Mittwoch, 2. November 2016

Viel zu entdecken im weiten Nichts - Wattenmeer

Im Fokus der Bloggerreise im Rahmen des Horizontoer-Festivals stand ein Weltnaturerbe der Unesco, das eigentlich auf den ersten Blick leer und langweilig erscheint: Das Wattenmmeer. Entweder da ist Wasser oder eine sandige, sanft gerippelte leere Fläche. Doch ich bin seit meiner Kindheit Wattenmeerfan, dank unzähliger Urlaube an der deutschen Küste und auf der Insel Föhr. Statt Bergtouren wurden bei mir schon früh Wattwanderungen zu dem Naturerlebnis, bei dem ich abschalten und auftanken konnte. In Holland liegen die Inseln wie eine Schutzkette vor dem Wattenmeer. Zwischen ihnen strömt das Wasser im Zuge der Gezeiten, bestimmt durch Sonne und Mond, ein und aus.
Wer dort Urlaub macht, muss sich nach den Gezeiten richten - Ebbe und Flut bestimmen auch den Fahrplan der Fähren zu den Inseln.

Wattwanderung:
Ohne ist ein Urlaub dort einfach nicht vollständig. Allein sollte man sich nicht weit ins Watt wagen - es ist wirklich gefährlich.
Denn es gibt schlickige Stellen, tiefe sog. Priele, in denen Wasser bleibt, und wenn die Flut kommt, geht es sehr schnell. Ein kundiger Führer kennt aber nicht nur den sicheren Weg und die Gezeiten, sondern zeigt und erklärt, was diese einzigartige Naturgegend ausmacht.
Auf Ameland hatten wir das Glück, eine Gruppenführung mit Harmen Wijnberg zu machen. Der Amelander hat als Kind noch mit seinem Vater vom Watt gelebt: Muscheln sammeln und Robben fangen gehörten dazu. Er engagiert sich heute für das Watt auf ganz bodenständige Art - denn er weiß, nur was man kennt, schützt man auch.
Zusammen mit ihm marschieren wir los - meine Turnschuhe sind in kürzester Zeit nass. Gummistiefel hatte ich nicht extra eingepackt, und die Sneaker sollen auch nicht vor Nässe, sondern vor scharfkantigen Muscheln schützen.
Harmen gräbt für uns Wattwürmer und Muscheln aus, knackt an einer verlassenen Austernbank eine Auster und lässt uns schlürfen, dazu gibt es einen Schluck seines selbst angesetzten Watten-Schnaps.

Auf dem Rückweg knabbern wir auf einer Salzwiese noch am knackigen Queller, einer Pflanze.
Im Anschluss an die Wanderung geht es zu Harmen nach Hause. In seinem Garten hat er eine Hütte mit "Jutterspad", also Strandgut, nebenan eine kleine offene Küche. Dort zaubert er für uns ein leckeres Essen: eine Muschelpfanne und frittierten Fisch. Ich bin nicht so der Fischfan, aber dieses einfache, aber so frische Mahl war einfach herrlich. Dazu frisches Brot und Butter, ein frischer Weißwein - besser kann es nirgends schmecken.
 

Bootsfahrt
Mit unseren Horizontoer-Schiffen sollte es von Ameland zurück an Festland gehen, nach Harlingen. Da sich die Kapitäne auch nach den Gezeiten richten mussten, kam es, dass wir Sonntag früh um 4 ablegten und durchs Wattenmeer fuhren, in der schmalen Fahrrinne, die tief genug ist. So kam es, dass wir auch noch an einer Seehundbank vorbeikamen - hunderte Robben lagen darauf herum, ein paar Köpfe schauten aus dem Wasser. Seehundbänke gibt es an vielen Stellen im Wattenmeer, und es werden fast überall Ausflugfahrten dorthin angeboten.
Es lohnt sich also, die Augen offen zu halten. In manchen Orten werden auch Kutterfahrten angeboten. Dort wird dann auch "gefischt" und es wird erklärt, was da so alles ins Netzt gegangen ist, z.B. auch Krebse.


Mich fasziniert das Wattenmeer immer wieder, auch wenn ich seine oft versteckten Bewohner nun schon so oft ausgegraben habe. Aber egal ob der Blick übers Wasser oder das Lichtspiel auf dem typischen geriffelten Wattenboden - diese Weite wirkt auf mich vor allem auch beruhigend. Und der Wind um die Nase ist auch noch gesund - Reizklima ist gut für die Atemwege.


Ich wurde zu dieser Reise von der Wattenmeer-Agenda und der Stichting RegioMarketing Toerisme (RMT) eingeladen, gefördert im Rahmen des INTERREG-Programms der Europäischen Union.

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