Donnerstag, 15. Oktober 2015

Citytrip Amsterdam: Schauen, Shoppen, Speisen

Auch wenn Amsterdam mich allein mit seinem Stadtbild schon verzaubert hat, kann man dort natürlich noch viel anderes machen als verzückt schiefe Häuser zu fotografieren und durch Grachten zu laufen und zu fahren - siehe mein anderer Artikel über Amsterdam.

Museen
Als ehemalige Kunstgeschichts-Studentin faszinierten mich auch die zahlreichen Museen. Praktischerweise liegen zwei große Museen direkt beieinander am Süden der Altstadt am Museumsplein, wo auch der berühmte Stadtmarketing-Schriftzug "Iamsterdam" steht.
Van Gogh
Zum einen ist dort das moderne Van Gogh Museum zu finden. Ich nutzte die lange Öffnungszeit am Freitag (bis 22 Uhr!), um das Warten auf meine Freundin abzukürzen.
Der Eintritt kostete 17,50 Euro, nicht gerade wenig. Das moderne Gebäude gibt einen spannenden Überblick über Van Goghs Leben und Werk, dazu immer spannende Wechselausstellungen. Als ich dort war etwa eine Gegeüberstellung von Van Gogh und Munch, beides Maler, ausdrucksstark in Farben und Formen, aber auch mit düsteren Gedanken. Über vier Stockwerke zieht sich die eigentliche Van Gogh Ausstellung, chronologisch geordnet, so dass man schön sieht, wie sein Leben sich in seinen Bildern wiederspiegelt.

Rijksmuseum
Auch wenn das riesige, palastartige Rijksmusem direkt neben an liegt, war ich dort erst am übernächsten Tag. Auch hier ist der Eintritt teuer (17,50 Euro). Das Museum wurde 2013 renoviert und schon die Eingangshalle ist beeindruckend. Hauptanziehungspunkt ist dort die Ehrengalerie, mit holländischen Meistern des Goldenen Zeitalters. Prunkstück ist Rembrandts Gemälde "Die Nachtwache". Ich empfehle, wem ein Audioguide auch zu langatmig ist, zumindest die "Learn more" Karten an verschiedenen Gemälden zur Hand zu nehmen. Darin erfährt man einiges, was auf den Bildern zu sehen ist, gemeint ist, versteckt ist.

Ons lieve Heer Op Solder
Als ich am letzten Tag noch etwas Zeit habe, lande ich mitten im Rotlichtviertel, direkt neben einem Coffeeshop, noch im Museum "Ons' lieve Heer op Solder" ("Unser lieber Herr auf dem Dachboden"). Der reiche Kaufmann Jan Hartmann hatte im 17. Jahrhundert, also dem Goldenen Zeitalter, das Amsterdam so prägte, den Dachboden seines von außen unauffälligen Kaufmannshauses zu einer Kirche ausbauen lassen. Der Grund: Katholiken war es damals verboten, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren - der Protestantismus herrschte vor. Im Privatem war es erlaubt, solang es nicht nach Kirche aussah von außen und nicht von der Straße zugänglich war. So komme ich in den Genuß, ein typisches Kaufmannshaus von innen zu sehen, teilweise noch eingerichtet wie damals, und über enge Stiegen wie die Gläubigen damals in die erstaunlich große Dachboden-Kirche zu gelangen. (Eintritt 10 Euro).

Anne Frank Haus
Von Anfang an wirklich fest vorgenommen hatte ich mir einen Besuch des Anne Frank Haus. Überall wird empfohlen, Tickets online vorher zu reservieren. Aber schon zwei Monate vorher gab es da keine mehr. Also blieb nur anstehen - in einer tatsächlich langen Schlangen entlang der Straße und an der Seite der Westerkerk, deren Glocken auch Anne im Versteck hörte. Wir schauten mittags vorbei, wollten da aber nicht warten, da schönes Wetter war. Abends gegen 18 Uhr war die Schlange etwas kürzer, wir standen noch etwa 45 min an, offen ist bis 21 Uhr (Samstag). Eintritt kostet 9 Euro. Es gibt eine kleine Einführung, dann begibt man sich ins Hinterhaus, dass man durch das zur Seite geschobene Bücherregal betritt. Es ist ein seltsames Gefühl, dort zu sein. Das Tagebuch hatte ich schon als Kind und Jugendliche mehrfach gelesen, es war mein Zugang zu diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte, aber auch eine Art "Vorbild", dieses schreibwütige Mädchen mit den vielen Gedanken und Träumen - ich konnte mich damals so gut mit ihr identifizieren. Das Hinterhaus ist heute leer, es wurden nur nochmal für einige Fotos Möbel hineingestellt, doch Otto Frank wollte, dass es so bleibt, wie er es nach dem Krieg vorfand: leergeräumt. Doch selbst in diesen leeren Räumen ist die Enge spürbar, es ist dunkel. Umso beklemmender die Überreste, die von den Bewohnern zeugen, etwa die Bleistiftstriche an der Wand, die Anne und Margots Wachstum dokumentieren. Im Anschluss werden in einer Ausstellung noch das Original-Tagebuch (Unesco-Weltkulturerbe), Zeitzeugeninterviews und Bilder gezeigt. In einem kleinen Auditorium wird ein Film gezeigt, in dem berühmte Persönlichkeiten, aber auch Freunde von ihr, erklären, was Anne für war. Deutlich wird dabei auch, dass viele sie nicht idealisieren und als Heldin sehen wollen - zu viele andere sind gestorben, für die es heute kein Museum gibt.
Selbst bei Regen wird es Euch in Amsterdam also nicht langweilig. Ich stand auch noch vorm Handtaschenmuseum, es gibt auch noch das Stedelijk Museum mit moderner Kunst, Filmmuseum, Palast, und und und....

