Mittwoch, 18. März 2015

Eine Frau, ein Auto, ein Highway - Number One

Bei meiner Kalifornien-Reise, die mir durch mein Sehnsucht am Sonntag Bild wieder in Erinnerung kam, hatte ich einen Gabelflug gebucht. Ankunft in Los Angeles, später Abflug ab San Francisco. Nach anderthalb Tagen im Dunstkreis Hollywoods und am Venice Beach musste ich also irgendwie nach San Fran kommen. Mangels Zeit blieb mir dafür nur ein Tag. Dass hieß: Früh aufstehen! Meinen Mietwagen hatte ich schon am Tag vorher bei Avis abgeholt. Autofahren ist ja in den USA überhaupt kein Problem. Überall Parkplätze, breite Straßen, und Automatik. Wobei das für mich schon fast wieder zum Problem wird – zumindest am Anfang. Ich sass schon mal mit völligem Blackout im Airport-Parkhaus und hatte keine Ahnung, wohin ich den Automatik-Knüppel schieben musste, um rückwärts auszuparken.
Das frühe Aufstehen (Abfahrt 6 Uhr) hat einen Vorteil:
Noch ist der Verkehr nicht so dicht. Mein Navi lotst mich ohne Probleme von Korea Town, wo mein Hotel war, über mehrspurige Stadtautobahnen an die Küste. In Santa Monica abgefahren, um zu Tanken. Allerdings bleibt es auch beim Tankstopp. Ich bin zu verpeilt, um trotz Navi den Weg in die Stadt zu finden. Und dort ging es dann rechts ab auf den Highway Number one. Vom berühmten Malibu sah ich dabei nicht viel, Straße, dann links eingezäunte Häuser, dahinter das Meer. Immerhin erhaschte ich den Blick auf eine Gruppe Delfine, die dort in den Wellen auftauchten. Verkehr und Straße liessen es nicht zu, dass ich bremste und anhielt, aber ich nahm das Bild als gutes Omen und fuhr glücklich lächelnd weiter Richtung Norden.
Meer bei Malibu
 Der kleine Nissan  ist mit meinem Flugkoffer gut ausgefüllt. Neben mir ein kleines Fresspaket mit Wasser, Süßkram und bisschen Obst, gestern noch schnell im 24h Walmart nah an dem Hotel gekauft. Die Strecke, 429 Meilen, rund 690 Kilometer, ist ohnehin schon lang, aber der Highway Number one ist eben auch „nur“ eine kurvenreiche, einspurige Küstenstraße, auf der man nicht so schnell voran kommt. Will man auch gar nicht, denn die Ausblicke sind grandios. Immer mal wieder halte ich an Parkbuchten für einen kurzen Fotostopp. Als ich rechts am Hang zwischen Kühen ein paar Zebras (!!) entdecke, weiss ich, dass ich kurz vor Hearst Castle bin.
 Zeitungsverleger William Randolph Hearst hat hier, bei San Simeon, in den 1920er Jahren ein schlossartiges Anwesen gebaut - samt Privatzoo. Die Zebras sind die letzten Tiere, die noch da sind. Ich besichtige das Anwesen trotz des stolzen Preises von 25 US Dollar. Wie immer ist alles touristisch durchorganisiert, samt Shuttle-Bus vom Parkplatz zum Eingang, den Hügel hinauf.
Die Besichtigung ist mit Guide, was auch ganz gut ist. So wird mir der Exzentriker Hearst richtig sympathisch. Er hat hier versucht sich seinen privaten Traum zu erfüllen, lud die Stars seiner Zeit, etwa Charlie Chaplin, zu sich ein. Auch im Inneren ist das Schloss spannend, hier trifft Mittelalter auf Kitsch. Und im Speisesaal, der an einen Thronsaal erinnert, ist die Tafel gedeckt. Wie zu Hearst Zeiten - nicht ganz stilecht, sondern mit Ketchup für die Burger...
Grandios sind auch sein Schwimmbad im römischen Stil und der Pool mit Wahnsinns-Ausblick. Hier geht es zur offiziellen Website.
Nach diesem kleinen Kulturprogramm fahre ich weiter. Der nächste Stop ist gleich unten an der Küste die See-Elefanten-Kolonie. Kostet keinen Eintritt, aber ich spende was den Leuten am kleinen Info-Stand, die sich um den Schutz der Tiere bemühen. Ich bin fast die einzige, die das macht, obwohl auch hier scharenweise Touristen anlanden. Aber denen fehlt hier wahrscheinlich das Rundum-Entertainment, und wenn es keinen Souvenir-Shop gibt, muss man auch kein Geld da lassen...
Von einem Holzplanken-Weg, etwa einen Meter über der Erde, blickt man auf den Strand, auf dem sich unzählige der riesigen Robben räkeln - und offenbar keinerlei Notiz von den Menschen nehmen. Ich bin begeistert von dem Gegrunze, den riesigen Körpern, die durch den Sand wabbeln, Tiere, die sich entspannt mit der Flosse am Bauch kratzen.
 Danach geht es weiter auf der Traumstraße, durch "Big Sur" hindurch, wo ich nochmal an einer einsamen Tankstelle im Wald halte.
Gegen Abend erreiche ich Carmel. Das Städtchen wirkt, wie vieles in den USA, zwar hübsch, aber auch total künstlich. Es wurde beschlossen, dass es dort keine Neonreklame geben darf, keine mehrstöckigen Häuser, alle Straßen- und sonstigen Schilder sind aus Holz. Konsequent und idyllisch, dadurch eben auch altmodisch, aber eben auf diese amerikanische Art, erzwungen, nicht mit natürlicher Patina.
Danach fordern das frühe Aufstehen und die lange Fahrt ihren Tribut. Ich fahre das letzte Stück nach San Francisco auf der Autobahn im Landesinneren, statt noch ein Stück die Küste lang zu fahren. Als ich abends noch die steilen Straßen in San Fran hochfahren muss und beim Querparken die Tür fast nicht aufkriege, weil es so steil ist, bin ich wirklich erledigt. Aber eines kann ich sagen: Der Highway Number One ist wirklich eine Traumstraße!
Mein Fazit: Ein Tag ist machbar, wenn die Zeit knapp ist, und man kann auch noch was angucken. Aber nicht viel. Besser wären zwei Tage und eine Übernachtung unterwegs, wobei es dort wenig Unterkünfte gibt, da es einfach nur wenige Orte gibt. So hätte ich z.B noch Zeit gehabt, Santa Barbara, Morro Bay oder den 17-Miles-Scenic Drive an der Monterey Halbinsel zu machen.One way ist übrigens kein Problem, die Automiete wird dadurch nicht teurer. Kalifornien und auch Florida haben sich da auf die Reisenden eingestellt. Nur darauf achten, dass man es an zentraler Stelle in San Fran wieder abgeben kann. Denn dort braucht man kein Auto, und Parkplätze sind rar oder teuer. Wer danach noch weiter will, sollte dann einfach neu anmieten.

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