reiten wir an einem großen Termitenhügel vorbei, wo wir auch noch Fotos machen. Dann durch goldenes Abendlicht auf eine Anhöhe. Marina und Doris kommen dorthin, bringen Kühlbox mit. Ein letztes Savannah im afrikanischen Busch. Es ist eine wunderbare Stimmung, alle sind glücklich, die Pferde zupfen
zufrieden Gras. Quasi im Dunkeln geht es zurück zur Farm. Ich dusche und wasche Haare. Dann zur Lapa. Dort soll heute Abend gegrillt werden. Das ist Immos Aufgabe, der sitzt aber noch am PC und guckt unsere Bilder an. Er ruft uns zu sich und gibt noch ne kleine Sitzschulung. Denn auf den Bildern sieht man sehr schön, wie schief und verdreht wir sind. Leider lächeln wir auch nicht auf den Bildern, sondern geben am laufenden Band Küsschen, um anzugaloppieren. Projekt Werbefoto gescheitert, aber wir nehmen es mit Humor. Dann schmeißt Immo endlich Lammrippen aufs Feuer, dazu gibt es Salate: Rotkraut, Reis-Möhren-Salat und grünen Salat. Es gibt noch Vanille-Schoko-Pudding, Immo rückt einen guten Schnaps raus. Erst 23 gehen wir ins Bett – für namibische Verhältnisse haben wir quasi die Nacht durchgemacht!

10. Tag, Abreise
Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Es ist noch dunkel. Reste packen, dann rüber zum Haus. In Küche ist aber schon Frühstückstisch gedeckt. An Stühlen hängen Mobilees aus Stachelschwein-borsten und Samen etc, die Junias gebastelt hat. Wir kaufen ihm jeder eines ab, eine tolle Erinnerung. Dann wird
der VW-Bus bepackt. Denn Immo, Heike, Doris und Katha fahren heute noch für 2 Nächte nach Swakopmund, und wir Trail-Mädels müssen abreisen. Der Abschied von Alina, Junias und Johannes fällt schon schwer, dann tuckern wir los. Durch den Busch, wo wir ein paar Pferde entdecken, durchs Tor und auf die Pad. Es geht bis Karibib. Dort warten wir wieder an der Tourist-Info, bis um 9.30 Uhr wieder der Shuttle-Bus kommt. Koffer umpacken, Abschied. Als ich neben Bea im Bus sitze und dieser losfährt, schießen mir die Tränen in die Augen. Bea fragt, ob sie mir helfen kann. Ich schüttel halb lachend, halb weinend den Kopf. Nein, mir ist nicht zu helfen, aber es tut halt etwas weh, wenn man ein Stück seines Herzens hinter sich lassen muss.
Fazit: 
Ein wunderschöner, aber auch anstrengender Trail, was die Hitze angeht. (Zumindest zu dieser Jahreszeit). Kreislaufprobleme sollte man nicht haben! Vom Reiten her war es aber nicht anstrengend, sondern ein Vergnügen – abgesehen von unserem Versagen beim Foto-Ritt am letzten Tag. Wer eine kleine Herausforderung sucht, dafür aber mit einzigartiger Natur, Einsamkeit und intensiven Erlebnissen belohnt werden will, ist hier richtig. Herzliche Gastgeber, mehr als leckeres, immer frisches Essen, Einblicke in eine Working-Farm in Namibia komplettieren das Ganze. Auch wenn es „nur“ Camps sind: Es ist alles da was man braucht, und es geht auch ohne „richtige“ Dusche. Es war unheimlich komfortabel, dass wir nichts auf- und abbauen mussten und immer Essen gekocht bekamen. Es ist keine klassische „Großwild-Safari“ zu Pferde, mehr eine Wanderung zu Pferd mit Tiersichtungen. Wer den langen (und teuren) Flug auf sich nimmt, sollte ohnehin überlegen, vorher oder nachher noch ein bisschen das Land zu erkunden. Das Erongo-Gebirge ist ein wunderschönes Gebiet, das Reiten durch den Busch gibt einem das Gefühl von wirklich eins zu werden mit Afrika.

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