Shoppen
Wie in jeder großen Stadt kann man auch in Amsterdam gut shoppen - wenn Zeit und Geldbeutel es hergeben. Wir haben uns einfach etwas treiben lassen und dabei eher nebenbei Einkaufsstraßen und Läden entdeckt. Wir begannen am Blumenmarkt, der jedoch auf der Seite der schwimmenden Verkaufsstände zu dieser Jahreszeit "nur" aus Blumenzwiebeln, auf der anderen Seite aus Kitsch, Ramsch und Souvenir-Läden - inklusive einem Weihnachtsladen mit Overload an Kitsch - bestand.
Kurz dahinter geht es am Muntplein ab in die Kalverstraat, quasi der High Street Amsterdams - mit vielen Ketten etc. Sie zieht sich bis zum Königlichen Palast. Am "Spui" lohnt ein Abstecher durch einen etwas versteckten Eingang (eine Pforte) in den Begijn-Hof. In diesem Hausensemble lebten im Mittelalter unverheiratete Frauen, die aber nicht ins Kloster wollten. Es ist wirklich schön da und abgesehen von Reisegruppen erstaunlich ruhig.
Die zweite Haupteinkaufsstraße geht vom historischen Waagebouw (Die alte Waage) Richtung Hauptbahnhof, der "Zeedijk". Richtig gut gefallen hat es mir aber in den "Negen Straatjes" (Neun Straßen), die Querverbindungen zwischen Kaiser-, Prinsen-, und Herengracht. Dort kann man quasi im Zickzack herumlaufen und ganz viele tolle kleine Läden und Boutiquen erkunden, auch sehr viele Second-Hand-Shops, in denen ich leider vergeblich nach einer Handtasche Ausschau hielt. Die Läden sind zu klein für die großen Ketten, dafür viele tolle andere Läden und auch Cafés. Es ist dort sehr belebt, und nicht nur Touristen schlendern dort herum. Kann ich nur empfehlen! Mehr Infos hier.

Speisen
Ich bin nicht wegen des Essens nach Amsterdam gekommen. Auf Reisen bin ich da recht anspruchslos, probiere aber gern Neues - und nur Mc Doof muss es dann auch nicht sein. In Amsterdam gibt es für einfaches Essen (Restaurants kann ich daher keine empfehlen) 1000Möglichkeiten. Imbisse bieten meist Pommes oder Falafel und Döner an. Am ersten Abend trafen wir uns am Rembrandtplein, wo nicht nur der berühmte Maler auf einem Sockel steht, sondern zu seinen Füßen Figuren aus seinem berühmten Gemälde "Die Nachtwache" stehen. Rund um den Platz ist abends und nachts viel los. Coffe Shops, Clubs und auch Restaurants locken eines neben dem anderen. Wir ließen uns einfach auf ein paar Stühle draußen fallen, die dort vor den Lokalitäten stehen. Es war mehr ein Touri-Schuppen mit einer italienisch angehauchten Karte. Ich nahm einen Caesar-Salat, der vollkommen ok war (Kosten: 13 Euro). Nebenbei kann man gut das Treiben auf der Straße beobachten.
Am nächsten Tag entdeckten wir in den "Negen Straatjen" zwar das Amsterdamer Pfannkuchenhaus, was in jedem Reiseführer empfohlen wird, aber dementsprechend standen dort auch die Leute, vor allem viele Asiaten, Schlange. Pfannkuchen gelten als typisch holländisch, aber warten wollten wir nicht. So liessen wir uns spontan direkt daneben draußen nieder bei Toos&Roos - dort gab es leckere Suppen in Riesen-Schalen mit hausgebackenem, sehr leckerem Brot. Zur Thai-Linsen-Suppe tranken wir übrigens Pfefferminz-Tee mit frischer Minze - dort als Heißgetränk weitaus üblicher als bei uns und wirklich überall zu bekommen.

Am Abend, nach dem Besuch des Anne Frank Hauses, hatten wir richtig Hunger. Doch die Restaurants sind uns zu teuer, ein Imbiss fällt durch - und meine Freundin hatte mir den Floh einer richtig guten Pizza ins Ohr gesetzt. Letztlich laufen wir noch bis ins Rotlichviertel, wo plötzlich ein Pizza-Straßenverkauf leuchtet. Kleine Bude, mehr zum außer Haus mitnehmen, nur paar Hocker an der Scheibe. Wir bestellen - und bekommen mit die besten Pizzen, die wir je hatten. Dünn gebacken, lecker belegt, himmlisch. Während wir sie verspeisen, bekommen wir mit, dass der Pizzaman die Restaurants nebenan und gegenüber versorgt. Haha!

Am nächsten Tag gibt es mittags nur noch einen Snack, ein frisch belegtes Sandwich auf die Hand, in einer Filiale vom Deli "Stach Food", wo es auch Kaffee, Salate und eigene Chips gibt.
Amsterdam - ich bin immer noch verliebt. Lässig, tolerant, ein bisschen "kantiger" als skandinavische Städte, ein bisschen weniger schick, aber superhübsch - und kulturell vollgepackt. Ein Citytrip, der wirklich lohnt!

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